Walter Hagemann - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Walter Hagemann Der vergessene Parteirebell

Uni-Professor, Mitbegründer der CSU und braver Katholik: Walter Hagemann war lange ein Muster-Konservativer, bis er in den fünfziger Jahren mit unbequemen Positionen zum Alptraum seiner Partei wurde. Der Querdenker trat sogar mit der DDR in Kontakt - war er etwa ein Landesverräter? Von Stefan Appelius
1 / 8

Unbequemer Querdenker: Mitte Oktober 1960 nahm das Ehepaar Luise und Walter Hagemann in Münster am Bundeskongress der "Internationale der Kriegsdienstgegner" teil. Es war einer der letzten öffentlichen Auftritte von Hagemann vor seiner Flucht in die DDR. Schon 1958 war Hagemann aus der CDU ausgeschlossen worden, unter anderem wegen seiner Ablehnung der geplanten atomaren Ausrüstung der Bundeswehr.

Foto: Stefan Appelius
2 / 8

"Weg mit den Atomkanonen!": Zehn Jahre vor den Studentenunruhen 1968 demonstrierten Arbeiter, Angestellte, Hausfrauen und Rentner. Das Bild zeigt Teilnehmer einer Kundgebung gegen Atomwaffen auf dem Hamburger Rathausmarkt am 17. April 1958. Sie fordern einen Generalstreik gegen den "Atomtod", die Bewaffnung der Bundeswehr mit Atomwaffen.

3 / 8

Treue Weggefährten: Die "Internationale der Kriegsdienstgegner" (hier bei ihrem Bundeskongress in Münster) gehörte zu den wenigen unabhängigen Organisationen, die sich auch Ende 1960 noch demonstrativ zu Walter Hagemann bekannte.

Foto: Stefan Appelius
4 / 8

Heile Fassade: Auch Walter Hagemanns Privatleben sorgte für Schlagzeilen. Der Uni-Professor hatte, wie er nach seiner Flucht in die DDR unter vier Augen zugab, sexuelle Beziehungen zu Studentinnen gepflegt. Auf Grund von diesem Verdacht hatte der Uni-Professor schon in der Bundesrepublik vor Gericht gestanden und seine beamtenrechtlichen Privilegien verloren.

Auf dem Bild wurde Luise Hagemann ein Strauß Blumen überreicht, rechts daneben (stehend) ihr Mann.

Foto: Stefan Appelius
5 / 8

Nach der Dienstenthebung: Im Frühjahr 1959 stand die öffentliche Meinung in der Bundesrepublik noch zu einem erheblichen Teil auf Seiten von Walter Hagemann, der mit seinen unbequemen Ansichten als aufrichtiger Kämpfer für die Meinungsfreiheit gesehen wurde. Im Mai 1959 wurde Hagemann als Direktor des renommierten Instituts für Publizistik entlassen.

Foto: Stefan Appelius
6 / 8

Renate Riemeck: Wie Walter Hagemann verlor auch die Wuppertaler Professorin (1920 - 2003), Bundesvorsitzende der "Internationale der Kriegsdienstgegner" und Spitzenkandidatin der "Deutschen Friedens-Union" auf Anweisung von Kultusminister Werner Schütz (CDU) ihre Prüfungsberechtigung. Um einem Disziplinarverfahren zu entgehen, schied Renate Riemeck freiwillig aus dem Hochschuldienst aus. Sie stand in enger Verbindung zu Hagemann und tauschte sich häufig mit ihm aus.

Foto: Stefan Appelius
7 / 8

Propagandaerfolg: Das SED-Zentralorgan "Neues Deutschland" berichtete stolz über die Flucht des Publizistikprofessors Walter Hagemann der aus dem "Deutschland der Lügen" in das "Deutschland der Wahrheit" geflohen sei.

Foto: Stefan Appelius
8 / 8

Franz Josef Strauß: Der CSU-Atomminister (Bildmitte) mit Uni-Professor Heinz Maier-Leibnitz vor dem Modell eines Atommeilers. Strauß war einer der vehementesten Befürworter der atomaren Bewaffnung der Bundeswehr. Dagegen formierte sich Ende der fünfziger Jahre schnell massiver Protest, auch aus den eigenen Reihen: Walter Hagemann war CSU-Mitbegründer, bevor er in Münster in die CDU eintrat - und nannte die Atomrüstung einen "Wahnsinn".

Foto: AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?