Winsor McCay: Comic Little Nemo - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Comic-Klassiker "Little Nemo" Süßer kleiner Traumtänzer

Drachen, Eisriesen, Marsianer: 1905 revolutionierte ein kleiner Junge die Comicwelt. In seinen Träumen erlebt "Little Nemo" von Winsor McCay die bizarrsten Abenteuer. Ein Bildband versammelt nun alle Folgen des Comic-Klassikers.
1 / 25

Held im Schlafanzug: Little Nemo erlebt in seinen Träumen bizarre Abenteuer. Wenn ihn nicht gerade Riesen jagen, trifft er den Weihnachtsmann oder wird von Piraten entführt. Zum Glück ist der Junge nicht allein. Der politisch völlig inkorrekte Impie und der grüngesichtige Flip stehen ihm zur Seite. Flip wandelt sich im Lauf der Zeit von einem Gegner zu einem Freund des kleinen Nemos. Zur Besetzung gehören unter anderem auch die Figuren der Prinzessin und des Doctor Pill.

Foto: Taschen
2 / 25

Psychedelische Welten: Winsor McCay entführte seine Leser in verträumte Welten, die vielfach an einen Drogenrausch erinnern. Mit seiner Vielfalt der Formen und seiner schier grenzenlosen Fantasie setzte McCay mit "Little Nemo" Standards. Der italienische Regisseur Federico Fellini oder auch der Künstler Robert Crumb wurden von McCay beeinflusst.

Foto: Taschen
3 / 25

Trauriger Held: Auch wenn im Schlummerland die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt sind, gelten manche Regeln doch: Wer zu spät kommt, muss draußen bleiben. Diese Erfahrung muss auch der kleine Nemo machen, als er eines Tages zu spät nach Schlummerland kommt. Sieben Tage hat Nemo zu warten, bis das Traumland wieder seine Pforten öffnen wird. Genau so lange mussten sich die Leser gedulden - dann erst gab es das nächste Abenteuer.

Foto: Taschen
4 / 25

Galoppierendes Bett: In Nemos Traumwelt ist nichts unmöglich. Seinem Bett wachsen zum Beispiel riesige Beine, und schon geht es im vollen Lauf über die Dächer der Stadt. "Little Nemo" erschien zunächst von 1905 bis 1911 auf der ersten Seite der sonntäglichen Comicbeilage des "New York Herald". Dann wechselte der Zeichner Winsor McCay zum "New York American", wo die Figuren in der Serie "In the Land of Wonderful Dreams" auftraten.

Foto: Taschen
5 / 25

Ein Feuerwerk an Ideen: Als guter Amerikaner würdigte Winsor McCay auch den amerikanischen Nationalfeiertag. Am 4. Juli 1909 schießt er Nemo und seine Freunde beim klassischen Feuerwerk in die Luft. Zu Thanksgiving terrorisierte dagegen ein Truthahn im Hochhausformat Nemos Nachbarschaft.

Foto: Taschen
6 / 25

Alter Rauschebart: Natürlich durfte Weihnachten bei McCay nicht fehlen. Hier wirft Nemo einen Blick auf Santa Claus' Zuhause. "Little Nemo in Slumberland" wurde im Vierfarbdruck-Verfahren koloriert. Der "New York Herald" besaß zu dieser Zeit die besten Druckmaschinen des Landes.

Foto: Taschen
7 / 25

Kampf um die erste Seite: Die Zeichner lieferten sich einen Wettstreit um die ersten Seiten der Comicbeilagen. Hier wurden die beliebtesten Serien abgedruckt. Diese Konkurrenz hatte aber noch einen anderen Grund. Nur auf den ersten Seiten wurde im Vierfarbdruck-Verfahren gedruckt, auf den hinteren Seiten fristeten die Comics ihr Dasein in Schwarz-Weiß.

