Werbung - DER SPIEGEL
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Werbung Bye-bye, Klementine

Hausfrauen gehören zur Werbung wie Sahne zum Apfelkuchen. Jetzt aber droht der Heimchen-am-Herd-Reklame das behördliche Aus: Werbung, die "Geschlechterklischees" bedient, soll verboten werden. Wenn das Klementine und Frau Sommer noch erlebt hätten! Von Hans Michael Kloth
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Ariels Klementine: Als Waschfrau der Nation mit Mütze, Karohemd und weißer Latzhose war Klementine jahrezehntelang das Gesicht von Ariel. Die Schauspielerin Johanna König trat von 1968 bis 1984 für den Waschmittelhersteller Procter&Gamble im Fernsehen auf. Als sie aufhörte bekam dieser dann gleich waschkörbeweise Protestbriefe von Fans, die Klementine zurück an die Waschmaschine holen wollten. Mit Erfolg: 1993 feierte die patente Waschfrau ihr Comeback. Erst 1996 ging sie dann aus Altergründen entgültig in Rente. Mit Ariel wäscht sie aber immer noch: Zu ihrem 79. Geburtstag schenkte ihr der Hersteller eine lebenslange Ariel-"Versorgung" und schloss mit ihr einen Werbevertrag auf Lebenszeit ab. Die 85-Jährige ist für Ariel immer noch auf PR-Veranstaltungen aktiv. Klementines Latzhose und die handbestickte Mütze stehen im Deutschen Werbemuseum und waren kurzzeitig sogar im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn zu sehen.

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Die Hausfrau als General: Mit nur einer Verschlusskappe dieses Reinigers sollte sich die biedere Hausfrau in einen Putz-General verwandeln, der, eine Armee von tanzenden Schrubbern kommandierend, das ganze Haus mühelos auf Hochglanz brachte.

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Vamp mit Vampyr: Das Hausarbeit mit den richtigen Gerätschaften geradezu glamourös sein könne, sollte dieses Anzeigenmotiv aus den zwanziger Jahren für den AED-Staubsaugermodell "Vampyr" mit der französischen Schauspielerin Edmonde Guy suggerieren.

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Kochen mit Strom: Seit jeher kämpft die Industrie darum, die als notorisch konservativ geltende Hausfrau von den Vorteilen des technischen Fortschritt zu begeistern - in den fünfziger Jahren etwa für den Elektro-Herd.

Foto: Getty Images
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Hüterin der Sauberkeit: Das Klischee sah die Hausfrau als Hüterin von Glück und Gesundheit der ganzen Familie im Kleinen - und sei es im kampf gegen Keime und Mikroben. Wie hieß noch Omas gestickter Wahlspruch an der Wand: "Sauberkeit, der Hausfrau Freund". Das fand auch die Firma Lifeguard, die 1951 mit dieser Anzeige für ihr Desinfektionsmittel warb.

Foto: Getty Images
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Singende Hausfrau: Mit dem Putzmittel "Vim", so suggerierte die Werbung 1951, ginge das Putzen so leicht von der Hand, dass die Hausfrau dabei noch ein lockere Liedchen über die Lippen käme.

Foto: Getty Images
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Strahlende Reinheit: In diesem Werbespot von 1960 strahlt eine Hausfrau mit ihrem Geschirr um die Wette - dank "Vel" wirkt selbst die Auflaufform wieder wie neu. In wievielen Variationen dieses Thema im Druck, auf Plakaten oder über Sender verbreitet wurde, lässt sich wohl gar nicht zählen.

Foto: Getty Images
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"Heim-Waschmaschine": Schon Mitte des 19. Jahrhunderts umgarnte die Werbung hart arbeitende Hausfrauen - wie in dieser Anzeige von 1869 für eine frühe Waschmaschine

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Immer ein Kuchen im Ofen: Trotz kochen, putzen, waschen immer strahlend, adrett frisiert und hübsch zurechtgemacht - das Hausfrauen-Klischee, wie es in dieser Werbung von 1951 für einen Backwettbewerb zelebriert wurde, hatte mit der Realität noch nie etwas zu tun.

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"Klick Mich!": Das Gegenbild zur tutigen Hausfrau mit Schürze ist die stets verfügbare Sexbombe. Ihre körperliche Reize werden bis an die Grenzen des guten Geschmacks und oft weit darüber hinaus eingesetzt, um dieses oder jenes Produkt an den Mann zu bringen. Diese junge Frau läuft als lebender Werbeträger für einen Internetanbieter über die Internationalen Funkausstellung 2008 in Berlin.

