Sponti-Hauptstadt West-Berlin Tunix mit Schädel
"taz": Die West-Berliner Lokalredaktion der "taz" 1980. Vordere Reihe, von links Johann Legner, Benedikt Mölder, Plutonia Plarre, Sabine Porn. Hintere Reihe: Michael Sontheimer, Setzer Günter, Setzer Uli Küster und Setzerin Petra.
Der rote Dany: Daniel Cohn-Bendit war wohl der bekannteste Sponti. Hier spricht er im Audimax der FU Berlin vor rund 2000 Studenten über die bevorstehende Revolution - kurz nachdem er infolge der Mai-Krawalle 1968 aus Frankreich ausgewiesen worden war.
Straßenschlacht: Am 22. September 1981 forderte der Konflikt zwischen Hausbesetzern und Polizei in West-Berlin den ersten Toten. Demonstrant Klaus-Jürgen Rattay wurde von einem BVG-Bus überfahren und starb. Nach Darstellung der Hausbesetzer hatte die Polizei die Demonstranten mit Schlagstöcken in den fließenden Straßenverkehr gedrängt. Ein Gerichtsverfahren konnte diesen Vorwurf nicht belegen.
Jugend in West-Berlin: Jugendliche schauen um 1983 bei einer Veranstaltung auf dem Breitscheidplatz in West-Berlin zu. "West-Berlin war eine Stadt der Freiheit", schreibt Michael Sontheimer über seine Zeit in der heutigen Hauptstadt in den frühen achtziger Jahren.
Protestaktion: Polizisten führen 1979 Demonstranten ab, die in Gorleben gegen die Baumrodung für das geplante Atommülllager protestieren. Zwei von ihnen halten einen Baumstamm umklammert.
Michael Sontheimer: Der in Freiburg geborene Journalist studierte in Berlin unter anderem Geschichte und Politologie, gehörte der Sponti-Bewegung an und gründete 1979 mit Gleichgesinnten die "taz". Seit Mitte der Neunziger arbeitete er als Korrespondent und Autor für den SPIEGEL.
"BUG-Info": Das Sponti-Blättchen "BUG-Info", hier ein Titelblatt von 1978, wurde in Privatwohnungen der Redakteure, darunter Michael Sontheimer, halblegal produziert. BUG stand für "Berliner undogmatische Gruppen". Man war gegen den bewaffneten Kampf, wie ihn beispielsweise die RAF und die Bewegung 2. Juni führten. Um die Art des Widerstands zu diskutieren, veröffentlichten aber gelegentlich Mitglieder der Bewegung 2. Juni in dem Blatt ihre Stellungnahmen - was den Staatsanwälten nicht gefiel.
Ton Steine Scherben: 1972 erschien ihr Album "Keine Macht für Niemand". Frontmann und Sänger Rio Reiser nahm in seinen Songs kein Blatt vor den Mund. In seinen radikalen Texten reklamierte er den Sturz der Regierung und forderte nach Konzerten zur gemeinschaftlichen Hausbesetzung auf. Bis heute gelten Ton Steine Scherben als die musikalische Untermalung der 68er-Studentenrevolte und der linksalternativen Szene. Das Foto zeigt die Band in der Sendung des WDR "Pop 2000", Folge 5.
Einstürzende Neubauten: Die avantgardistische Musikgruppe aus Berlin um Frontmann Blixa Bargeld wurde 1980 gegründet. Die Musiker experimentierten mit ungewöhnlichen Instrumenten aus Schrott und Alltagsgegenständen, um ihre apokalyptische Weltsicht zu verdeutlichen, hier in Aktion um 1985.
Paar: In West-Berlin konnte sich die Jugend ausprobieren. Das Pärchen am Brunnen vor dem Europa-Center wurde um 1983 aufgenommen.
David Bowie: Der britische Sänger, hier während seines Konzerts vor dem Reichstag am 7. Juni 1987 in West-Berlin, wohnte von 1976 bis 1978 in Schöneberg. Bowie produzierte mehrere Alben in den Berliner Hansa-Studios und ließ sich von der Musikszene der Stadt beeinflussen. Legendär ist sein Song "Heroes", der in Deutsch und Englisch aufgenommen wurde. Ein Nachbar von Bowie war Iggy Pop, der im selben Haus wohnte.
Wehrdienstverweigerer: Wie Sontheimer berichtet, tummelten sich in West-Berlin die Wehrdienstverweigerer der linken Szene. Im demilitarisierten Teil der Stadt fühlten sie sich sicher vor einer Ablehnung ihres Antrags. Mitglieder der Interessengemeinschaft Totalverweigerer des Wehrdienstes stellen sich am 17. Januar 1990 in Berlin den Fragen der Journalisten, von links Christian Herz, Sprecher aus West-Berlin, Gerhard Scherer, Michael Frenzel und die heutige Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Renate Künast.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1990-0117-025
Demo: Auf dem Kurfürstendamm in Berlin protestieren Demonstranten im Oktober 1978 gegen Berufsverbote für Angehörige des Öffentlichen Dienstes. Hintergrund war der sogenannte Radikalenerlass - ein Gesetz der Regierung Brandt, nach dem die Verfassungstreue von Angehörigen des Öffentlichen Dienstes aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der KPD oder auch nur ihrer Nähe zu ähnlichen Organisationen angezweifelt werden konnte, und sie so für ihre Tätigkeit im Öffentlichen Dienst abgelehnt werden konnten.
Unterschriftensammlung: Mitglieder der Frauenbewegung sammeln auf einer Straße in Berlin-Spandau Unterschriften gegen den Abtreibungs-Paragrafen 218, um 1974.