Krankenschwester Margaret Sanger Gegen die "Frau als Geburtsmaschine"
Gerichtstermin: Margaret Sanger (links) und ihre Schwester Ethel Byrne 1917 in einem Gerichtssaal in Brooklyn. Sanger war angeklagt worden, nachdem sie 1916 die erste Klinik zur Familienplanung gegründet hatte. Diese hatte die Polizei zehn Tage nach der Eröffnung gleich wieder geschlossen und Sanger verhaftet.
AP
Pinke Revolution: Das Medikament Enovid wurde 1957 auf dem amerikanischen Markt zunächst als Mittel gegen Menstruationsbeschwerden zugelassen. Erst drei Jahre später kam die erste offizielle Anti-Baby-Pille als solche auf den Markt. Hier eine frühe Verpackung der "magischen Pille" von 1964.
Stiller Protest: Nachdem ihr 1929 in Boston verboten worden war, einen Vortrag über Geburtenkontrolle zu halten, setzte Margaret Sanger mit zugeklebtem Mund ein Zeichen.
Schlaf Häschen, schlaf: Gregory Pincus 1932, als er einen Hasen unter Narkose setzt. Kaninchen sind auch die bevorzugten Tiere für seine Tests zur Entwicklung der Anti-Baby-Pille.
Deutschland verhütet: Am 1. Juni 1961 brachte das Pharmaunternehmen Schering die Anti-Baby-Pille unter dem Namen Anovlar auf den westdeutschen Markt. Wie auch in Amerika bezeichnete der Beipackzettel die verhütende Wirkung zuerst lediglich als "Nebenwirkung". Zunächst war auch nur ein kleiner Kreis von Frauenärzten über das neue Medikament informiert. Erst nachdem der "Stern" einen vielversprechenden Artikel mit dem Titel "Eine Pille reguliert die Fruchtbarkeit" veröffentlichte, wurde die deutsche Ärzteschaft umfassender informiert.
Babybauch: In den sechziger und siebziger Jahren starteten etliche Aufklärungskampagnen zur Geburtenkontrolle. Hier fragt ein bärtiger junger Mann mit falschem Babybauch kritisch auf einem Poster: "Wärt ihr vorsichtiger, wenn ihr es wärt, die schwanger werden?"
Neues Accessoire: Die Pillendöschen der Anti-Baby-Pille Zorane waren liebevoll gestaltet. Sie sollten nicht versteckt werden, sondern die Handtaschen zieren.
Geschlechtsumwandlung: Gregory Pincus, einer der Erfinder der Anti-Baby-Pille, taucht acht Eier in eine Hormonlösung. Dies ist jedoch keine österliche Tradition, sondern Forschung. Wissenschaftler hatten herausgefunden, dass sie das Geschlecht des ungeschlüpften Kückens verändern können, wenn sie das Ei in die entsprechende Hormonlösung tauchen.
Überzeugungsarbeit: 1934 appelliert Margaret Sanger wegen mangelhafter Aufklärung über Empfängnisverhütung an den amerikanischen Senat - und hat Erfolg: Der Oberste Gerichtshof gab Medizinern das Recht, Frauen zur Geburtenkontrolle zu beraten.
Endlich gewürdigt: Für ihre Arbeit bekommt Margaret Sanger 1932 die Medaille der American Women's Association, überreicht von dem amerikanischen Hochschulprofessor John Dewey.
Massenbewegung: Bereits Mitte der sechziger Jahre wurde die Anti-Baby-Pille in großen Mengen produziert, nahezu jeder deutsche Bundesbürger hatte 1966 laut einer Meinungsumfrage schon einmal von der Pille gehört.
Stoßgebet: "Lieber Gott, sag dem Papst, die Pille ist kein Hasch!" So heißt es auf dem Heliumballon, den niederländische Frauenrechtler der Gruppe Dolle Mina 1973 bei einer Demonstration steigen lassen. Die katholische Kirche wetterte besonders rigoros gegen Empfängnisverhütung - auch gegen die Anti-Baby-Pille.
Besser beraten: Eine Werbekampagne für die erste deutsche Anti-Baby-Pille Anovlar aus dem Jahr 1961. Im Jahr 1970 wurden bereits über 27 Millionen Monatspackungen verkauft.
Durch die ganze Stadt: Dieses Plakat der "Planned Parenthood"-Organisation ziert Ende 1967 Busse in New York. Ein Service-Telefon bietet Informationen zur Verhütung.
Bunte Mischung: Es gibt sie als Minipille, Mikropille, als Ein-, Zwei oder Dreistufenpräparat, in weiß, rosa, hellblau und unter unzähligen verschiedenen Markennamen. In welcher genauen Ausführung auch immer - die Anti-Baby-Pille gilt als eines der sichersten Verhütungsmittel, in westlichen Industrienationen ist sie zudem das am häufigsten verwendete.