Werpeloh in Niedersachsen: Das Dorf, das sich selbst rettet - DER SPIEGEL
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Werpeloh Emsige Emsländer

Viele deutsche Dörfer darben, der Strukturwandel bedroht die Provinz. Das muss aber nicht sein, wie sich im Emsland zeigt: Dort rackern sich die Menschen in ihrer Freizeit ab - mit fulminantem Erfolg.
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Die alte Kirche von Werpeloh im Ortskern. Das kleine Dorf im Emsland ist ein ungewöhnliches Beispiel dafür, wie sich der Niedergang ländlicher Gegenden verhindern lässt.

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Christian Schröer und Rita Hagenhoff sind Gründungsmitglieder des "Arbeitskreises Zukunft Werpeloh" - einer Art Denkfabrik, die Ideen für die Entwicklung des Dorfes hervorbringen soll. Schroer ist zudem Mitglied der "Werpeloher Liste", Hagenhoff gehört der CDU an, die im Gemeinderat über eine Zweidrittelmehrheit verfügt.

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Marion Möhlenkamp und Holger Terhalle kümmern sich um das Mehrgenerationenhaus, kurz MGH. An dem Haus sind die 21 Vereine des Dorfes beteiligt - faktisch steht es daher allen Dorfbewohnern offen.

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Johann Geerswilken ist seit 2011 Bürgermeister von Werpeloh, er sagt Sätze wie: "Ich stand als Fußballer 13 Jahre lang in der ersten Mannschaft im Tor - ohne ein Spiel auszusetzen."

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Die katholische Gemeinde spielt eine tragende Rolle im Ort: "Ohne die Kirche geht hier gar nichts", sagt Bürgermeister Geerswilken, "hier läuft alles Hand in Hand".

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Im Heimathaus treffen sich Vereine, regelmäßig werden auch runde Geburtstage und Hochzeiten dort gefeiert. Über dem Eingang steht: "Doo du dat Diene, Gott döt datt Seine" - Mach du das Deine, Gott macht das Seine.

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Alltagsszene in Werpeloh: Ein Traktor steht vor dem Klubhaus des Schützenvereins. Der ist in Werpeloh die wohl wichtigste Institution. Zum Schützenfest Mitte Juni rechnet die Gemeinde mit Hunderten Besuchern.

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Bürgermeister Geerswilken lenkt die Geschicke des Dorfes gemeinsam mit Gemeindedirektor Rainer Marsmann, 45. Auch Marsmann macht das ehrenamtlich. "Je kleiner die Gemeinschaft, desto größer der Zusammenhalt", sagt er.

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Die St. Franziskus-Grundschule im Dorfkern: Vor wenigen Jahren drohte die Schließung, heute profitiert das Dorf von einem Babyboom. 21 Schüler besuchen derzeit die Schule.

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Er leitet einen der aktivsten Vereine: Ludwig Schmitz ist Vorsitzender des Musikvereins, der aus 55 Musikern besteht. In der Jugendband werden knapp 30 Kinder und Jugendliche ausgebildet.

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Seit Monaten sind Vereinsmitglieder und Helfer damit beschäftigt, den neuen Probenraum im Gemeindehaus einzurichten. Im September sollen die Musiker dort erstmals gemeinsam musizieren.

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Dass alle anpacken, findet Vereinschef Schmitz ganz normal. Er selbst ist seit fast einem halben Jahrhundert Mitglied, seit drei Jahrzehnten leitet er den Musikverein.

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Werpeloh kann auch exotisch: Direkt hinter der Kirche steht das sogenannte Batakhaus - ein indonesischer Pfahlbau, den der frühere Dorfpfarrer Matthäus Bergmann 1978 hatte bauen lassen. Der Geistliche hatte ein Faible für die Kultur des Inselstaats.

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Angeblich kommen Touristen an manchen Wochenenden busweise nach Werpeloh, um das Holzhaus zu besuchen. Dass das überhaupt möglich ist, liegt wie so vieles in dem Ort an einem Verein: dem Batakträgerverein Werpeloh.

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Brigitte Wigbers ist die Vorsitzende. "In den Vereinen wird die Gemeinschaft gestärkt", sagt die 65-Jährige. "Da erfährt man, was gerade los ist und welche Probleme es gibt."

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Wer sich die kleine Dauerausstellung anschauen möchte, kann das am Wochenende tun: Dann behüten Schüler aus dem Ort das Batakhaus. Freiwillig und unbezahlt, versteht sich.

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Dieser Infokasten im Ortskern ist längst überflüssig: Was die Werpeloher nicht vom Nachbarn oder am Stammtisch hören, erfahren sie aus der Gemeinde-App oder dem Pfarrbrief der katholischen Kirchengemeinde.

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?