Weltrekordfahrt - DER SPIEGEL
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Weltrekordfahrt Rakete im Tiefflug

Ein Cockpit wie im Düsenjet, der Motor ein Raketenantrieb: 1970 fuhr Gary Gabelich als erster Mensch mit einem Auto schneller als 1000 Stundenkilometer. Es war der vorläufige Höhepunkt eines wahnsinnigen Wettbewerbs - dessen Protagonisten ihren Temporausch oft genug mit dem Leben bezahlten.
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Blaue Flamme auf dem Salzsee: Fahrer Gary Gabelich bei Testfahrten seines Raketenautos "Blue Flame", das mit einem Gemisch aus Wasserstoffperoxid und flüssigem Erdgas angetrieben wird, am 25. September 1970 auf dem Bonneville-Salzsee im US-Bundesstaat Utah

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Gary Gabelich: Der Fahrer der "Blue Flame" wurde im Oktober 1970 auf einem Schlag weltberühmt, als er als erster Mensch ein Raketenauto auf mehr als 1000 Stundenkilometer beschleunigte. Dabei war der neue Rekordhalter eigentlich nur eine Notlösung: Der bereits für die Rekordfahrt verpflichtete Chuck Suba starb bei einem Dragster-Rennen im Oktober 1968. Stars wie Craig Breedlove, fünffacher Weltrekordhalter des Landgeschwindigkeitsrekords, wollten ihren eigenen Hochgeschwindigkeitsautos keine Konkurrenz machen. Der berühmte Dragster-Fahrer Don Garlits sagte erst zu - und dann wieder ab. Schließlich fiel die Wahl auf den bis dahin eher unbekannten Gabelich (Foto von 1970).

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Geschwindigkeitsjunkies: Craig Breedlove, der als erster Rennfahrer die sogenannten magischen Grenzen von 400, 500 und 600 Meilen pro Stunde durchbrach, nimmt das "Blue Flame"-Cockpit des Fahrers Gary Gabelich, links, unter die Lupe. Das Foto der Zwei wurde am 19. Oktober 1970 auf dem Bonneville-Salzsee aufgenommen. Vier Tage später stellte Gabelich dort mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 1001 km/h eine neue Bestmarke auf - und entthronte damit Breedlove, den bis dahin schnellsten Mann der Welt.

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Vor dem großen Auftritt: Die "Blue Flame" während einer Testfahrt am 4. November 1970 in der Großen Salzwüste in Utah. Im September 1970 stellte der damals 30 Jahre alte Gary Gabelich den neuen Temporekord von 622,407 Meilen pro Stunde auf, der 13 Jahre lang hielt.

Foto: AP
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Schneller als der Schall: Das Thrust SuperSonic Car durchbrach 1997 die Schallmauer und ist damit das schnellste Landfahrzeug der Welt. Fahrer Andy Green erreichte mit dem schubkraftgetriebenen Überschallauto eine Geschwindigkeit von 1227,985 Kilometern pro Stunde.

Foto: REUTERS
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Auto mit Flugzeug-Triebwerken: Andy Green posiert am 14. Oktober 1996 auf dem Flugplatz bei Farnborough in der Nähe von London im ThrustSCC. An diesem Tag wurde das Überschallfahrzeug zum ersten Mal öffentlich getestet - ein Jahr und ein Tag später sollte es ihm gelingen, mit dem "Schwarzen Blitz" die Schallmauer zu durchbrechen. Angetrieben wird das rund zehn Tonnen schwere ThrustSSC von zwei Zweiwellen-Turbofan-Triebwerken, die üblicherweise für Flugzeuge verwendet werden. Die Entwicklung des Rekordgefährts kostete rund zehn Millionen Euro.

Foto: AP
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Donald Campbell: Mit seinem Maskottchen "Mr. Whoppit" in der Hand steht Donald Campbell neben seinem 5000 PS starken Rennwagen "Bluebird". Das Foto wurde am 1. Mai 1963 aufgenommen, nachdem Campbell im Lake-Eyre-Becken in Australien versucht hatte, den Landgeschwindigkeitsweltrekord zu brechen. Das ungewöhnlich schlechte Wetter macht ihm einen Strich durch die Rechnung - doch im Jahr 1964 stellte der Brite mit 690 Stundenkilometern einen neuen Weltrekord auf.

