Archiv des Grauens Ein Schatz, der "der Welt die Wahrheit ins Gesicht schreit"
Chronist Ringelblum: Der in Galizien geborene, jüdische Historiker Emanuel Ringelblum hielt ab November 1940 zusammen mit einer Gruppe Gleichgesinnter die Vorgänge im Warschauer Ghetto für die Nachwelt fest. Ringelblum wurde 1944 mit seiner Familie im Pawiak-Gefängnis erschossen.
Kontrolle: In der Postzensurstelle des Warschauer Ghettos wurden, wie hier im Februar 1941, sämtliche ein- und ausgehenden Briefe und Postkarten gelesen und zensiert.
Bekanntmachung: Der Aushang vom 17. November 1941 gibt die Verurteilung zum Tode von acht Juden "wegen unbefugten Verlassens des jüdischen Wohnbezirks in Warschau" in deutscher und polnischer Sprache bekannt. Im Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos wurden von Historiker Emanuel Ringelblum auch solche Dokumente gesammelt.
Leibesvisitation: Ein jüdischer Bewohner des Warschauer Ghettos wird 1942 von zwei Gestapo-Männern durchsucht. Häufig geschah dies aus Willkür und zur Demütigung der Bewohner.
Lebensmittelkarte: Die "Zusatzkarte für Kinder" zum Lebensmittelerwerb aus dem Warschauer Getto ist eines von zahlreichen Dokumenten aus dem Ringelblum-Archiv (hier eine Reproduktion).
Menschenverachtend: Im überfüllten Warschauer Ghetto gab es zahlreiche Opfer durch Hunger und Seuchen. Der Abtransport der Leichen auf einem Holzkarren wird 1942 von zwei Angehörigen der jüdischen Ghettopolizei beaufsichtigt.
Warschauer Ghetto: Das Warschauer Ghetto wurde Mitte 1940 von den Nationalsozialisten als Sammellager für deportierte Juden aus dem deutschen Reichsgebiet und den besetzten Gebieten eingerichtet. Viele jüdische Bewohner des Getthos wurden später im Vernichtungslager Treblinka ermordet.
Grausamkeit im Ghetto: Im Mai 1943 werden aufständische, jüdische Bewohner im Warschauer Ghetto abgeführt. Der Mann mit Maschinenpistole, rechts im Bild, ist SS-Unterscharführer Josef Blösche. Er wurde 1967 in der DDR wiedererkannt und 1969 in Leipzig hingerichtet. Der kleine Junge im Vordergrund ist Zvi Nußbaum. Er überlebte seine Deportation in das KZ Bergen-Belsen im Kreis Celle.
Ende der Kämpfe: Die Aufstände im Warschauer Ghetto werden im Mai 1943 gewaltsam beendet. Die SS führt die überlebenden Widerstandskämpfer ab.
Warten an der Ghettomauer: Der Ghettoaufstand in Warschau fand im Frühjahr 1943 mit der Zerstörung des Ghettos sein Ende. Nur wenige Bewohner konnten fliehen. Die meisten Überlebenden wurden entweder vor Ort erschossen oder in Vernichtungslager deportiert. Einige überlebende Einwohner warten, an einer Mauer aufgereiht, auf ihre Durchsuchung durch die SS-Männer.
Bitte um Vergebung: Bundeskanzler Willy Brandt kniet am 7. Dezember 1970 vor dem Warschauer-Ghetto-Ehrenmal nach einer Kranzniederlegung überraschend nieder und demonstriert damit seine Demut vor den Opfern des Aufstands des Warschauer Ghettos und des Holocausts. Die symbolische Geste wird rückblickend als wegbereitend für die Ostpolitik interpretiert.