Walt Disneys "Tomorrowland" Mickymaus trifft Marsmonster
Der Mann im Mond:/b> Nachdem er seine Zukunftsvision in "Man in Space" noch als Zeichentrickfilm gezeigt hatte, ging Disney in der nächsten "Tomorrowland"-Folge einen Schritt weiter und zeigte eine bemannte US-Mondmission als Realfilm. In dem werden die tapferen "Weltraum-Pioniere" an Bord des Schiffs auf eine harte Probe gestellt ...
... als ein Meteorit die Außenwand ihres Raumschiffs beschädigt: Mit Hilfe eines düsengetriebenen Kleinfahrzeugs, des flaschenförmigen "Bottle Suit", begibt sich einer der Astronauten nach außen und flickt per Roboter-Greifarm das Sauerstoffleck.
Wissenschaftlich, aber humorvoll: Disney bezeichnete seine "Tomorrowland"-Reihe bewusst nicht als "Science Fiction", sondern als "Science Factual", also "tatsachengerechte Wissenschaft". Dennoch ließ er nie seine Rolle als Entertainer außer Acht und lockerte die wissenschaftliche Strenge der Beiträge immer wieder mit humorvollen Zeichentricksequenzen auf. Etwa mit dem Weltraum-Pendant eines Schweizer Taschenmessers ...
... oder eines unachtsamen Cartoon-Astronauten: Disney setzte den Weltraumerforscher den Tücken der Schwerelosigkeit aus, bis der von ständigen Zusammenstößen mit Gegenständen so gezeichnet war, dass ihm die Wichtigkeit der Weltraummedizin aufging.
Blaues Weltraumpferd: In der "Tomorrowland"-Folge "Mars and Beyond" spekulierte Disney darüber, welche Formen von Leben eine zukünftige Marsmission auf dem fernen Planeten wohl finden würde. Und phantasierte von lupenförmigen Flugwesen, die per Bündelung der Sonnenstrahlen ihre Beute rösten, von staubsaugerförmigen Krabbeltierchen, die mit Hilfe von Säure Steine zersetzen, oder von blauen Weltraumpferden, die Reserveköpfe im Maul mit sich herumtragen.
Die Zukunft zeichnen: In der Folge "Man in Space" wurde die Reise ins All noch als Zeichentrickfilm dargestellt. Dennoch achtete Disney auf die Realitätsnähe jedes noch so kleinen Details. So ähnelten etwa die Raumanzüge seiner Cartoon-Astronauten stark denen, die Jahre später tatsächlich bei Weltraumflügen eingesetzt wurden. Kein Wunder - zu Disneys Beraterstab gehörte der Physiker Heinz Haber, der an der Entwicklung des ersten Weltraumanzuges beteiligt war.
Fliegende Untertassen und Tischtennisbälle: Der deutsche Physiker Heinz Haber, ein weiterer Berater Disneys, vor einem Modell einer Raumstation für die Filmreihe "Tomorrowland". Haber bemühte sich, komplizierte wissenschaftliche Zusammenhänge stets möglichst anschaulich zu erläutern - berühmt wurde seine Erklärung der Kernspaltung in der "Tomorrowland"-Folge "Our Friend the Atom" - mit Hilfe eines Tisches voller mit Tischtennisbällen belegter Mausefallen, die bei Einwurf eines Balls von außen zu einer Kettenreaktion führten.
Wohl bekomm's: Begeistert berichtet der Erzähler in "Our Friend the Atom" davon, wie mit Hilfe von Radioaktivität Hungersnöte beendet werden könnten - während ein Geigerzähler die Strahlungsstärke radioaktiv angereicherter Maiskolben misst.
Blick in die Zukunft: Wie bei späteren bemannten Raumflügen lief die Kontrolle des Shuttle-Starts auch in Disneys "Man in Space" ferngesteuert ab. Zu komplex seien die zu überwachenden Prozesse, um sie den Astronauten im Cockpit zu überlassen, erklärte der Erzähler. Und zu groß sei die Gefahr, dass diese aufgrund des beim Abheben auf ihren Körpern lastenden Drucks zeitweilig das Bewusstsein verlieren.
