William Patrick Hitler: Privatkrieg des Halbneffen - DER SPIEGEL
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Hitlers Neffe "Warum ich meinen Onkel hasse" - der Privatkrieg

William Patrick Hitler, ein Halbneffe des "Führers", versuchte, aus dem Namen Kapital zu schlagen. Als das misslang, führte er von Amerika aus einen Privatkrieg gegen den deutschen Diktator.
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Verhinderter Kriegsfreiwilliger: William Patrick Hitler wollte auch mit der Waffe gegen die Deutschen kämpfen. Als britischem Staatsbürger blieb ihm der Eintritt in die U.S. Army jedoch zunächst verwehrt. Deshalb verabschiedete er sich im Juni 1941 in New York von seiner Mutter, um sich der Luftwaffe des Commonwealth-Mitglieds Kanada anzuschließen - auch dies vergeblich.

Foto: Keystone / Getty Images
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Hitlers Neffe: William Patrick Hitler war ein Sohn von Adolf Hitlers Halbbruder Alois. Nachdem er in Deutschland mit geringem Erfolg versucht hatte, aus der familiären Beziehung berufliche Vorteile zu ziehen, agitierte er ab 1939 in den USA gegen den Diktator. Auf Vortragsreisen trat er mit schmalem Oberlippenbärtchen auf, wie sie damals die Schauspieler Clark Gable und Errol Flynn trugen, und im Nadelstreifenanzug, bemüht um einen seriösen Anschein.

Foto: imago/ ZUMA Press
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Der Onkel: Als Adolf Hitler nach seinem gescheiterten Putschversuch im November 1923 während der Festungshaft in Landsberg am Lech sein Buch "Mein Kampf" schrieb, wusste der in Liverpool lebende Halbneffe William Patrick noch nichts vom verwandtschaftlichen Verhältnis. Die Veröffentlichung des ersten Bandes machte den Namen des Verfassers auch im Ausland bekannt. William Patricks Mutter, eine Irin, weihte ihren Sohn nun in die Familiengeschichte ein. Sein Vater Alois, ein Halbbruder Adolf Hitlers, hatte Frau und Kind bereits 1913 verlassen und war nach Deutschland zurückgekehrt.

Foto: imago/ Wassilis Aswestopoulos
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Das erste bekannte Foto: Ende der Zwanzigerjahre zog Bridget Hitler mit ihrem Sohn nach London. Dort begann William Patrick eine Ausbildung zum Buchhalter. Damals entstand diese Aufnahme.

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Familienzusammenführung: Zum vierten Reichsparteitag der NSDAP 1929 lud Adolf Hitler seinen Halbbruder Alois und dessen zweite Frau Hedwig nach Nürnberg ein. Alois Hitler bat auch seinen in London lebenden Sohn William Patrick hinzu, den er seit 1913 nicht mehr gesehen hatte. So kam es am Rande des Parteitags zum ersten Familientreffen.

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Die Eltern: Alois Hitler war ein Zollbeamter, der seine Kinder verprügelte und sich zu Tode soff. Klara Pölzl war bereits als 16-Jährige in den Haushalt Alois Hitlers gekommen, um dessen kranke erste Ehefrau zu pflegen. Auf Drängen der zweiten Ehefrau musste sie das Haus verlassen. Als auch Alois' zweite Frau starb, war Klara bereits von ihm schwanger. Wegen des engen Verwandtschaftsverhältnisses - offiziell war sie eine Cousine zweiten Grades, tatsächlich wohl eine Cousine ersten Grades - konnte sie Alois 1885 nur mit kirchlichem Dispens heiraten. Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor, von denen bis auf Adolf und seine Schwester Paula alle früh starben.

Foto: ullstein bild
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Farbporträt des schneidigen "Führers": Nach seiner "Machtergreifung" 1933, real eher eine Machtübergabe, schaltete Adolf Hitler das Parlament aus und regierte mit diktatorischen Vollmachten. Seine Familienverhältnisse hüllte er in Schweigen, seine Verwandten hielt er auf Distanz. Das Foto stammt aus dem Jahr 1935.

Foto: imago/ Leemage
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Rechtes Szenelokal: Halbbruder Alois Hitler (rechts) eröffnete am Wittenbergplatz in Berlin ein Restaurant, das er "Zum Alois" nannte. Nur klein am Türschild stand der Familienname Hitler. Trotzdem sprach es sich schnell herum, wer der Inhaber des Lokals war, in dem neben Neugierigen vor allem Parteifunktionäre der NSDAP verkehrten.

