Wendezeiten Wenn der Landrat zweimal aufräumt
DDR-Mief im Museum: Im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig wird die Amtosphäre der DDR-Amtsstuben noch einmal lebendig, wei sie auch Heinz Eggert als demokratisch gewählter Landrat von Zittau 1990 entgegenschlug. In seinem neuen Büro fand er sozialistischen Freundschaftkitsch aus Polen under UdSSR, dazu eine von Erich Honecker unterzeichnete Auszeichnungsurkunde zum 40. Jahrestages der DDR und den dazugehörigen Orden.
Weizäcker besucht Zittau: Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker (l.) und Landrat Heinz Eggert vor dem Zittauer Landratsamt beim Besuch des Staatsoberhauptes im Dezember 1990, kurz nach der Wiedervereinigung.
DDR-Kommunalwahlen 1990: Vor einem Wahllokal im Ost-Berliner Bezirk Pankow warten am 6. Mai 1990 DDR-Bürger darauf, ihre Stimme abzugeben. Fast auf den Tag genau nach den letzten DDR-Scheinwahlen im Mai 1989, bei der Bürgerrechtler der SED massive Wahlfälschungen nachgewiesen hatten, wurden mit dieser Wahl demokratische legitimierte Strukturen in den Gemeinden der DDR geschaffen. Bereits knapp zwei Monate zuvor, am 18. März 1990, hatten die DDR-Bürger bei den ersten freien Wahlen seit Bestehen der DDR ein demokratisches Parlament bestimmt.
Wahlaufruf 1989: "Wählt die Kandidaten der Nationalen Front" - dieses Schild schmückt anlässlich der DDR-Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 das Schaufenster einer Apotheke irgendwo in der DDR. Der Nachweis von Wahlfälschungen bei der Kommunalwahl durch Bürgerrechtler war einer der Auslöser für die friedliche Revolution von 1989/90 im SED-Staat.
Ende einer Epoche: Franz Bertele (r.), letzter Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR, schraubt am Tag der deutschen Wiedervereinigung, dem 3. Oktober 1990, eigenhändig das Bundeswappen vom Gebäude der bisherigen Ständigen Vertretung in Ost-Berlin ab. Mit der Wiedervereinigung entstanden in den "neuen Bundesländern" endgültig Verwaltungsstrukturen nach westdeutschem Vorbild - die Personen, die die neuen Ämter ausfüllten, blieben allzuoft die selben, die zuvorr der SED gedient hatten.
Heinz Eggert: Der Diplomtheologe und Politiker am 25. Oktober 1997 auf eine Parteiveranstaltung der sächsischen CDU im vogtländischen Markneukirchen. Als Parteiloser war Eggert 1990 mit Unterstützung der Bürgerbewegunge in Zittau Landrat im Kreis Zittau geworden, später trat er in die CDU ein und wurde im September 1991 sächsischer Innenminister. 1995 trat er von diesem Amt zurück.