Houston-Double Ikenna Das Leben der anderen
Letzte Vorbereitungen vor dem Auftritt im Hamburger Pulverfass: Ikenna Benéy Amaechi arbeitet seit 21 Jahren als Travestie-Künstler. Whitney Houston ist die Rolle seines Lebens.
Pinsel, Puder, Parfüm: Es braucht Zeit - und viel Equipment - bis Ikenna bühnenfertig ist. Diese Aufnahme entstand in der Umkleide des Hamburger Travestie-Cabarets.
Die Ähnlichkeit zwischen der Sängerin Whitney Houston und ihrem Double Ikenna ist enorm. Vieles davon war Zufall: Der passende Hautton beispielsweise oder die zierliche Statur. Ikenna hat zum Glück wenig Bartwuchs. Die Gesichtshaare müssten sonst vor jedem Auftritt aufwendig überschminkt werden.
Double und Original im Vergleich. Das Schminken hat sich Ikenna selbst beigebracht. Schon als Jugendlicher griff er zu Pinsel und Lippenstift. Heute sitzt jeder Handgriff. Rechts ist Whitney Houston im Jahr 2009 bei ihrem Autritt in der Freiburger "Wetten, dass..?"-Sendung zu sehen.
An der Wand in der Pulverfass-Garderobe hängen Bilder der großen Travestie-Künstler. Nicht alle streben danach, einem Original möglichst ähnlich zu sein. Vielen geht es vor allem um das Auffallen - mit oder ohne Kleidung.
Auf Regalbrettern unter der Decke lagern mehrere Perücken. So werden aus Männern rothaarige Vamps oder blonde Verführerinnen.
In der Garderobe machen sich mehrere Travestie-Künstler gleichzeitig zurecht. An diesem Platz hängen als Vorlage Bilder von Amy Winehouse und Liza Minnelli.
Was für viele Frauen vor allem mit Schmerzen verbunden ist, ist für Travestie-Künstler ein Muss und eine Freude: hochhackige Schuhe. Er könne selbst auf Zwölf-Zentimeter-Absätzen problemlos laufen, sagt Ikenna.
Eine attraktive Dame? Spätestens, wenn Ikenna mit seiner normalen, sehr tiefen Stimme redet, ist diese Illusion dahin.
Im Mai 1988 trat Whitney Houston im Wembley Stadion in London auf. Ikenna beherrscht ihre Posen inzwischen perfekt, zum Beispiel den Griff ums Mikro oder die energischen Handbewegungen.
Ikenna in typischer Houston-Manier. Längst denke er nicht mehr darüber nach, wie er sich auf der Bühne bewege. Es fühle sich vollkommen natürlich an.
2009 trat Houston in Beverly Hills auf. Im gleichen Jahr gab sie Moderatorin Oprah Winfrey ein Interview, in dem sie ausführlich über ihre Drogensucht und ihre gescheiterte Ehe redete.
Er liebe die Theatralik auf der Bühne, sagt Ikenna. Den Moment, wenn alle Blicke auf ihn gerichtet sind und sich jeder im Publikum frage: "Wer ist das? Was ist das?"
Die CNN-Verwechslung sei ein Ritterschlag gewesen, sagt Ikenna. Statt Whitney Houston wurde in der Interview-Sendung von Piers Morgan ein Bild von dem Double der Sängerin gezeigt. Es entstand 2008 bei einem Auftritt Ikennas in Las Vegas.
Seit dem Tod von Whitney Houston hat sich die Arbeit für Ikenna verändert. Vor allem die Leichtigkeit sei abhanden gekommen, bei jedem Auftritt schwinge nun der Begriff "Tribut" mit.
Seinen Auftritt im Pulverfass beendet Ikenna mit "One Moment in Time", es sei der perfekte Song für das Finale, dramatisch und gefühlvoll. Er bekommt als einziger Künstler stehende Ovationen.