Foto: Das Bundesarchiv / Georg Pahl
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Im Akkord: Mitte der Dreißigerjahre arbeitete William Patrick Hitler unter anderem im Opel-Werk in Rüsselsheim. Das Bild zeigt die sogenannte Taktstraße, wo Arbeiter die Endmontage von Personenautos ausführen. Später wechselte der Hitler-Neffe als Verkäufer zum Opel-Händler Eduard Winter am Berliner Kurfürstendamm.

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Ausgewandert: Nach ihrer Ankunft in Amerika besuchten William Patrick und seine irische Mutter Bridget am Palmsonntag, dem 2. April 1939, die St. Patrick's Cathedral in New York, die dem irischen Nationalheiligen geweiht ist. Das Bild zeigt Mutter und Sohn nach dem Verlassen der Kirche mit geweihten Palmwedeln.

Foto: AP
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Kriegserklärung: In Amerika erklärte der kleine Hitler dem großen Hitler den Krieg. Er startete eine publizistische Kampagne, um die Öffentlichkeit in seinem Gastland über die inzwischen auch von ihm entdeckte Bösartigkeit des deutschen Diktators aufzuklären, und in der Illustrierten "Look"...

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...erschien am 4. Juli 1939 unter der Überschrift "Warum ich meinen Onkel hasse" ein mehrseitiger, teilweise mit privaten Fotos garnierter Artikel. Nach dem Kriegsbeginn durch den deutschen Überfall auf Polen zwei Monate später war er erst recht ein gefragter Interviewpartner.

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Vortragsreisender: Ab Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 unternahm William Patrick Hitler gut dotierte Vortragsreisen durch die USA und Kanada. Sie wurden von professionellen Redner-Agenturen organisiert. Tausende hörten dem Hitler-Neffen zu. Das Bild zeigt die erste Seite eines Faltblatts, das die Veranstaltungen ankündigte.

Foto: Express/ Getty Images
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Eintritt in die U.S. Navy: Am 6. März 1944 wurde William Patrick Hitler doch noch in die U.S. Army aufgenommen. Er meldete sich bei einer Rekrutierungsstelle in New York, wurde einer Sanitätseinheit der Marine zugeteilt und legte vor einem Lieutenant den Eid auf die amerikanische Verfassung ab.

Foto: AP
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In der Marine: Jahrzehntelang versuchte William Patrick Hitler, Kapital aus seinem Namen zu schlagen. Die US-Behörden blieben allerdings argwöhnisch und ließen ihn vom FBI durchleuchten; erst im zweiten Anlauf konnte er beim amerikanischen Militär anheuern.

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Ausgedient: Mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht endete auch für William Patrick Hitler der Zweite Weltkrieg. In Boston wurde der Halbneffe des deutschen Diktators mit einer Urkunde aus der U.S. Navy entlassen.

Foto: Bettmann Archive
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Adolf Hitlers Halbbruder: Diese Aufnahme von 1937 zeigt Alois Hitler junior. Ab 1933 hatte er vermutlich keinen Kontakt mehr zum deutschen Diktator. Schon in "Mein Kampf" verschwieg ihn Adolf Hitler vollständig.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 102-17903
Zum digitalen Bildarchiv des Bundesarchivs 

Foto: Das Bundesarchiv / Georg Pahl
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Angefeindet: Nach dem Kriegsende und dem Tod seines Halbbruders zog Alois Hitler nach Hamburg. Oft erhielt er anonyme Anrufe wegen seines Namens. Er änderte ihn deshalb in "Hiller", lebte unerkannt im Stadtteil Fuhlsbüttel und starb 1956. Im Familiengrab auf dem Friedhof Ohlsdorf wurden noch zwei weitere "Hillers" aus seiner Verwandtschaft bestattet.

Foto: Chris Ware/ Getty Images
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Rätselhafter Name: Auf dem Grabstein von William Patrick Hitler auf Long Island steht der Tarnname, den er sich nach dem Zweiten Weltkrieg zugelegt hatte: Stuart-Houston. Warum er ausgerechnet dieses Pseudonym gewählt hatte, ist schleierhaft. Denn es erinnert an Houston Stewart Chamberlain, einen fanatischen Antisemiten und glühenden Hitler-Verehrer. Auch William Patricks Mutter Bridget (hier in der Schreibweise Brigid) wurde hier beerdigt.

Foto: SPIEGEL TV
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Nichts als Ärger mit der Familie: Adolf Hitlers Ahnentafel - es war eine weit verzweigte Sippe mit komplizierten Verwandtschaftsverhältnissen, Bigamie und wohl auch Inzest kamen vor. Diese Grafik zeigt einen Ausschnitt aus dem Stammbaum.

Foto: DER SPIEGEL
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