Futuristische Weihnachten Der Baum von einem anderen Planeten
Objekt der Begierde: Einer Schätzung der Internetseite www.aluminiumchristmastrees.com zufolge war nur jeder Zehntausendste der in den sechziger Jahren produzierten Alubäume pink. Heute werden diese raren Exemplare im Internet teuer verkauft. 2005 erzielte eine pinkfarbene Alutanne wie dieses Exemplar bei Ebay den Rekordwert von rund 2600 Euro.
Blecherner Märchenwald: Diesen Wald errichtete das Fotografenduo Julie Lindemann und John Shimon in den neunziger Jahren aus ihren gesammelten Alutannen. Eines Tages erhielten sie dort unerwarteten Besuch: Richard Thomsen höchstselbst war gekommen, um im Winterwald spazierenzugehen. Er ist der einstige Chefingenieur der Aluminum Specialty Company, der den Baum designt hatte.
Das Foto wurde von J. Shimon & J. Lindemann zur Verfügung gestellt.
Aufbau der Alutanne: Jeder Ast muss einzeln am Stamm angebracht werden. Julie Lindemann freut sich dabei immer am meisten auf das Auspacken der Äste: "Sie stecken in einem schmutzigen alten Pappkarton, der wahrscheinlich schon 50 Jahre alt ist. Aber wenn man diese glänzenden, modernen und makellosen Äste aus der Verpackung zieht und sie an den Baum steckt, dann steht da auf einmal ein glitzerndes Juwel."
Das Foto wurde von J. Shimon & J. Lindemann zur Verfügung gestellt.
Richard und sein Juwel: Seitdem Richard Thomsen 1958 die Alutanne für seine Firma Aluminum Specialty Company designt hatte, stellt er den fast 2,50 Meter großen Prototyp des Baums jedes Jahr zu Weihnachten in seinem Wohnzimmer auf.
Das Foto wurde von J. Shimon & J. Lindemann zur Verfügung gestellt.
Tanne aus der Kiste: Die Alubäume lassen sich in einer erstaunlich kleinen Schachtel verstauen - dank Richard Thomsen. Mit Hilfe der beiliegenden Anleitung ist das Zusammenbauen keine Tüftelarbeit.
Silbertraum der Konkurrenz: Das Unternehmen Reynolds Aluminum warb mit dem hauseigenen Aluminiumbaum gleich für ein buntgemischtes Geschenksortiment.
Mammut-Projekt: Jerry Waak war ab 1959 dafür zuständig, den Aluminium-Weihnachtsbaum der Aluminum Specialty Company zu vermarkten. Dem US-amerikanischen Fernsehsender CBS schilderte er, wie schwierig sich die Verkaufsgespräche im ersten Verkaufsjahr 1959 gestalteten: "Du erzählst einem Käufer: Ich habe da etwas, es ist neu, es ist begehrt, es ist anders. Du wirst es haben wollen. - Was ist es? - Ein Aluminium-Weihnachtsbaum. - Komm schon, du machst doch Witze." Trotz aller Widrigkeiten war Waak erfolgreich und machte den Alubaum zu einem Verkaufsschlager der sechziger Jahre.
Noch ein Überraschungshit: Und er hat wieder etwas mit Alubäumen zu tun. 2004 erschien der Fotoband "Season's Gleamings" der Fotografen Julie Lindemann und John Shimon. Auf Garagenflohmärkten hatten sie ihre Sammlung von Dutzenden Alubäumen erstanden und sie in ihrer Galerie ausgestellt. Bevor sie wieder auf den Dachboden wanderten, fotografierten Lindemann und Shimon die Dinger und präsentierten sie in diesem Band.
Aus der Traum vom Alubaum: 1965 lief "A Charlie Brown Christmas" erstmals über US-amerikanische Bildschirme. Der "Peanuts"-Weihnachtsklassiker setzte dem Aluminiumbaum ein Denkmal und lieferte den Grabstein gleich dazu: Entgegen Lucys Wunsch, er solle ihr den größten Aluminiumbaum mitbringen, den er finden könne und ihn dazu noch pink anmalen, entscheidet sich Charlie Brown für eine kleine, krumme, dafür aber echte Weihnachtstanne. Und das nicht ohne Folgen: Er beeinflusste damit die Baumwahl Tausender US-amerikanischer Haushalte. Nachdem die Aluminiumtanne noch 1964 ihre höchsten Verkaufszahlen erreicht hatte, wurde sie schon zwei Jahre später zum Ladenhüter und schließlich ganz eingestellt.
