Krise beim Diätkonzern Weight Watchers und der Wandel
Weight-Watchers-Chefin Mindy Grossman zielt neben der Hausfrauenklientel auch auf jüngere Frauen und Männer, um ihnen beim Abnehmen zu helfen. Sie benannte die Marke in WW um. Die Zeiten des reinen Punktezählens sollen vorbei sein. "Wellness that Works" ist angesagt: gesündere Ernährung, mehr Bewegung - und schicke Shops.
Weight-Watchers-Chefin Grossman in New York: Ihr Konzern schwächelt. Der Aktienkurs sackte vergangene Woche zeitweise um mehr als 30 Prozent ab. Und auch die Aussichten für die Zukunft bewertete das Unternehmen schlechter als von Analysten erwartet. Innerhalb von nur etwas mehr als sechs Monaten fiel der Wert einer Aktie von gut hundert auf nur noch 19 Dollar.
"Weight Watchers ist das typische Beispiel eines Unternehmens aus der alten Welt, das zu spät auf die neue, digitale Welt eingegangen ist", sagt Martin Fassnacht von der WHU-Wirtschaftshochschule in Düsseldorf. Unterlagen bestellen, um die Punkte von Lebensmitteln zählen zu können - das gilt in Zeiten von Smartphones, für die es Sport- und Fitness-Apps und Kalorienzähler oft umsonst gibt, nicht mehr als zeitgemäß. Weight Watchers ist laut Fassnacht "keine coole und junge Marke".
Um die Marke zu retten, setzt Grossman auch auf Moderatorin und Großaktionärin Oprah Winfrey. "Ich freue mich, dass Oprah Winfrey eine zentrale Rolle in unserer TV- und Digitalwerbung im Frühjahr spielen wird", teilte Grossman mit. Doch auch Winfrey ist bereits 65.
Der Markt für Diäten ist da. Doch trotz 224 Millionen Dollar Gewinn (bei einem Umsatz von gut 1,5 Milliarden) hatten die Anleger an der Wall Street mehr erwartet. Denn nicht zuletzt kostet die neue teure Imagestrategie viel Geld, und die Schulden sind hoch.
Hausfrau Jean Nidetch hatte Weight Watchers Anfang der Sechzigerjahre gegründet (hier eine Aufnahme aus 2011): Ihre Nachfolgerin Grossman musste nun erneut von einer Winterkampagne berichten, die nicht so gut funktioniert habe wie erwartet. Dabei ist diese Jahreszeit für das Unternehmen üblicherweise entscheidend, denn zu Jahresbeginn wollen viele ihren Weihnachtsspeck loswerden.