Foto: AP
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Blauer Vogel mit großem Heckflügel: Auf der Motorsportrennstrecke Goodwood Circuit in England präsentiert Donald Campbell im Juli 1962 erstmalig der Öffentlichkeit sein futuristisches Auto "Bluebird"

Foto: AP
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John Cobb: Der britische Automobilrennfahrer (Foto von 1939) beschleunigte schon 1947 mit seinem Rennwagen auf 635 Stundenkilometer. Das war in etwa die Leistungsgrenze für konventionelle Verbrennungsmotoren. Cobbs Marke fiel daher auch erst in den sechziger Jahren, als in den USA und Großbritannien Tüftler damit begangen, Landfahrzeuge mit Raketentriebwerken aufzurüsten.

Foto: AP
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Rennfahrer und Gentleman: In Anzug und Krawatte lässt sich John Cobb mit seinen Mechanikern auf der englischen Renn- und Teststrecke Brooklands in seinem neuen Rennauto des Herstellers Railton fotografieren. Der Wagen erzielte schon 1939 eine Spitzengeschwindigkeit von fast 600 km/h.

Foto: Getty Images
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Im Geschwindigkeitsrausch: Selbst mit seinen eigenen Bestmarken gab sich John Cobb nicht zufrieden - er tüftelte immer weiter an seinem Wagen und überbot so seine eigenen Rekorde ein ums andere Mal. 1952 starb John Cobb bei dem Versuch, auf dem schottischen Loch Ness einen neuen Rekord mit einem Speedboot aufzustellen.

Foto: Getty Images
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Gescheiterte Rückkehr: Craig Breedlove, Tempokönig der sechziger Jahre, plante 1996 ein spektakuläres Comeback. Er wollte als Erster die Schallmauer mit einem Auto durchbrechen. Doch die dafür nötigen 1150 Stundenkilometer erreichte er mit seiner "Spirit of America" nicht - sondern verursachte stattdessen bei Tempo 1000 einen lebensgefährlichen Unfall.

Foto: AP
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Land-Rakete: 1965 hatte Craig Breedlove seinen letzten Landgeschwindigkeitsrekord aufgestellt und im "Spirit of America Sonic 1" in der Großen Salzwüste bei Bonneville die Marke von 600 Meilen pro Stunde mit 600,842 mph (966,961 km/h) geknackt. Das Foto zeigt ihn im September 1997 während einer Testfahrt in der Black Rock Desert.

Foto: AP
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Big Daddys Sumpfratte: Rennfahrerlegende Don Garlits, der in den USA als "Big Daddy" der Dragster-Rennen verehrt wird, war ursprünglich als Fahrer für "Blue Flame" vorgesehen - und sagte dann kurzfristig wieder ab. Das Foto zeigt ihn 1987 in seinem "Swamp Rat XXX" ("Sumpfratte"), den er selbst entworfen, gebaut und gefahren hatte.

Foto: Getty Images/Allsport
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Formfehler: Stuntman Stan Barrett konnte 1979 in seinem zwölf Meter langen Raketenauto Gary Gabelichs Weltrekord knacken - und durchbrach dabei mit 1190 km/h auch noch die Schallmauer. Doch vom internationalen Automobilverband Fia wurde sein Erfolg nicht offiziell anerkannt, weil das Raketenauto die Strecke - entgegen der üblichen Regeln - nur in einfacher Richtung zurückgelegt hatte. Damit blieb Gabelichs Weltrekord weiterhin bestehen.

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PR-Offensive: Die blaue Flamme, die hinten aus der Düse austritt, gab dem von der Reaction Dynamics Inc. entwickelten Raketenauto "Blue Flame" seinen Namen. Mit der Rekordfahrt des Hochgeschwindigkeitswagens wollte die amerikanische Gasindustrie Erdgas öffentlichkeitswirksam als modernen Kraftstoff anpreisen. Das Foto zeigt Fahrer Gary Gabelich 1970 vor dem Gefährt in der Großen Salzwüste in Utah.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?