Werbeartikel auf Jobmessen - DER SPIEGEL
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Werbegeschenke Suchen Mitarbeiter, bieten Schaumstoffpuppe

Üblicherweise geht man ja auf Jobmessen, um sich über Karriereoptionen zu informieren. Aber es soll auch Leute geben, die nur dorthin gehen, um Werbeartikel abzugreifen. Und genau das haben wir gemacht. Hier ist die Ausbeute, die Charlotte Lensing zusammengetragen hat.
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3,5 Milliarden Euro geben deutsche Firmen jedes Jahr für Werbegeschenke aus. Aber für was genau? Wir sind auf Jobmessen in Hamburg und Berlin auf die Jagd gegangen. Erster Fang: Knautschbare Schaumstoffmännchen zum Aggressionsabbau. Sehen süß aus, sagen aber doch eigentlich nur aus: Wer bei dieser Personalmanagement-Firma anheuert, darf sich über Stress nicht beschweren.

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Am nächsten Stand gibt es Sonnenbrillen und Schokolinsen. Das kann man als versteckte Selbstkritik deuten: Manchmal schadet es nicht, wenn wir unseren Büroalltag schönfärben und ein paar Zuckerpillen verteilen, um über bittere Projektphasen hinwegzukommen.

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Eine Duftkerze in einer Alu-Dose, dazu roter Nagellack und Lipgloss - werden hier Sekretärinnen gesucht, die voll dem Berufs- und Geschlechtsklischee entsprechen? Oder wollen die Firmen zeigen: Bei uns geht es nicht nur um Arbeit, Arbeit, Arbeit, sondern es bleibt auch Zeit, sich um sich selbst zu kümmern?

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Der Klassiker als Werbegeschenk: Kugelschreiber. Wer so etwas verteilt, präsentiert sich als sparsamer, auf Effektivität und Arbeit fokussierter Arbeitgeber. Bei solchen Firmen gibt es keinen neumodischen Schnickschnack wie Tischkicker oder kostenlose Obst- und Smoothie-Versorgung, sondern Akten, Vorstandsvorlagen und Konferenz-Memos. Und sonst gar nichts.

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Die Zielgruppe für dieses Werbegeschenk ist klar: Ein Unternehmen, das solche Apfelschneider verteilt, sucht fitnessorientierte, gesundheitsbewusste Mitarbeiter. Schließlich sollen die Angestellten der Hotelkette gut gelaunt und mit blendender Gesundheit den Gästen gegenübertreten.

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Vitamindrink und Salatkräuter - auch hier geht es um Fitness und Leistungsfähigkeit, allerdings nicht so handgemacht wie mit dem Apfelschneider, sondern stärker in Richtung Selbstoptimierung und Effektivität. Und der Glückskeks? Nun ja, wer so was verteilt, erwartet wohl auch von Mitarbeitern nur Floskeln.

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Knautschige Soft-Kunststoff-Anti-Stressbälle mausern sich auf den Jobmessen langsam zu einem weiteren Klassiker der Werbegeschenke. Wenn es mit dem angestrebten Karriereeinstieg nicht klappt, kann man die Dinger nach Erhalt des Absageschreibens voller Wut zusammenknautschen und gegen die Wand pfeffern.

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Seifenblasen und Schaumstoff-Laster? Wer hinter die Botschaft der zuständigen Personaler kommen möchte, muss schon ein wenig nachdenken. Dass hier nur heiße Luft und Blasen transportiert werden? Aber nein - diese Arbeitgeber schätzen einfach das Spielerisch-Leichte. Hoffentlich.

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Wir lassen dich nicht im Regen stehen, lieber Berufseinsteiger. Aber wir schicken dich auch raus zum Kunden, wenn es mal ungemütlich wird - das könnte die Doppelbotschaft hinter diesem Regenponcho sein.

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Textmarker und Brillenputztücher fallen bei den von uns ergatterten Geschenken eher unter die Kategorie "unauffällig, aber nützlich". Und folgen vielleicht einer Personalentwicklungsstrategie, die darauf setzt, dass potenzielle Bewerber in unspektakulären Alltagssituationen diese Geschenke nutzen und sich dann sagen: "Och, da könnte ich mich eigentlich auch mal bewerben, die scheinen ja den Durchblick zu haben."

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Übergewichtig? Autofixiert? Sportmuffel? Dann brauchen Sie sich bei einem Turnbeutel-verteilenden Arbeitsgeber gar nicht erst um einen Job zu bemühen. Klar ist: Wer hier anfängt, sollte sich vom ersten Tag an in einer Betriebssportgruppe engagieren und am besten morgens ins Büro joggen.

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"Wir sind technisch absolut up to date und sowieso voll die Zukunft - aber gleichzeitig super kostenbewusst", ruft dieser Arbeitgeber seinen potenziellen Mitarbeitern zu und schenkt ihnen deshalb diese Virtual-Reality-Brille aus Pappe. Und ein Skatspiel dazu, ganz analog und als Symbol für das wunderbare Betriebsklima mit vielen gemeinsamen Freizeitaktivitäten.

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Auch bei kleinen Blessuren immer für die Mitarbeiter da - das wollen wohl die Arbeitgeber signalisieren, die Etuis für Pflaster verteilen. Sie stellen sich als Kümmerer und Unterstützer dar, von fast schon mütterlicher oder väterlicher Sorge um das Wohlergehen der Belegschaft getrieben. Passt ja auch zu privaten Krankenversicherungen. Wenn da mal ein kleines Missgeschick passiert, einfach pusten, Pflaster drauf - und bloß nicht krankschreiben lassen.

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?