Foto: Taschen
8 / 25

Formenspiel: Winsor McCay leistete mit "Little Nemo" einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Comics. Statt sich an die traditionelle Aufteilung rechteckiger Kästen im Backsteinformat zu halten, gab McCay seinen Figuren in ihren Einzelpanels viel, viel Platz.

Foto: The Billy Ireland Cartoon Library & Museum, Ohio State University
9 / 25

Zeichentalent: Zenas Winsor McCay erfand die sympathische Comicfigur Nemo 1905. Seit frühester Jugend zeichnete er auf jede Unterlage, die er finden konnte – selbst Scheunenwände. Sein erster Job war bei einem Dime-Museum in Detroit. McCay zeichnete Porträts der Besucher. Später malte er unter anderem Werbeplakate für die Auftritte sogenannter "Freaks" in den Museumsshows.

Foto: The McCay Family Estate
10 / 25

Selbstporträt in Karo: Um 1898 wechselte McCay in die Zeitungsbranche. Sein enormes Zeichentalent und sein phänomenales Gedächtnis halfen ihm dabei, sich einen Namen zu machen. Seine Zeichnung eines Mörders etwa war so gut, dass die Polizei das Bild zur Fahndung benutzte.

Foto: Taschen
11 / 25

Clownesk: Mit seinem Comicstrip "Phurious Phinish of Phoolish Philipe’s Phunny Phrolics" feierte McCay im Mai 1904 seine Premiere in Farbe im Comicteil des "New York Herald". Comics waren bei den Lesern amerikanischer Zeitungen äußerst beliebt.

Foto: Taschen
12 / 25

Käse des Schreckens: 1904 kreierte McCay einen seiner größten Erfolge. In seiner Serie "Dream of the Rarebit Fiend" im "Evening Telegram" verspeisen die Hauptfiguren das walisische Gericht "Welsh Rarebit", Käse auf Toast, vor dem Zubettgehen. Anschließend suchen sie bizarre Albträume heim, wie in dieser Episode, in der die angeschmachtete Herzensdame wie ein Puzzle zerfällt. Am Ende jeder Folge verfluchen die Träumer den "Welsh Rarebit".

Foto: Alexander Braun Collection / German Academy of Comic Art
13 / 25

Gesundheit! Kleiner Junge, mächtiger Nieser, lautet das Erfolgsrezept von McCays Comicfigur "Little Sammy Sneeze" von 1904. Immer wieder entfährt dem Jungen ein übermächtiger Nieser – natürlich im ungünstigsten Augenblick. Hier zerlegt er einem Uhrmacher das sensible Uhrwerk. Und wird mit einem ordentlichen Tritt vor die Tür gesetzt.

Foto: Alexander Braun Collection / German Academy of Comic Art
14 / 25

Zeichengott: Neben seinen sonstigen Verpflichtungen musste McCay allein 1911 Woche für Woche sieben Episoden von "Midsummer Day Dreams" zeichnen. Ideenlosigkeit, wie er sie in diesem Strip aufs Korn nimmt, konnte sich der Zeichner bei diesem Arbeitspensum gar nicht leisten. Sein Arbeitstag währte bis zu 18 Stunden. Neben seiner Zeitungsarbeit reiste McCay durchs Land und präsentierte seine Kunst in profitablen Bühnenauftritten.

Foto: Nahmias Collection
15 / 25

Die Macht der Träume: Leser und Comicforscher fragten sich oft, warum McCay in seinen Zeichnungen immer wieder ins Land der Träume zurückkehrte. Zwar hatte Sigmund Freud 1900 sein Standardwerk "Die Traumdeutung" veröffentlicht. McCays Interesse für bizarre Welten und auffälliges Verhalten hatte aber wahrscheinlich noch einen anderen Grund. Sein Bruder Arthur litt unter Paranoia und Depressionen. Er starb von der Familie vergessen in einer Anstalt.