Vor den Russen im All: Disney ließ Amerika in "Man in Space" schon 1955, zwei Jahre vor dem Start des "Sputnik"-Satelliten, in den Weltraum aufbrechen. Dabei kam Disneys Vision von einem Weltraumschiff erstaunlich nah an den tatsächlichen Aufbau späterer Space Shuttles heran. Obwohl die erst Jahrzehnte später abheben sollten.
Abenteuer im Morgenland: Am 9. März 1955 eröffnete Disney die "Tomorrowland"-Reihe mit dem Film "Man in Space". Ausgestrahlt wurden die "Tomorrowland"- Filme im Rahmen der Disney-Serie "Disneyland", die eigentlich dazu dienen sollte, für den damals gerade neu entstehenden gleichnamigen Freizeitpark zu werben. Wie der Park war die Sendung unterteilt in die Bereiche "Frontierland", "Fantasyland", "Adventureland" und "Tomorrowland".
Disneys brauner Helfer: Mitte der fünfziger Jahre scharte Walt Disney (l.) ein hochkarätiges Forscherteam um sich, um eine möglichst realistische Einschätzung zukünftiger Technologieentwicklungen für seine "Tomorrowland"-Filmreihe treffen zu können. Auf diesem Foto von 1954 steht er gemeinsam mit seinem Berater und ehemaligen SS-Sturmbannführer Wernher von Braun vor dem Modell einer Mehrstufen-Rakete, wie sie später in der Raumfahrt gebräuchlich wurde, im Redstone Arsenal, Alabama.
Mars macht mobil: 1957 brach in Disneys "Mars and Beyond" eine Flotte von neun nukleargetriebenen Raumschiffen auf eine jahrelange Reise zum Mars auf, um die Oberfläche des roten Planeten zu erforschen.
Im Auftrag Hitlers: Wernher von Braun, der als technischer Berater und Moderator mehrerer "Tomorrowland"-Episoden tätig wurde, war nicht unumstritten. Im Auftrag des NS-Regimes hatte er während des Zweiten Weltkrieges die gefürchtete "V2"-Rakete, die "Vergeltungswaffe 2" entwickelt, die in Bombardements Tausende Opfer gefordert hatte. Das Bild von 1942 zeigt von Braun mit Mitarbeiter der Heeresversuchsanstalt.
Unser Freund, das Atom: 1956 drehte Walt Disney im Auftrag der US-Regierung den Propagandafilm "Our Friend the Atom". Er zeigte die segensreichen Möglichkeiten der Kernenergie in Form einer harmlosen Märchengeschichte. Moderiert wurde die Sendung vom deutschen Physiker Heinz Haber, unter dessen Namen auch das Buch (Foto) zum Film erschien. Nach 1957 wurde der Film jahrelang im Wissenschaftsunterricht an öffentlichen Schulen der USA eingesetzt, um Schüler zur Kernkraftbegeisterung zu erziehen.
Dunkle Vergangenheit: Auch Ernst Stuhlinger (l.), ein weiterer Berater Disneys bei der "Tomorrowland"-Reihe, brachte eine NS-Vergangenheit mit. Er hatte gemeinsam mit Wernher von Braun während des Nazi-Regimes an der verheerenden "V2"-Rakete geforscht.
Ein Atom sieht rot: Nur wenige Szenen in "Our Friend the Atom" thematisierten die Gefahren der Kernenergie. In einer von ihnen verwandelt sich ein Atompilz in den wütenden Dschinn. Manchmal, so mahnt der Erzähler, habe der Mensch sich schon gewünscht, er hätte den Flaschengeist nie befreit. Doch um die Zuschauer nicht zu sehr zu verschrecken, fügt er sogleich hinzu: "... aber unser Märchen hat ein Happy End."