Wiener Plagiatsverdacht: Der EU-Kommissar und die Philosophie - DER SPIEGEL
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Wiener Plagiatsverdacht Der EU-Kommissar und die Philosophie

Aufgeschreckt von der Guttenberg-Affäre schauen österreichische Wissenschaftler ihrem EU-Kommissar Johannes Hahn noch einmal genau in seine Doktorarbeit. Ein über Jahre unter Verschluss gehaltenes Gutachten ist nun öffentlich - doch Uni und Ministerium blocken eine neue Prüfung ab.
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Ob Johannes Hahn (ÖVP) seine Doktorarbeit 1987 mit Zehn-Finger-System verfasste, ist nicht bekannt. Wohl aber, dass er sehr großzügig mit Zitaten anderer Autoren umging. Ob das schon ein Plagiat ist, darüber streiten derzeit österreichische Wissenschaftler. Und weil das zuständige Ministerium, dem Hahn bis 2009 vorstand, nicht mehr weiterweiß, gibt's erst mal einen Arbeitskreis. mehr...

Foto: Ronald Zak/ ASSOCIATED PRESS
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An der Uni Wien studierte Hahn in den Achtzigern Philosophie und promovierte 1987 zum Thema "Die Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Phänomen Stadt". 2009 erlebte der Minister Hahn in Wien massive Studentenproteste gegen Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen - und wurde im selben Jahr EU-Kommissar für Regionalpolitik in Brüssel.

Foto: Universität Wien
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Mehrer Wissenschaftler fordern von Hahns Amtsnachfolgerin und Parteifreundin Beatrix Karl, sich zu Hahns Arbeit zu positionieren und an der Aufklärung mitzuwirken. Karl sagt, die Arbeit müsse nach "den damaligen wissenschaftlichen Anforderungen und Maßstäben" bewertet werden. Es dürfe keine "Vorverurteilung" geben. Eine Arbeitsgruppe soll für die Zukunft strengere Regeln für Plagiatoren aufstellen.

Foto: dapd
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Stefan Weber, Plagiatsjäger: Der Medienwissenschaftler pendelt zwischen seinen Wohnorten Dresden und Salzburg und hat derzeit nach eigenen Angaben gut zu tun. Für Geld prüft er wissenschaftliche Arbeiten auf abgekupferte Stellen. An der Arbeit des EU-Kommissars und Ex-Wissenschaftsministers hatte sich Weber schon seit 2007 festgebissen. In Österreich interessierte der Vorwurf kaum jemanden.

Foto: Anne Kaiser
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Einen erneuten Anlauf, die Arbeit Hahns zu überprüfen, unternahmen die österreichischen Plagiatjäger auch aufgrund der medialen Aufmerksamkeit für den Fall Guttenberg in Deutschland - doch bislang blieben Empörung aber auch größeres Rechercheinteresse in Österreich aus.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?