Wimbledon-Legende Spiel, Knast - und kein Sieg
Cramm-Rolle: Auch als ewiger Zweiter bewahrte "Tennisbaron" Gottfried von Cramm immer die Contenance. Er habe sein bestes Tennis gespielt hätte, erklärte er nach seiner zweiten Finalniederlage in Wimbledon 1936. Es sei ihm eine Freude, gegen einen Besseren zu verlieren.
Der Tennisbaron: Der 25-jährige Gottfried von Cramm lächelt 1934 nach einem Sieg über den deutschen Top-Spieler Hans Nüsslein in die Kamera. Schon als Kind hatte er den Plan, eines Tages Tennis-Weltmeister zu werden gefasst.
Titelheld: Mindestens der zweitbeste Tennisspieler der Welt sei Gottfried von Cramm, schrieb im September 1937 das "Time"-Magazine über den Baron. Er könne sogar der beste sein.
Verpasste Chance: Gottfried von Cramm während des Endspiels von Wimbledon im Juli 1937 gegen den Amerikaner Donald Budge. Sein englischer Erzrivale Fred Perry, gegen den Cramm die Finals von 1935 und 1936 verloren hatte, war in diesem Jahr nicht in Wimbledon angetreten, und Cramm hatte sich Hoffnungen auf einen Sieg gemacht. Doch auch gegen Budge unterlag er.
Spannendes Finale: Vor dem Endspiel zwischen Gottfried von Cramm und Fred Perry im Juli 1936 in Wimbledon bildeten sich lange Schlangen vor dem Gelände des traditionsreichen All England Lawn Tennis and Croquet Clubs. Perry hatte Cramm im Vorjahr in Wimbledon besiegt, doch der Deutsche hatte den Briten bei den French Open in die Schranken gewiesen.
Sieger der Herzen: Gottfried von Cramm (l.) und der Brite Fred Perry standen sich am 3. Juli 1936 im Finale von Wimbledon gegenüber. Cramm unterlag fast ohne Gegenwehr, weil er sich gleich im ersten Spiel des ersten Satzes einen Wadenmuskel gezerrt hatte. Als er sich anschließend für seine schwache Leistung beim Publikum entschuldigte, erhielt Cramm eine Standing Ovation.
Freunde und Finalgegner: Gottfried von Cramm (l.) gratuliert am 2. Juli 1937 seinem amerikanischen Finalgegner Donald Budge zu dessen Sieg im Turnier von Wimbledon. Die beiden Spieler waren auch privat befreundet. Nachdem Cramm von der Gestapo verhaftet worden war, sammelte Budge Unterschriften für Cramms Freilassung.
Formvollendet: Gottfried von Cramm in einem Davis-Cup-Spiel in Paris gegen den Franzosen André Merlin - sein Spielstil galt als vorbildlich und besonders ästhetisch.
Der Baron und die Erbin: Gottfried von Cramm mit seiner zweiten Ehefrau, der Woolworth-Erbin Barbara Hutton. Die Ehe der beiden währte von 1955 bis 1960; der tennisspielende Baron aus Deutschland war Ehemann Nummer sechs der Hutton.
Netzvolley: Immer wieder begeisterte Gottfried von Cramm die Tennisfans der Vorkriegsjahre mit eleganten Spielzügen. Elegant streckt er sich hier in einem Turnier im September 1937 in New York nach einem Ball seines amerikanischen Gegners Donald Budge, dem er kurz zuvor in seinem dritten Wimbledon-Finale unterlegen war.
Aufschlag von Cramm: Weil Cramm es immer wieder an Linientreue gegenüber dem NS-Regime mangeln ließ, wurde er ím März 1938 von der Gestapo verhaftet und wegen Devisenvergehen und einer angeblichen homosexuellen Beziehung angeklagt. Das Urteil lautete auf ein Jahr Haft, sieben Monate davon musste Cramm absitzen.
Sportsleute: Gottfried von Cramm vor einem Match gegen den Amerikaner Bobby Riggs im September 1937. Kurz zuvor hatte Cramm sein drittes Wimbledon-Finale in Folge verloren. 1951 kehrte er noch einmal zurück, der mittlerweile als 41-Jährige konnte jedoch nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen.
Ewiger Zweiter: Gottfried von Cramm während des Wimbledon-Halbfinales im Juli 1936, das er souverän gewann. Im Finale unterlag er im zweiten Jahr in Folge dem Briten Fred Perry. Insgesamt schaffte es Cramm drei Mal bis ins Finale der All England Tennis Championships, ohne es gewinnen zu können.
Deutscher Meister 1949: Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang Gottfried von Cramm ein Comeback auf dem Court; 1947 und 1948 wurde er sogar zum Sportler des Jahres gewählt. Hier nimmt er im August 1949 die Siegestrophäe der Internationalen Deutschen Tennismeisterschaften am Hamburger Rothenbaum entgegen.
Old School: Gottfried von Cramm während eines Daviscup-Spiels im Mai 1952 gegen Brasilien in Düsseldorf. Drei Jahre später beendete er seine Karriere endgültig, nach über dreißig Jahren im Turniertennis.
Aufmerksamer Beobachter: 1949 konnte Gottfried von Cramm das Turnier von Wimbledon nur als Zuschauer besuchen. Doch 1951 kehrte er mit 41 Jahren noch einmal auf den heiligen Rasen zurück, von den Zuschauern mit stehenden Ovationen begrüßt.
Letzte Siege: Noch im Alter von 44 Jahren besiegte Gottfried von Cramm seinen 14 Jahre jüngeren Gegner Paul Remy im Juli 1953 beim Davis Cup in Paris. Erst 1955 gab der Tennisbaron den Turniersport auf.