Weltkriegsverweigerer Als Paul zu Suzy wurde
Die "schicke Suzy": Paul Grappe genoss seine weibliche Identität zunehmend. Suzanne Landgard, hier auf einem Porträt von 1925 in Paris, wurde in ihrem Viertel schnell für ihr geschmackvolles Auftreten bekannt. Sie trug stets elegante Kleider und arbeitete zeitweise sogar als Modell.
"Mademoiselle Suzanne": Paul Grappe, alias Suzanne Landgard, im Bois de Boulogne, einem berüchtigten Park am Stadtrand von Paris - zwischen 1922 und 1924. Paul soll hier als Suzy sexuelle Abenteuer mit Männern sowie Frauen gehabt haben. In seinem Tagebuch finden sich Kommentare für seine nächtlichen Streifzüge wie "belle partouze" - "schöne Sexorgie".
Kein Familienglück: Nachdem Paul wieder als Mann leben konnte, schien er sich in seinem Leben nicht mehr zurecht zu finden. Er begann zu trinken, wurde gewalttätig und verlor einen Job nach dem anderen. Seine Frau Louise brachte im Dezember 1925 einen Sohn zur Welt und musste mit ihrem kleinen Gehalt die Familie durchbringen, hier eine Aufnahme von 1926 in Paris.
Zwei Frauen, die zusammenleben: Ein Foto von Paul und Louise mit ihrer Hausmeisterin in Paris, aufgenommen zwischen 1922 und 1924. Nachdem Paul, der Deserteur, seine Identität als Suzanne Landgard aufgrund einer Gesetzesänderung wieder aufgegeben hatte, reagierte die Hausmeisterin des Paares schockiert. Die Pariser Gesellschaft tolerierte ein lesbisches Paar offenbar eher als eine Frau, die mit einem als Frau verkleideten Deserteur zusammenlebte.
Paul Grappe: Als Korporal Grappe zog Paul mit dem 102. Infanterieregiment der französischen Armee in den Krieg. Doch nur wenig später desertierte er. Um der Todesstrafe zu entgehen, lebte er zehn Jahre lang als Frau getarnt. Das Foto zeigt ihn in Männerkleidung um 1925.
Doppelleben im Rampenlicht: Im Jahr 1925 erhielt Paul Amnestie und konnte fortan wieder als Mann leben. Seine Geschichte wurde publik und der Deserteur, der sich als Frau verkleidet hatte, stand im Rampenlicht. Er signierte Fotos und gab Tipps zur Epilation. Das signierte Bild von 1925 stammt aus seinem Album und wurde in Paris aufgenommen.
Tragisches Ende: Am 25. August 1928 berichten die Zeitungen "L'uvre" und "Petit Journal" über das dramatische Ende von Paul Grappe. In der Nacht vom 21. Juli 1928 wehrt sich seine Frau Louise gegen die Aggressionen ihres Mannes und will sich und ihren kranken dreijährigen Sohn verteidigen. Aus Verzweiflung greift sie zum Revolver und erschießt Paul. Die Öffentlichkeit zeigt sich bewegt von ihrem Schicksal. In dem folgenden Prozess wird sie schließlich unter dröhnendem Applaus freigesprochen.
Berühmtheit: Pauls Geschichte faszinierte die Öffentlichkeit und zahlreiche Medien berichteten. Ein Zeitungsausschnitt mit einem Foto von Paul vom 5. Februar 1925 aus dem "Petit Parisien".