Foto: dpa
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Kaffee-Ikone: Die Hausfrau Karin Sommer war in den siebziger Jahren das Werbegesicht der Kaffeerösterei Jacobs. Frau Sommer wohnte mit ihrem Mann Peter und den beiden Söhnen im Grünen, ihre Markenzeichen waren Natürlichkeit und Ehrlichkeit. Die Kampagne mit der patenten Frau Sommer wurde schnell zum Klassiker, bereits nach drei Monaten kannten 25 Prozent der deutschen Hausfrauen ihr Alter ego. Insgesamt zwölf Jahre machte Karin Sommer Werbung für Jacobs-Kaffee.

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Diva mit Kippe: Frauen die rauchen? Ja, aber bitte milde nur Tabaksorten. Die Geschlechterdifferenz shclug selbst bei der Vermarktung von Glimmstengeln durch. Um 1950, als Rauchen noch nicht gesellschaftlich geächtet war, warb die Schauspielerin Joan Crawford in diesen Kampagnen von 1949 (r.) und 1951 (l.) problemlos für Zigarettengenuß auf weibliche Art.

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Heiße Werbung: Die Firma Junkers warb 1960 mit diesem Plakat für ihre Thermen - endlich ließ sich auch zuhause ein heißes Bad genießen. Der Bademantel der aparten Dunkelhaarigen ist schon über die Schulter gerutscht und verheißt eine bevorstehende Enthüllung.

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Geliebtes Persil: Wer seine Wäsche liebt, benutzt Persil, den Liebling aller Hausfrauen. Das ist zum Knuddeln, zumindest in dieser Werbung von 1952.

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Das Rahma-Mädchen: Diese "buttergleiche" Margarine, damals noch "Rahma" gecshrieben, wurde 1924 mit einer für damalige verhältnisse gigantischen Werbekampagne mit 800.000 Plakaten und Anzeigen in 1800 Tageszeitungen eingeführt. Werbesymbol für das neue Streichfett ist ein Mädchen, das so gesund und frisch aussieht, wie das beworbene Produkt schmecken soll. Das H im Namen fiel erst in den fünfziger Jahren weg.

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Deo-Werbung: Dass sich Frauen untereinander über ihre Schweißflecken unterhalten, wird in dieser Werbung aus den siebziger Jahren als völlig normal gezeigt. Um dem heiklen Thema den Geruch des Tabus zu nehmen, wurde das Produkt auch nicht einfach als Deo beworben, sondern als "Anti-Transpirant".

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Hausarbeit ganz nebenbei: Elektrische Waschmaschinen waren in den zwanziger Jahren waren noch etwas völlig Neues, von dem das kaufkräftige Publikum erst noch überzeugt werden musste - man hatte dazu schließlich Hausmädchen. Die Werbung zeigte also, wie spielend einfach die mühsame Arbeit mit den neuen elektrischen Geräten erledigt werden konnte - da konnte die Dame des Hauses ruhig in die Oper oder zum Tanzen gehen "und inzwischen wäscht der Protos".

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Tanzstange für daheim: Wenn die Hausfrau nicht gerade bügelt oder kocht, kann sie sich an dieser praktischen Tanzstange für Zuhause entspannen und mit ihrer gekonnten Darbietung dem Gatten oder Freund eine Freude bereiten. Nicht immer ist es die Werbung, die in Sachen Rollenverständnis tief blicken lässt, sondern manchmal auch das Produkt selbst.

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Echte Frauen: Viel Applaus erhielt die Firma Unilever, als sie 2006 für ihre Hautpflegeserie "Dove" statt perfekter Models Frauen mit normalern Maßen und Makeln zeigt.

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Rosarot und knapp: In der Werbung der siebziger Jahre kamen endlich nicht mehr nur Hausfrauen, sondern gelegentlich auch berufstätige Frauen vor - Stewardessen zum Beispiel, in Szene gesetzt mit Vorliebe in sexy Posen.

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Broschüre für Wandöfen: 1956 war der elektrisch Wandofen eine der neuesten Errungenschaften der Technik. Kein Wunder, dass die zeitgemässe Hausfrau von solchen High-Tech Geräten aus Edelstahl nur träumen konnte.

Foto: Johannes Stahl
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Jambosala-Anzeige: Dies ist eine prototypische Anzeige aus den siebziger Jahren: Exotismus, starke Farben, weiche und freundliche Anmutung, das Frauenbild sehr mädchenhaft und dazu Blumen im Haar - Klementine war dagegen ziemlich unexotisch.

Foto: Dr. Kathrin Bonacker/Werbeanzeige aus dem kulturwissenschaftlichen Anzeigenarchiv, Marburg, Ausschnitt aus: Spiegel 27/1974
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