Aus für Schlecker Mit Billig-Image in den Untergang
Vor einer geschlossenen Schlecker-Filiale liegt ein Preisschild auf dem Boden. Die Drogeriekette hat einen beispiellosen Abstieg hinter sich. Jahrelang beherrschte Schlecker die Branche, nun wird das Unternehmen zerschlagen.
Anton Schlecker erarbeitete sich den Ruf als Drogeriekönig. 1975 gründete er seine Kette und expandierte rasch. Schlecker startete mit einer Filiale, 1984 waren es schon tausend. Zu Hochzeiten sollen es etwa 8000 Märkte gewesen sein. Mitte Mai 2012 gab es nur noch 3200 deutsche Filialen. Der Unternehmer Schlecker lebt zurückgezogen. Das Bild stammt aus dem Jahr 1999.
Gerüchte über Finanzprobleme kursierten bereits im Winter 2011, Ende Januar 2012 war es offiziell: Schlecker meldete Insolvenz an. Vor allem die geplatzte Finanzierung von Lieferungen der Einkaufsgemeinschaft Markant führten zur Zahlungsunfähigkeit. Bereits in den Monaten vor der Insolvenz musste der Konzern Hunderte Filialen schließen - so wie diese hier.
Anton Schlecker und seine Frau Christa gelten als eingeschworenes Team. Sie zogen bis zuletzt die Fäden im Konzern. In der Öffentlichkeit mussten aber ihre Kinder den Kopf für die Pleite hinhalten.
Zehn Tage nach der Pleite stellte sich Meike Schlecker, die Tochter des Gründers, auf der ersten Pressekonferenz am Firmensitz in Ehingen den Fragen der Journalisten, wie es mit der Drogeriekette weitergehen soll.
Seit 2010 feilten die beiden Kinder Lars und Meike Schlecker an einer neuen Strategie für die Drogeriemarktkette.
Ein Schlecker-Laden vom alten Schlag. Die Schaufensterscheiben sind mit dem Logo zutapeziert, drinnen leuchtet grelles Neonlicht.
Weicheres Licht, mehr Platz, bessere Übersicht: Mit dem neuen Ladenkonzept wollte Schlecker den Anschluss an die Konkurrenten schaffen. Doch das Unternehmen hatte zu wenig Geld für die Modernisierung der maroden Läden und zu wenig Zeit für den Imagewandel.
Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sollte Schlecker retten. Doch Tausende Kündigungsklagen und das schlechte Image des Unternehmens schreckten Investoren ab. Geiwitz begann mit dem Verkauf einzelner Unternehmensteile.
Trotz Appellen von Gewerkschaftern und Beschäftigten (das Bild zeigt eine Demo im März in Berlin) ließen Politiker den Plan für Transfergesellschaften platzen. Dadurch wären Schlecker-Mitarbeiter aufgefangen und weitergebildet worden. Kündigungsschutzklagen wären vermieden worden.
Weil der Plan scheiterte, musste der Insolvenzverwalter Ende März 10.000 Beschäftigte entlassen. Das Bild zeigt Mitarbeiterinnen bei den Vorbereitungen für den Ausverkauf einer Filiale.
Der gelernte Metzger Anton Schlecker war über Jahre hinweg Gewerkschaftsfeind Nummer eins. Das Bild zeigt eine Demo von Beschäftigten in Dortmund im Jahr 2007. 1998 erließ das Amtsgericht Stuttgart gegen Anton Schlecker und seine Ehefrau Christa Bewährungsstrafen. Laut Gericht hatten sie bis 1995 gegen den allgemein verbindlichen Manteltarifvertrag verstoßen. Das Paar wurde zudem zur Zahlung von zwei Millionen D-Mark für gemeinnützige Zwecke verdonnert, Mitarbeiterinnen wurden entschädigt.
Eine Kassiererin in einer Schlecker-Filiale: Erst 1996 billigte Schlecker bundesweit Betriebsräte. 2001 vereinbarte das Unternehmen mit Ver.di einen Anerkennungsvertrag,...
...im Juni 2010 schließlich einigte sich Schlecker mit der Gewerkschaft Ver.di auf neue Tarifverträge. Bereits 2011 wollte Schlecker dann über einen Sanierungstarifvertrag verhandeln. Doch die Gespräche wurden von der Insolvenz eingeholt.
Mitten in die schwäbische Hochalb hatte Anton Schlecker in Ehingen eine Konzernzentrale gebaut, die an einen sozialistischen Prunkpalast erinnert.
Ein tragisches Ereignis im Leben der Familie Schlecker dürfte ein Grund für die Verschlossenheit des Clans sein: Die Geschwister Meike und Lars wurden 1988 Opfer von Entführern. Das Bild zeigt die Hütte, in denen sie festgehalten wurden. Der Vater zahlte ein millionenschweres Lösegeld.
Die Familie Schlecker hatte Millionen in das Unternehmen gepumpt, um es vor dem Untergang zu retten. Doch es half nichts.
Als letzte Hoffnung für Schlecker wurde Karstadt-Retter Nicolas Berggruen gehandelt. Er hatte Interesse an der Firma bekundet. Tausende Kündigungsschutzklagen hatten Investoren abgeschreckt.