Weltjugendspiele in Ost-Berlin Das Woodstock des Ostens
Abschlussveranstaltung: Zu den Höhepunkten des letzten Festivaltages der Weltfestspiele 1973 in Ost-Berlin gehörte am 5. August die große Sportschau im Stadion der Weltjugend.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-M0805-407
Tanz auf dem Alex: Eine Musikgruppe der Freien Deutschen Jugend spielt am 29. Juli 1973 auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin zum Tanz auf. Ihr Auftritt ist Teil der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten, die vom 28. Juli bis zum 5. August 1973 in der "Hauptstadt der DDR" stattfanden. Viele ostdeutsche Jugendliche nutzten das internationale Treffen, an dem auch rund 20.000 ausländische Gäste teilnahmen, um mit jungen Leuten aus aller Welt in Kontakt zu kommen. Entspannt war die Atmosphäre aber nur oberflächlich, im Hintergrund war die Staatssicherheit im Großeinsatz.
Werbung für die Weltfestspiele: Das offizielle Plakat für die "Weltfestspiele der Jugend und Studenten" in Ost-Berlin 1973 in Regenbogenfarben und mit weißen Tauben, dem Symbol des Friedens.
Signatur im Bundesarchiv: Plak 100-052-030
Eröffnung der Weltfestspiele 1973: Einmarsch einer afrikanischen Delegation in das Ostberliner Stadion der Weltjugend am 28. Juli 1973 bei der Eröffnungskundgebung der "Weltfestspiele der Jugend und Studenten". Das Festival gab SED-Chef Erich Honecker, der im Jahr zuvor Walter Ulbricht als Parteiführer abgelöst hatte, die Gelegenheit, sich als weltoffener Reformer zu präsentieren. Tatsächlich wurden im Vorfeld der Spiele tausende Menschen verhaftet, bedrängt oder sogar in die Psychiatrie gesteckt, um jede Störung der Spiele zu von vornherein zu verhindern.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-M0728-408
Begegnung auf dem Alex: Gemeinsam mit italienischen Festivaldelegierten singen Angehörige der Nationalen Volksarmee am 30. Juli 1973 auf dem Alexanderplatz. Die DDR-Sicherheitskräfte waren angewiesen worden, "größtmögliche Zurückhaltung" zu üben und auch Meinungsäußerungen, gegen die sie im Normalfall sofort eingeschritten wären, zuzulassen. Kritische DDR-Bürger waren von Staatssicherheit und Volkspolizei ohnehin schon im Vorfeld "bearbeitet" und in tausenden Fällen durch Verhaftung oder andere Maßnahmen an der Teilnahme gehindert worden.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-M0730-408
Plakat der Weltfestspiele: Nach 1951 fanden die "Weltfestspiele der Jugend und Studenten" im Jahre 1973 ein zweites Mal in der DDR statt. In neun Tagen kamen etwa acht Millionen Besucher aus der ganzen DDR mit 25.600 ausländischen Gästen aus 140 Staaten zusammen, darunter auch 800 Jugendliche aus der Bundesrepublik.
Signatur im Bundesarchiv: Plak 102-063-007
Jugendliche bei den Weltfestspielen 1973: Die Weltfestspiele des linksorientierten Weltjugendverbandes fanden 1973 zum zweiten Mal nach 1951 in Ostberlin statt. Der SED-Führung boten die Spiele eine willkommene Gelegenheit, ihr internationales Ansehen aufzupolieren. Mit gigantischem Aufwand sorgten ihre Sicherheitskräfte dafür, dass Zwischenfälle ausblieben. Sogar der Schießbefehl wurde insgeheim ausgesetzt, da Tote an der Mauer während der Spiele unbedingt vermieden werden sollten.
Open-Air-Stimmung: Während der Weltjugendspiele von 1973 herrschte im sonst eher öden und wenig einladenden Ostberlin ein Treiben wie in einer Weltstadt. In vielen Stadtteilen der "Hauptstadt der DDR" waren für die rund acht Millionen Besucher eigens Freiluftgaststätten errichtet worden, wie hier auf dem Alexanderplatz in Berlin-Mitte.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-M0801-403
Hochhaus: Eine sanierte Hochhausbeschriftung in Dresden der Welt-Festspiele 1973
Woodstock des Ostens: Im August 1973 war die Gegend um den Berliner Alexanderplatz der Treffpunkt der Jugend der Welt. Für einige Tage herrschte hier ein buntes Chaos, dass weder die Ordnungskräfte des Staates noch die Ordnungsgruppen der FDJ in den Griff bekamen. Tag und Nacht wurde gefeiert. Viele Jugendliche schliefen in den Grünanlagen, in Fußgängertunneln unter dem Alex oder auf den Treppen unter dem Fernsehturm. Musik und Tanz bestimmten das fröhliche Treiben. Und nachts fanden sich viele Pärchen unter Decken oder in Schlafsäcken...
Rock in der DDR: Die Gruppe Renft spielt im August 1973 bei den Weltfestspielen in den Berliner Rathauspassagen nahe des Alexanderplatzes vor Hunderten von Jugendlichen aus aller Welt. Sie trugen damals enscheidend dazu bei, dass dieses Treffen zum Woodstock des Osten wurde. An allen Ecken tanzten die jungen Leute trotz genauer Beobachtung durch die Stasi und die Volkspolizei nach Musik, die vornehmlich aus dem Westen stammte. Verschiedene Rockgruppen, Diskos im Freien und in Sälen brachten eine Stimmung nach Ost-Berlin, die einmalig war und sich so bis zum Ende der DDR nie wieder herstellen ließ. Was allerdings von den durch das Treiben rund um den Alex 1973 etwas überforderten DDR-Oberen auch nicht mehr geplant war.
Junge Palästinenserin: 1973 trafen sich Jugendliche aus zahlreichen Ländern zu den Weltfestspielen in Ost-Berlin. Auch diese junge Palästinenserin gehörte dazu.
Weltfestspiele der Jugend: Der Alexanderplatz wurde im Sommer 1973 Zentrum des Treffens von Jugendlichen aus vielen Ländern. Für die DDR ungewöhnlich entwickelte es sich zu einem der wenigen Möglichkeiten, sich relativ frei mit jungen Leuten aus aller Welt zu treffen. Für viele waren diese Tage das Woodstock des Ostens.