Staatssekretär Rommerskirchen "Die ganze Stadt musste vorbereitet werden"
Schabowski spricht: Als SED-Politbüromitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 um 18.53 Uhr auf einer internationalen Pressekonferenz verkündete, dass eine neue Reiseregelung "unverzüglich" in Kraft trete, war der West-Berliner Senat bereits seit gut sechs Stunden alarmiert. Am Mittag hatte aus Ost-Berlin "Bild"-Reporter Peter Brinkmann dem West-Berliner Wirtschaftsstaatssekretär Jörg Rommerskirchen ausrichten lassen, dass die innerdeutsche Grenze noch am Abend geöffnet werde - Rommerskrischen vertraute der Nachricht und ließ die Verwaltung im Eiltempo die nötigsten Vorbereitungen treffen.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1989-1109-030
Staatssekretär Rommerskirchen: Im April 1989 wurde Jörg Rommerskirchen, bis dahin in Hamburg Leiter des Amtes für Hafen, Schifffahrt und Verkehr, als Staatssekretär des Wirtschaftssenators nach Berlin berufen. Anfang November 1989 bekam er den Auftrag, einen Plan zu erarbeiten, wie West-Berlin eine etwaige Maueröffnung ohne Chaos überstehen könnte. Am Ende hat er sechs Stunden Zeitvorsprung.
Der Grenzübergang ist offen: Gegen 23.30 Uhr am Abend des 9. November 1989 geht der Schlagbaum am Grenzübergang Bornholmer Straße auf. In der West-Berliner Verwaltung hatte sich nach deutlichen Hinwesen aus Ost-Berlin eine eigene Planungsgruppe seit Ende Oktober auf die offenbar bevorstehende Grenzöffnung durch die DDR vorbereitet. Um das zu erwartende Chaos angesichts Hunderttausender Ost-Besucher einzudämmen, sollte etwa der Smog-Alarmplan der Berliner Verkehrsbetriebe in Kraft gesetzt werden.
Bürgermeister Momper: West-Berlins Regierender Bürgermeister Walter Momper wurde schon Ende Oktober 1989 von der SED-Führung über eine geplante Liberalisierung des DDR-Reisegesetzes informiert. Eine "Projektgruppe zur Vorbereitung auf einen verstärkten Besucher- und Reiseverkehr aus Ost-Berlin und der DDR" unter der Leitung von Staatssekretär Jörg Rommerskirchen sollte Maßnahmen für den zu erwartenden Besucheransturm aus dem Osten erarbeiten.
Maueröffnung am Brandenburger Tor: Diese Bilder von jubelnden Massen an und auf der Berliner Mauer gingen in der Nacht des 9. November 1989 um die Welt. Doch West-Berlin war nicht so völlig überrascht wie oft gedacht. Seit dem 1. November arbeitete eine eigene Planungsgruppe unter Staatssekretär Jörg Rommerskirchen an Notfallplänen, um zu verhindern, dass der Westteil der Stadt im Fall einer Maueröffnung im Chaos versinken würde.
Erste Schritte in den Westen: Eine Ost-Berlinerin hat es geschafft - sie hat in der Nacht des 9. November die DDR-Grenzkontrolle an der Bornholmer Straße passiert. Überwältig von ihren Gefühlen stößt die Frau einen Freudenschrei aus.
Grenzübergang Bornholmer Straße: Noch immer wissen die Grenzer nicht, wie sie reagieren sollen. Am Übergang drängeln sich inzwischen Tausende Menschen. Schließlich erhalten sie die Weisung, Aufsässigen über die Grenze zu lassen - ihnen die Rückkehr aber zu verwehren. Am Grenzübergang Bornholmer Straße kommt es zu tumultartigen Szenen. Die Ost-Berliner sehen, dass einige Menschen die Grenze überqueren. Sie ahnen nicht, dass jeder Pass ungültig gestempelt und diesen DDR-Bürgern ohne ihr Wissen die Staatsbürgerschaft entzogen wird.
Grenzübergang Invalidenstraße: Bis Mitternacht wird auch am Übergang Invalidenstraße die Öffnung der Schlagbäume erzwungen. Britische Militärposten, Berliner Polizei und eine dichtgedrängte Menge herbeigeeilter West-Berliner beobachten das Geschehen. Im Hintergrund das Regierungskrankenhaus der DDR, heute Sitz des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.
Trabis in der Bornholmer Straße: Jubelnde Berliner freuen sich über die Fahrt einer "Trabi-Kolonne" über den Grenzübergang Bornholmer Straße nach West-Berlin. Nach der Öffnung eines Teils der deutsch-deutschen Grenzübergänge in der Nacht zum 10. November 1989 reisten Millionen DDR-Bürger für einen kurzen Besuch in den Westen. In der Folge wurde die innerdeutsche Grenze abgebaut, seit dem 3. Oktober 1990 ist Deutschland wieder vereint.