Westbam: Partymann, geh du voran - DER SPIEGEL
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WestBam Partymann, geh du voran

Von Münster nach Berlin und plötzlich Popstar - Maximilian Lenz alias WestBam gilt als Rave-Philosoph. Im einestages-Interview spricht er über frühen Punk und die Kommerzhölle, das Unglück bei der Duisburger Loveparade und das Altern als eiserner Partymann.
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Sehnsuchtsort: WestBam in Russenuniform in einer Szene des Films "B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin". Berlin war seit jeher sein Sehnsuchtsort. Bereits mit 15 trampte er erstmals vom heimischen Münster dorthin und zog dann Mitte der Achtzigerjahre in die "Mauerstadt", wo darauf seine Musik-Karriere begann.

Foto: DEF Media
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Provokateur: WestBam in einem Shirt mit Charles-Manson-Aufdruck. "Zärgerbolz" nannte man ihn in seiner Familie, weil er gern provozierte und ärgerte. "Das habe ich mir beibehalten", sagt Max alias WestBam.

Foto: imago/ BRIGANI-ART
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Musik-Macher: Westbam wurde am 4. März 1965 als Maximilian Lenz in Münster geboren. Seine Eltern erzogen ihn und seine Geschwister antiautoritär, Vater Otto war Kunstpädagoge. In seiner Jugend spielte Max zunächst Bass in einer Punk-Band. Sein Künstlername Westfalia Bambaataa leitet sich vom New Yorker Hip-Hop-DJ Afrika Bambaataa ab. Nach dem Umzug nach Berlin Mitte der Achtziger war Westbam als Techno-DJ, Produzent, Labelgründer ("Low Spirit"), Veranstalter ("Mayday") und Mitgründer der Loveparade erfolgreich. Zu seinen Hits zählen "Beatbox Rocker", "Sonic Empire" und "One World, One Future".

Foto: imago
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Musikalischer Partner: Schon als Gymnasiast traf WestBam in Münster Klaus Jankuhn (Mitte; hier mit den Yello-Musikern Dieter Meier und Boris Blank). Gemeinsam gründeten die beiden das Indie-Label "Low Spirit".

Foto: action press
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Der einflussreiche New Yorker Hip-Hop-DJ Afrika Bambaataa zählt zu WestBams frühen Vorbildern - zunächst nannte er sich Westfalia Bambaataa, daraus wurde WestBam.

Foto: Redferns
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Freundschaft: Zunächst war Westbam in seiner Jugend Fan von Gabi Delgado-Lopez (Foto) und dessen Projekt DAF (Deutsch-Amerikanische Freundschaft). Der DAF-Song "Kebabträume in der Mauerstadt" lockte ihn als Teenager einst nach West-Berlin, "weil es dort mehr Punks gab als zu Hause in Münster". Später veranstalteten sie zusammen House-Partys und machten Musik. Auf WestBams Label Low Spirit veröffentlichte Gabi diverse Singles.

Foto: imago/ Seeliger
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Überm Regenbogen: Marusha war mit WestBams Bruder Fabian (DJ Dick) liiert, die drei lebten in einer WG in Berlin-Charlottenburg. WestBam und sein Bruder hatten die Idee, "Somewhere over the Rainbow" mit Marusha in Technoversion zu vertonen. "Dieser Song ist ja so was wie die zweite Nationalhymne der Amis. Damit wollten wir Amerika erobern", erinnert sich WestBam. In Deutschland jedenfalls klappte es, die Nummer verkaufte sich über 500.000 Mal.

Foto: action press
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Ibiza Calling: DJ WestBam bei der Arbeit im "Privilege"-Club auf Ibiza. Viel lieber lege er aber im Ostblock auf, sagt er: "Ich spiele lieber für Leute, denen es offensichtlich nicht so gut geht. Da ist die Freude viel größer. Ich erinnere mich an Sankt Petersburg. Da habe ich 1990 in einer Wohnung aufgelegt für 30, 40 Leute. Ich habe acht Stunden gespielt und alle haben nonstop durchgetanzt. Wahnsinn!"