Foto: Taschen
16 / 25

Schlummerland ist abgebrannt: Am 12. Juli 1908 war Schluss mit Nemos Abenteuern im Schlummerland. Nemos Freund Flip hat seinen Verwandten "Aurora", die Morgenröte, gebeten, kurzen Prozess mit Schlummerland zu machen. Der Grund: Die Bewohner hatten ihn rausgeschmissen. Doch Nemos Abenteuer in der Welt der Träume hatten damit kein Ende gefunden.

Foto: Taschen
17 / 25

Aufbruch zu neuen Ufern: Jetzt unternahm der kleine Traumtänzer seine Abenteuer in unserer Welt – natürlich traumhaft verklärt. Per Luftschiff stattete Nemo zum Beispiel New York City einen Besuch ab.

Foto: Taschen
18 / 25

Begeisterte Massen: Die Amerikaner feierten den kleinen Nemo frenetisch auf seiner Tour. Ebenso waren viele Leser des "New York Herald" von der Comicfigur begeistert. McCay hatte Nemo für die eher bürgerlich geprägte Leserschaft des "Herald" geschaffen.

Foto: Taschen
19 / 25

Auf zu den Sternen: Schließlich verließ McCay mit "Little Nemo" die gute alte Erde. Der kleine Träumer besuchte den Planeten Mars. McCay nutzte diesen interplanetaren Ausflug zu beißender Gesellschaftskritik.

Foto: Taschen
20 / 25

Schreckensvision: Der Mars ist überbevölkert, die Marsianer müssen Wörter, die sie sprechen wollen, käuflich erwerben, und mancher arme Schlucker schafft es kaum, das Geld für seine Lizenz zum Leben zu erwerben.

Foto: Taschen
21 / 25

Zoo der Unterdrückten: Selbst ein Besuch im Zoo kann Nemo nicht aufheitern. Die Tiere, wie der "Getüpfelte Klotz" werden unterworfen oder angenagelt.

Foto: Taschen
22 / 25

Glückliches Erwachen: Selten wie nie zuvor war Nemo froh, aus einem Traum mit so viel Elend aufzuwachen. Auch wenn jedes Abenteuer am Ende der Seite endete, wenn Nemo aufwacht, bestand der besondere Reiz für die Leser in den fortlaufenden Handlungssträngen der Serie. Der Cliffhanger am Ende eines Teils erzeugte Spannung.

Foto: Taschen
23 / 25

Freundlicher Gruß: Im Ersten Weltkrieg zeichnete McCay unter anderem Werbeplakate für Kriegsanleihen. Vor allem aber unterlegte er Hearsts Leitartikel mit Bildern, wie in dieser Zeichnung, auf der "Uncle Sam" dem deutschen Handelsunterseeboot "Deutschland" viel Glück beim Durchbrechen der britischen Blockade wünscht.

Foto: Alexander Braun Collection / German Academy of Comic Art
24 / 25

Gruß aus der Urzeit: 1908 brachte McCay "Little Nemo" erfolgreich auf den Broadway. 1911 produzierte er schließlich einen Zeichentrickfilm mit dem kleinen Träumer und avancierte so zu einem Pionier dieses Genres. Den größten Erfolg feierte McCay aber mit seinem Zeichentrickfilm "Gertie the Dinosaur" von 1914. Die sympathische Dinosaurierdame erwacht in dem Film zum Leben und unterhält das Publikum mit einigen Kunststückchen.

Foto: Alexander Braun Collection / German Academy of Comic Art
25 / 25

Ausgeträumt: 1914 endete Nemos Abenteuer in der Traumwelt das erste Mal. Winsor McCay wurde vom Zeitungsfürsten William Randolph Hearst in erster Linie für die Illustration seiner Leitartikel gebraucht. 1924 bis 1927 belebte McCay die Serie noch einmal für sein altes Blatt, den "Herald", aber großen Anklang fand Nemo nicht mehr bei den Lesern. Im Januar 1927 erwachte Nemo zum letzten Mal aus einem Traum.

Foto: Taschen
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?