Wallfahrt mit Reisemobil Gesegnet werden die Wohnwagenfahrer
Einmal im Jahr treffen sich mehrere Hundert Menschen mit ihren Wohnmobilen auf einem Stellplatz im niederrheinischen Goch.
In dem 34.000-Einwohner-Städtchen findet seit 2008 einmal im Jahr eine Wallfahrt für Reisemobilisten statt - es ist die einzige religiöse Veranstaltung dieser Art in ganz Europa.
Insgesamt kommen nach Angaben der Stadt jedes Jahr 15.000 Reisemobile auf den Friedensplatz. Die Wohnwagentouristen geben demnach etwa eine Million Euro in Goch aus.
Pater Hans Peters leitet den spirituellen Teil der Wohnmobil-Wallfahrt. Der 69-Jährige weiß, dass nicht nur fromme Katholiken mitmachen - und findet genau das auch gut.
Hermann-Josef Hubka ist mit seinem "Beichtmobil" von Anfang an in Goch dabei. Der Augustiner-Pater sagt: "Die Leute, die zu mir kommen, sind ziemlich gemischt."
Für viele Teilnehmer tritt der religiöse Teil des Wallfahrt in den Hintergrund, andere nehmen die spirituelle Idee jedoch weiterhin ernst: Diese Gruppe singt vor dem Festzelt auf dem Friedensplatz Kirchenlieder.
Viele Besucher gehen zum zentralen Wallfahrtsgottesdienst mitten in der Stadt, am Ufer des Flüsschens Niers.
Diese Gruppe hat sich vor einigen Jahren bei der Wallfahrt in Goch kennengelernt - und fährt seitdem gemeinsam auf Pilgerreisen in ganz Europa. Nächstes Ziel: Fátima in Portugal.
Wilfried Mersch kann mit dem religiösen Teil der Wallfahrt ziemlich wenig anfangen. Der 69-Jährige sagt: "Wallfahrt mach ich hier nur an die Theke."
Für Goch ist die Wallfahrt ein Glücksfall: Eigentlich gibt es in dem Städtchen, das im Zweiten Weltkrieg nahezu komplett zerstört wurde, nur wenig Sehenswertes.
Die meisten Teilnehmer schmücken ihre Wohnmobile für die Prozession mit Blumen, Kruzifixen oder Textbannern.
Die Leute in den Cafés der zentralen Einkaufsstraße lassen sich vom Lärm und den Abgasen der Autoprozession nicht vertreiben - im Gegenteil: Viele haben sich frühzeitig die besten Plätze gesichert.
Die Prozession fährt in einem langgezogenen Kreis durch die Innenstadt, an vielen Stellen kommt es dabei zum Stau.
Priester im Dauereinsatz: Pater Hans Peters spricht während der Reisemobil-Wallfahrt mit den Insassen eines Wohnmobils. Jedem der Hunderten Teilnehmer gibt der Geistliche einen christlichen Segen mit auf den Weg.
Pater Peters besprengt jedes der mehr als 160 Wohnmobile mit Weihwasser. Gesegnet werden dabei, das hebt der Missionar hervor, lediglich die Insassen - auch, wenn nur die Autos nass werden.