Arbeiten in der Digitalwirtschaft "Meine erste E-Mail war ein Wunder"
Cristina Fonseco, Ingenieurin und Start-Up-Gründerin, Portugal
"Mein Vater hatte einen starken Einfluss auf mein Interesse an Technik. Er erklärte mir immer, wie etwas funktioniert. Das prägte mich. Für mich war daher immer klar, dass ich ein technisches Studium absolvieren würde, auch wenn manche Leute verwundert darüber waren. Während meines Studiums wurde ich kurzzeitig schwer krank. Das hat meinen Blick aufs Leben verändert. Dass ich selber zur Gründerin wurde, hängt damit zusammen. Ich fragte mich sehr früh: Wo kannst du wirklich etwas bewegen mit deiner Arbeit? In einer großen Firma ist das manchmal schwer."
Paz Perez, UX Designerin, Spanien
"Ich komme aus dem Architekturbereich. Ich hatte einen Job in New York, aber ich musste ständig Überstunden machen. Freunde aus der Digitalwirtschaft ermutigten mich, die Branche zu wechseln. Ich schrieb mich für Unikurse in Marketing ein. Eine meiner Dozentinnen war eine UX Designerin (User Experience, Nutzererfahrung - Anm. d. Red.). Sie war der absolute Wahnsinn und veränderte alles für mich. Als sie ihre Arbeit beschrieb, sah ich viele Parallelen zur Arbeit von Architekten und verliebte mich in den Job. Als UX Designerin blicke ich heute ganzheitlich auf das Erlebnis, das ein Kunde bei der Nutzung einer App oder Webplattform hat. Das nötige Wissen holte ich mir in einem Bootcamp. Heute gebe ich selbst Kurse in UX Design."
Olga Schupak, Telekom-Bereich, Ukraine
"Mein Erweckungserlebnis war die E-Mail. Früher schrieb ich noch Briefe, dann hatte ich plötzlich meine eigene E-Mailadresse. Meine erste E-Mail war ein Wunder für mich als Kind. Die ersten Hundert E-Mails, die ich bekam, druckte ich aus und bewahrte das Paket auf. Das waren rückblickend die ersten Schritte in meinen heutigen Job. Ich arbeite beim ukrainischen Mobilfunknetzbetreiber Lifecell und habe mittlerweile eine Manager-Position inne."
Claire Passy, Mitgründerin der App ThereSheGoes , Niederlande
"Ich wurde zufällig zur Gründerin einer kleinen Tech-Firma. Ich habe Geschichte, Philosophie und Literatur in Deutschland und Frankreich studiert. Dann wechselte ich in den TV-Bereich, aber es gab kaum Jobs. Ich versuchte, mich über Plattformen wie LinkedIn und Meetup zu vernetzen. Aber oft genug entpuppte sich ein angebliches Jobinterview mit einem männlichen Kollegen als Reinfall, und es gab gar keinen Job. Ich fühlte mich schrecklich. Durch Gespräche mit anderen Frauen fand ich heraus, dass ihnen allen eine Plattform fehlte, auf der ein Austausch wirklich funktioniert. Mit einem Experten für IT-Sicherheit zusammen gründete ich daher die App ThereSheGoes."
Irene Mallafré, Digital Art Director, Spanien
"Ich habe mich schon immer für Technik begeistert. Schon als Jugendliche habe ich einfache Websites programmiert. Ich beschäftigte mich mit HTML und der Programmiersprache C++. Ich habe dann trotzdem ein Design-Studium begonnen, aber das Technische fehlte mir bald. In einem Bootcamp versuchte ich, beide Vorlieben zusammenzubringen. Danach stieg ich schnell zum Digital Art Director in meiner Firma auf und verfolge zur Zeit ein eigenes Start-Up-Projekt .
Ines Silva, Gründerin "Portuguese Women in Tech" , Portugal
"Meine Mutter ist Mathelehrerin und prägte meinen Blick auf Technik. Trotzdem studierte ich BWL, aber das Interesse an der Tech-Szene ließ mich nicht los. Ich lernte viele Gründerinnen und Gründer kennen und begann, Veranstaltungen zu organisieren. Die portugiesische "Women in Tech"-Initiative ist entstanden, weil Frauen auf vielen Veranstaltungen unterrepräsentiert waren. Die anwesenden Frauen hatten es zudem schwer, Gespräche mit Investoren zu bekommen oder ernstgenommen zu werden mit ihren Ideen. Dabei waren die nicht schlechter als die der Männer. Nun vernetzen wir uns und zeigen schon Kindern, wie viele weibliche Tech-Vorbilder es gibt."
Uliana Musikhina, UX Designerin, Russland/Spanien
"Ich war schon immer begeistert von Kunst und beschäftigte mich später viel mit Grafikdesign. Gleichzeitig wurde die Welt um mich herum immer digitaler. Sehr viel, was wir heute erleben, sehen wir auf einem Bildschirm. Daher ergab sich für mich ganz von alleine eine Verlagerung meines Schwerpunkts ins Digitale, ich wollte da einfach dabei sein. Ich bemerkte sehr bald, dass für digitale Angebote die Nutzerführung extrem wichtig ist und es nicht nur darum geht, dass eine statische Seite gut aussieht. Deshalb arbeite ich an der Schnittstelle von User Experience Design und Art Direktion."