Ein Traum in Silber: In den sechziger Jahren verkaufte das Unternehmen Aluminum Specialty mehr als eine Million der Flittertannen.
Auf dieser Katalogseite legt Santa Claus die mitgebrachten Geschenke unter einen klassisch silberfarbenen Alubaum. Rechts unten zu sehen: Das Farbrad, das den Alubaum von unten beleuchtet und in verschiedene Farben taucht. Oft wurde zur Krönung des weihnachtlichen Spektakels der Baum selbst noch mit einem Drehmechanismus versehen.
Vorbild für Millionen: Auch die junge Elizabeth Taylor feierte in den fünfziger Jahren allem Anschein nach unter einer Alutanne.
Gerupfter Truthahn: Zu den frühen Versuchen der Tannenkonstrukteure gehört der Federbaum. Er wurde seit den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Deutschland hergestellt - mit der Absicht, gegen die Entforstung der deutschen Wälder vorzugehen. Heute gilt er als Antiquität, für eine 1,50 Meter hohe Tanne zahlt man etwa 400 Euro. Zu einer massenhaften Neuproduktion für die heimischen Wohnzimmer ist es allerdings nicht gekommen. Dieses Exemplar ist um 1900 gefertigt worden, es ist mit Truthahn-Federn geschmückt und etwa 90 Zentimeter hoch.
Weihnachtliches Gerippe: In diesem Patent von 1882 ist die Konstruktion der Federtanne festgehalten. Ähnlich wie bei der Alutanne werden die Äste, die meist mit grüngefärbten Gänsefedern geschmückt sind, in einen zentralen Stamm gesteckt.
Gesang bis zum Gipfel: Ein Kinderchor bildete 1960 in Charlotte, North Carolina, einen Weihnachtsbaum.
Bürsten-Bäume: Färbt man einen Flaschenreiniger, so entsteht ein wahres Schmuckstück der Heiligen Nacht.
Luxusteil: Dieses reich behängte Exemplar einer vornehmen Plastiktanne schmückte 2003 den Versammlungsraum des texanischen Repräsentantenhauses. Gestiftet wurde es von einem ansässigen Geschäft - hat man keinen solchen Gönner, muss man für das Prachtstück mit 3500 kleinen Lämpchen rund 2500 Euro hinblättern.
Ene mene miste: Schon Anfang November gibt es die Plastiktanne fürs Weihnachtsfest zu kaufen. Die Vielfalt erschwert die Wahl, schon bei der Form fängt der Entscheidungsdruck an. Weiterhin gibt es bereits erleuchtete oder gar geschmückte Tannen, sprechende Tannen, singende Tannen, Tannen mit Schneefunktion und eingebautem MP3-Player. 2005 kam der Trend hinzu, die Bäume verkehrt herum von der Decke hängen zu lassen.
Ökotanne: Der 16,7 Meter hohe Weihnachtsbaum auf dem Capitol Hill in Washington war 2007 mit energiesparenden LED-Lämpchen geschmückt.
Schnee stinkt nicht: Zunächst mit einer dünnen Schicht aus Leim bedeckt, wird diese Plastiktanne nun mit feinem Baumwollpulver besprüht - fertig ist das Weihnachtswunder fürs heimische Wohnzimmer.
Noch ein pinkes Weihnachtswunder: Ein Weihnachtbaum aus leuchtend pink-weißen Formen schmückte 2007 den Paseo de la Castellana in Madrid. Mit der traditionellen Weihnachtstanne hat er nur noch wenig gemein.
Teddy-Tanne: Westliche Weihnachtstraditionen sind mittlerweile auch in China populär - in einem Shopping-Center in Peking steht ein gigantischer Weihnachtsbaum aus Teddybären. Er ist 15 Meter hoch, mit 400 Teddys dekoriert und wird von einem roten Bären gekrönt, der eine glitzernde Fliege mit mehr als 5000 Diamanten trägt.
Tanne auf zwei Beinen: Gesehen wurde der wandelnde Baum dieses Jahr in der Hamburger Innenstadt.
Früher Christbaum: Als erster deutscher Weihnachtsbaum gilt diese am Heiligabend 1796 auf dem Wandsbeker Schloss aufgestellte dekorierte Tanne.
Futuristische Weihnachten: Hier erstrahlt der "LED-Baum", eine Kreation von Sebastian Perdighe. Gezeigt wurde der Baum 2008 im Rahmen einer Ausstellung über ungewöhnliche Weihnachtsobjekte an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.
Auch einestages-Leser Matthias Krämer aus Miami ist dem Glitzer verfallen - jedes Jahr freuen seine Familie und er sich auf einen ganz besonderen Weihnachtsbaum.