Steinwerkzeuge Feuer bricht Fels
Feuer on the Rocks: Für die Werkzeugherstellung brauchbare Chert-Stücke zu gewinnen, ist alles andere als einfach. Archäologen wagten ein Experiment.
Wie aber kommt man an die besten Exemplare? Um Antworten zu finden, gingen 16 Archäologen vom Melsvik Archaeological Project in Steinbrüche von Melsvik, hoch im Norden Norwegens.
Stein des Anstoßes: Chert ist wie Feuerstein - beide sind extrem feinkörnige Kieselgesteine, bei deren Bruch scharfe Kanten entstehen. Die mesolithischen Messer, Pfeilspitzen oder Schaber aus der Region sind meist aus dem Chert von Melsvik gefertigt.
Unnachgiebiger Fels: Mit Steinhämmern und Knochenhebeln ist Chert nicht loszubekommen. Alles, was die Forscher mit Steinhämmern aller Arten herausbekamen, war pulverisierter Stein und das eine oder andere winzige Stückchen, das zur Werkzeugherstellung völlig ungeeignet war.
Plan B - Feuer: Dass die Menschen in der Steinzeit Feuer zur Steingewinnung nutzten, ist bekannt. Wie genau, ist allerdings weniger sicher. Die Experimentalarchäologen begannen damit, dass sie Birkenholz in verschiedenen Anordnungen aufschichteten und kleine Feuer etwa in der Größe der Mulden entzündeten.
Dann hieß es: Deckung! Schon nach fünf bis zehn Minuten ging es los. "Wir konnten quasi hören, wie der Stein lebendig wurde", sagt Geoarchäologe Per Storemyr. "Wenn die Oberfläche springt, klingt es wie Popcorn - dabei fliegen kleine Chertsplitter bis zu zwei Meter in die Höhe."
Keine rohe Gewalt: Große, lodernde Feuer waren zum Chert-Abbau gar nicht nötig. Im Gegenteil: Zu viel Hitze ließ das Gestein porös werden.
Perfekter Abbau: Direkt unter dem Zentrum des Feuers betrug die Temperatur nach 20 bis 30 Minuten etwa 400 bis 500 Grad Celsius - und hinterließ nur unbrauchbares Geröll. In 15 bis 20 Zentimeter Tiefe aber herrschten nur etwa 40 bis 60 Grad Celsius. Durch die großen Temperaturunterschiede lösten sich dann schöne Placken von drei bis fünf Zentimetern Stärke und sogar größere Blöcke - perfekt zur Weiterverarbeitung.
Experiment geglückt: "Die konnten wir dann gut mit Stein-, Knochen- oder Geweihwerkzeugen entfernen, es hat wunderbar geklappt", schreibt Storemyr. "Ein kleiner Schlag hier und dort half schon, den gesprungenen Stein zu befreien.