Wandern in Süditalien Ab auf die Appia!
Während manch ein Rom-Tourist noch einen Ausflug an den Stadtrand unternimmt, um die ersten Meter der legendären Via Appia zu sehen, ist der Rest der mehr als fünfhundert Kilometer langen Straße in Vergessenheit geraten.
Reise zu Ruinen: Dabei gäbe es unterwegs viel zu sehen, wie etwa dieses Amphitheater in Santa Maria Capue Vetere in der Region Kampanien.
Getreidefelder bei Venosa: In der Antike trug die Appia den Beinamen Regina Viarum - die Königin der Straßen. Sie war einst das Zentrum des Mittelmeerraumes, Route für Legionäre, Gewürzhändler und Pilger zugleich. "Heute ist sie Peripherie", sagt Paolo Rumiz, der ein Buch über die Via Appia geschrieben hat.
Rot der Mohn, blau die Flachsblumen: Rumiz' Traum ist es, die Appia wiederzubeleben. In seinem Buch erzählt er von seinen Etappen, die ihn bis zum Stiefelabsatz an die Adria führten.
Rumiz war neugierig, er wollte sehen, was aus der Via Appia geworden war - 2300 Jahre nach ihrer Entstehung.
Rumiz wanderte zusammen mit drei Freunden entlang der Via Appia - ausgerüstet mit GPS-Karte und Notizblock. Er will seine Appia-Wanderung als "Aufbegehren gegen den Gedächtnisverlust einer ganzen Nation" verstanden wissen. "Vielen Leuten, die auf der Appia wohnen, ist das nicht mal bewusst."
Bei Tarent ist die "Appia begraben und versperrt". Rumiz und seine Freunde klettern über Leitplanken, um weiterwandern zu können.
Mitunter führte der Weg über Gleise...
...oder über Blumenwiesen.
Industriebauten statt zweitausend Jahre alter Pflastersteine: Teer und Asphalt liegt heute auf den alten Steinen, vielerorts wurden Privathäuser, Supermärkte und Parkplätze gebaut.
Schöner durch Schluchten: Immer wieder entdeckten die Wanderer Orte wie diese hier bei Gravina.
"Eine Straße wie die Appia besteht nicht nur aus Meilensteinen und Pflaster", schreibt Rumiz, "sie besteht auch aus Frauen auf Balkonen, Pasta mit Auberginen, aus zerquetschten Kröten..."
Nicht immer ist Italiens Provinz idyllisch schön. Hier zieht die Wandergruppe durch eine Straße in Itri.
Almauftrieb in Itri: In der Nähe hatte eine Mülldeponie die Appia lange unter sich begraben. Doch nach dem Abtragen des Mülls kam ein Appia-Abschnitt zum Vorschein, der nun zu den am besten erhaltenen überhaupt zählt.
Zur Appia-Begehung inspiriert hatte Rumiz die fünfte Satire des ersten Buches von Horaz, die er bereits zu Schulzeiten gelesen hatte. Der Plot: unter anderem die "Annäherung an eine Kellnerin, mit anschließender Enttäuschung und nächtlichem Samenerguss". "Schon damals wollte ich unbedingt sehen, was sich entlang der Linie verändert hatte, die diagonal durch jenen Teil Italiens verläuft, der fern der großen Verkehrsströme liegt", schreibt Rumiz in seinem Buch.