Wie die Zeit vergeht mit... - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Wie die Zeit vergeht mit... dem Bau des Eiffelturms

"Ein großartiger, stolzer Wahnsinn." Im Januar Januar 1887 begann der Bau des Eiffelturms. Von Kritikern wurde der Stahlriese als "tragische Straßenlaterne" beschimpft, manche Anwohner versetzte er in Angst und Schrecken. Auf einestages können Sie dem Pariser Wahrzeichen beim Wachsen zuschauen.
1 / 11

"Ein großartiger, stolzer Wahnsinn." Von Kritikern wurde der Stahlriese als "tragische Straßenlaterne" beschimpft, manche Anwohner versetzte er in Angst und Schrecken. Auf einestages können Sie dem Pariser Wahrzeichen beim Wachsen zuschauen.

Reisen Sie in der einestages-Bildergalerie durch die Jahrzehnte!

Foto: dpa
2 / 11

26. Januar 1887

An diesem Tag wurden die Fundamente von Paris' Wahrzeichen gesetzt. Insgesamt hoben die Arbeiter dafür 30.973 Kubikmeter Erde aus. Doch schon vor dem ersten Spatenstich war das geplante Bauwerk als Eiffelturm bekannt. Der Bauherr Gustave Eiffel hatte diesen Namen nie selbst verwandt - vor Investoren und in der Öffentlichkeit verkaufte er das Projekt allerdings als seine Vision. Die für die Konstruktion verantwortlichen Ingenieure Maurice Koechlin und Émile Nouguier, die in seinem Architekturbüro arbeiteten, erwähnte er ebenso wenig wie den Architekten Stephen Sauvestre, dem der Eiffelturm sein Aussehen zu verdanken hat.

Die riesige Metallkonstruktion sollte der...

3 / 11

...welthöchste Bau werden. Mit einer Höhe von 312 Metern überragte der Eiffelturm bei seiner Fertigstellung das zweithöchste Bauwerk, das Washington Monument (169,3 Meter), sogar fast um das Doppelte. Erst 1930 sollte das Chrysler Building (319 Meter) in New York den Pariser Turm übertreffen.

4 / 11

1. Juli 1887

An diesem Tag begann die Errichtung der Stahlkonstruktion des Eiffelturms.

Vor dem Bau wurde berechnet, dass der Turm eine Masse von 4810 Tonnen haben würde. Am Ende waren es 7300. Mit mehr als sieben Millionen Francs verschlang er außerdem mehr als das 2,5-fache der geplanten Baukosten.

Die Bauteile...

5 / 11

...wurden in Gustave Eiffels Fabrik im sechs Kilometer entfernten Levallois-Perret maßangefertigt und dann vor Ort montiert. Der Eiffelturm besteht aus 18.038 Einzelteilen, die von rund 2,5 Millionen Bolzen zusammengehalten werden.

6 / 11

7. Dezember 1887

Ein halbes Jahr dauerte es, bis der 1. Stock des Baus fertiggestellt war.

Die Etage liegt in 57,6 Metern Höhe und hat eine Fläche von 4415 Quadratmetern. Die Montage der vier horizontalen Tragebalken war eine der größten Herausforderungen beim Bau. Um sie millimetergenau einzupassen, wurde ein 45 Meter hohes Gerüst errichtet.

Auf der Plattform...

7 / 11

...entstanden vier aufwendig verglaste, thematisch unterschiedlich gestaltete Säle: eine amerikanische Bar sowie ein französisches, ein russisches und ein flämisches Restaurant. Alle diese Bauten wurden zur Weltausstellung 1937 abgerissen und durch zeitgemäßere ersetzt.

8 / 11

14. August 1888

Acht weitere Monate später war die zweite Plattform fertig. Der Bau hatte nun eine Höhe von 115 Metern. Insgesamt 250 Arbeiter schufteten täglich in Schichten von zwölf Stunden im Sommer und neun Stunden im Winter. Neben Zimmermännern wurden viele Schornsteinfeger angeheuert, da diese die Arbeit in großen Höhen gewohnt waren.

Schon jetzt flößte der Bau so manchem Zeitgenossen mächtig Respekt ein. So sagte ein Mathematiker voraus, dass die Konstruktion bei einer Höhe von 228 Metern einstürzen würde. Ein Mann, der am Champ de Mars lebte, verklagte den Bauherrn Gustave Eiffel gar. Er hatte Angst, der Eiffelturm könnte auf sein Haus stürzen. Tatsächlich wurde der Bau gestoppt, bis Eiffel zustimmte, für alle Schäden, die bei einem Einsturz entstehen würden, zu haften.

9 / 11

Dezember 1888

Ende des Jahres war die dritte Etage des Eiffelturms errichtet. Schon jetzt war er 267,1 Meter hoch. Eine unverschämte Größe, wie die Intellektuellen Frankreichs befanden. Sie nannten das Bauwerk "eine tragische Straßenlaterne", "Skelett von einem Glockenturm" und "unvollkommen, konfus und unförmig".

Berühmte Schriftsteller, Maler Architekten und Bildhauer schlossen sich gar zusammen und verfassten einen "Protest der Künstler". Darin bezeichneten sie sich als "leidenschaftliche Liebhaber der unangetasteten Schönheit von Paris". Sie schilderten ein dramatisches Szenario:

"Um zu begreifen, was wir kommen sehen, muss man sich einen Augenblick einen schwindelerregenden, lächerlichen Turm vorstellen, der wie ein riesiger, düsterer Fabrikschlot Paris überragt, muss sich vorstellen, wie alle unsere Monumente gedemütigt, alle unsere Bauten verkleinert werden, bis sie in diesem Alptraum verschwinden."

10 / 11

15. März 1889

Trotz der Proteste wurde Mitte März mit dem Aufsetzen der Laterne auf der Spitze der Bau des Eiffelturms beendet.

Am 31. März dann war der Eröffnungstag. Mit einer Delegation bestieg Gustave Eiffel seinen Turm. An der Spitze hisste er eine 7 Mal 4,40 Meter große Trikolore - und die Proteste gegen das Bauwerk schlugen in Begeisterungsstürme um. In einer Pressemeldung schrieb ein vollends euphorisierter Reporter: "Auch ich, wie viele andere, habe gesagt und geglaubt, der Eiffelturm sei ein Wahnsinn, aber es ist ein großartiger und stolzer Wahnsinn."

11 / 11

15. Mai 1889

Als am 15. Mai die Weltausstellung eröffnete, überragte der Eiffelturm alle anderen Wunder der Welt - auch in Sachen Eintrittspreis. Schlug der Eintritt der Weltausstellung mit einem Franc zu Buche, mussten Besucher für das Betreten der ersten Etage des Eiffelturms schon zwei Francs zahlen. Die Stockwerke zwei und drei waren sogar noch exklusiver: Hier kostete das Betreten gar drei und fünf Francs.

Dennoch kamen die Schaulustigen in Scharen. 1.896.987 Menschen bestiegen den Turm. Darunter Prominenz wie der spätere englische König Eduard VII., der Schah von Persien, Thomas Edison und Mahatma Gandhi.

Als die Weltausstellung vorbei war, hatte das Megaprojekt drei Viertel seiner Baukosten wieder eingespielt. In den nächsten Jahren sollte es seinen Besitzer Gustave Eiffel zum Millionär machen - und die Pariser von Jahrzehnt zu Jahrzehnt stolzer auf ihre "tragische Straßenlaterne".

bma

Foto: Getty Images
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?