Foto: ullstein bild/ CARO/Jandke
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Im Kardinalkostüm mit Nonnen: Im Video zu "Beat Box Rocker" zeigte sich WestBam als Geistlicher. In seiner Anfangszeit in Berlin ab 1984 war er tatsächlich für Katholische Theologie an der Uni eingeschrieben. "Ich habe aber nicht zu Ende studiert", sagt er. "Mein Vater war kurz zuvor verstorben, ich erhielt eine Halbwaisenrente von 600 Mark im Monat. Das Geld habe ich für meinen Karrierestart als DJ benutzt."

Foto: action press
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Eurovisions-Team: WestBam (rechts) und Afrika Islam (bürgerlich Charles Glenn) 2004 bei der Probe zur TV-Sendung "Germany 12 Points"

Foto: action press/ Scherf/ face to face
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ESC-Rebellen: WestBam lieferte zusammen mit Afrika Islam und dem Track "Dancing with the Rebels" etwas Kontrastsound beim Vorentscheid des Eurovision Song Contest, im März 2004 in der Arena in Berlin-Treptow.

Foto: Kurt Vinion/ Getty Images
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Master at Work: WestBam, hier 2010 beim "Ton aus Strom"-Event in Halle/Saale, hat sein DJ-Handwerk von der Pike auf gelernt. Er bewunderte früher die Discjockeys aus dem Club um die Ecke, die neun Stunden durchspielten. In Berlin hörte er damals DJ Fetisch im Club Zest. "Der wurde umjubelt, der hatte Fans", erinnert sich Westbam. "Da merkte ich zum ersten Mal, dass ein DJ auch Popstar sein kann."

Foto: imago/ STAR-MEDIA
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Lesung: "Die Macht der Nacht" heißt die Biografie, in der Rave-Philosoph und Nachtarbeiter WestBam im Jahr 2015 Abenteuer aus seinem Leben niederschrieb - hier eine Lesung in einer Buchhandlung in Berlin.

Foto: action press
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Boom! WestBam bei einem Szene-Event im September 2018 in Berlin. Neue Lautsprecher wurden vorgestellt, die DJ-Legende lieferte den passenden Sound.

Foto: imago/ Future Image
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Festival-Auftritt: DJing ist für WestBam "auch eine Fortsetzung des Rock'n'Roll mit anderen Mitteln. "Auf Festivals wie Lollapalooza merke ich, dass die Energie des Rock genau mein Ding ist". Lollapalooza ist eine amerikanische Festivalreihe, läuft aber inzwischen auch in Europa - wie hier 2017 auf der Berliner Galopprennbahn Hoppegarten.

Foto: Redferns
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Ungewöhnliches Duo: Für den Track "Oldschool, Baby" übernahm Popsängerin Nena 2002 die Gesangs-Parts. Zusammen mit WestBam erhielt sie 2003 den Dance Music Award in der Kategorie "Bestes Video".

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Techno-Alarm! WestBam ist Mitbegründer der Mayday-Festivals und komponierte die passende Techno-Hymne dazu, erschienen auf seinem Label "Low Spirit". Die erste Mayday lief am 14. Dezember 1991 in "Die Halle" in Berlin-Weißensee. Mit der Veranstaltung wollte man den durch die Wende vor dem Aus stehenden Radiosender DT64 unterstützen. Die Idee dazu stammte von WestBams Bruder Fabian Lenz.

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Größter deutscher Indoor-Rave: Die Techno-Fans feierten beim Mayday in Berlin, Köln, Dortmund und in der Frankfurter Festhalle (Foto). Techno-Pionier WestBam war lange dabei und trennte sich nach der Übernahme durch den amerikanischen Konzern SFX von "Mayday".

Foto: Arne_Dedert/ picture-alliance / dpa
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Gigantischer Outdoor-Rave: Als einziger DJ hat WestBam von 1989 bis 2008 auf allen Loveparades aufgelegt. Von einem kleinen Berliner Straßenumzug zum Massenspketakel, einer Art Techno-Karneval - hier 1997 ein Blick auf der Berliner Straße des 17. Juni.

Foto: AP/ Hans Edinger
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Die letzte Loveparade: Am 24. Juli 2010 kam es im Bereich eines Tunnels am ehemaligen Güterbahnhof in Duisburg zu einem Gedränge, bei dem 21 Menschen starben und 541 verletzt wurden. WestBam sollte am Abend auftreten, fuhr aber nicht nach Duisburg, als er erfuhr, was dort geschehen war. Seit der Duisburger Katastrophe gab es keine weiteren Loveparades.

Foto: Marcel Kusch/ dpa
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Studiomüde: Westbam relaxt 2006 in einem Musikstudio in Berlin-Moabit. Heute ist er der Studioarbeit überdrüssig. "Jahrelang habe ich in Studios gelebt, ohne Fenster, von früh bis spät mit denselben Leuten", berichtet er. "Darauf habe ich keine Lust mehr. Ich bin froh, dass ich heute mit meinem Laptop Musik machen kann, überall, auf der Couch, im Bett oder beim Kartoffelschälen."

Foto: imago/ Rolf Zöllner
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DJ Dick: Fabian Lenz alias "DJ Dick" ist der jüngere Bruder von Maximilian alias WestBam. Er folgte ihm nach Westberlin, zog in WestBams WG ein und war in den Neunzigern mit Marusha (Marusha Aphrodite Gleiß) liiert, als sie ihren größten Hit "Somewhere over the Rainbow" hatte.

Foto: CC BY-SA 3.0
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Kebabträume? 2017 spielte WestBam in "Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt" mit. Der schrille Film nach einem sehr amüsanten Roman von Schriftsteller Sven Regener, seit Jahrzehnten auch Sänger von Element of Crime, handelt vom Techno-Zirkus der Neunzigerjahre.

Foto: DCM Film
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Der Musikmanager William Röttger zählte zu WestBams wichtigsten Weggefährten, ein Freund und Förderer, der zunächst an der Pädagogischen Hochschule Münster Assistent von WestBams Vater Otto Lenz war und auch WestBams ersten DJ-Auftritt in Münsteraner Club Odeon organsierte. In Berlin war Röttger am Label "Low Spirit" beteiligt, arbeitete als Fotograf und Künstler, Veranstalter und Galerist. Er starb im Februar 2015.

Foto: i-motion.ag/ mayday.de
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Kultureller Auftrag: Für die Olympischen Sommerspiele 1988 in Seoul wurde WestBam vom Goethe Institut gebucht, um dort als Resident-DJ des deutschen Kulturbeitrags "Kunstdisco" Musik zu machen.

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Neues Werk: Für sein neuestes Studioalbum "Risky Sets" konnte WestBam hochkarätige Hip-Hop-Superstars wie Kendrick Lamar, Wiz Khalifa, Lil Wayne, Busta Rhymes, Tyler the Creator und Sänger Drake gewinnen. Den Kontakt hatte er über den befreundeten deutsch-amerikanischen Rapper Joe Young hergestellt. "Trotzdem ist das Album nicht so Hip-Hop-lastig, wie die Namen vermuten lassen", klärt Westbam auf. "Es ist ein echtes Partyalbum geworden."

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Seit gut drei Jahrzehnten im Geschäft: Auch mit 53 hat WestBam, hier mit einestages-Autor Alex Gernandt, noch einiges vor. "Ich arbeite heute effizienter und hänge nicht mehr stundenlang in den Klubs ab, bevor ich mein DJ-Set starte", sagt er im Interview. "Als High-Energy-Persönlichkeit gehöre ich schon noch zu den eisernen Partymännern und feiere nach wie vor gern, wenn auch lange nicht mehr so exzessiv wie früher."

Foto: Alex Gernandt
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