Wir Babyboomer - DER SPIEGEL
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Wir Babyboomer Rendezvous mit dem Klassenfeind

Transit-Terror, Alu-Spielgeld und unerreichbare Ost-Schönheiten: Die obligatorische Berlin-Fahrt war für Jugendliche in den Achtzigern eine Reise hinter die Milchstraße - besonders der Abstecher in den Ostteil. Martin Rupps über ein Lebensgefühl, in das die DDR einfach nicht reinpasste.
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Gruppenbild mit Mauer: Wer ein richtiger Babyboomer ist, war in seinem ersten Lebensdrittel nicht nur am Strand von Milano Marittima, sondern auch an an der Mauer in Berlin. Anders als heute konnte man sich die Stelle, an der man fotografiert werden wollte, noch aussuchen.

Foto: Martin Rupps/Jürgen Schulze
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Staatsorgane der DDR in Ost-Berlin 1987: Als Carsten Gehner 1987 als Westdeutscher einen Tagesbesuch in Ost-Berlin machte, sah er auf meinem Weg zurück zu den Grenzkabinen in den Westen diese Gruppe von Uniformierten. Überraschenderweise stimmten sie zu, ein Foto zu machen.

Foto: Carsten Gennert
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Berlin Alexanderplatz: Das Zentrum Ost-Berlins in den frühen siebziger Jahren. Großstadtflair kam in Ost-Berlin nur auf solchen Schwarzweiß-Fotografien, aufgenommen Nachts und bei Regen, auf. Dann reflektierten die Pfützen die funzelige Straßenbeleuchtung und erzeugten, wenn sich außerdem noch ein paar Trabis und Warburgs stauten, einen Hauch Chicago.

Foto: Das Bundesarchiv/Horst Sturm
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Olympiasiegerin Kati Witt: Die Eiskunstläuferin war die Vorzeigeathletin der DDR und das schönste Gesicht des Realsozialismus. Fast so schön wie das blonde Mädchen an der Kasse des Berliner Doms, fand jedenfalls Martin Rupps.

Foto: Martin Rupps/Getty Images
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Ost-Berliner Bahnhof Friedrichstraße: Besucher aus West-Berlin warten am 4. April 1980 nach ihrer Ankunft am Bahnhof Friedrichstraße im Ostteil der geteilten Stadt auf ein Taxi. Rund 100 000 West-Berliner besuchten allein in jenem Jahr über die Osterfeiertage Verwandte und Bekannte in Ost-Berlin und der DDR. Wer über die Friedrichstraße nach Ost-Berlin kam, machte Bekanntschaft mit dem "Tränenpalast", dem eigens zur Abfertigung von Westlern errichteten Anbau des Bahnofs. Dort begann die DDR für Besucher mit Plastik Buche Dekor, in dem die Kabinen der Grenzpolizei gehalten waren.

Foto: Günter_Bratke/ Martin Rupps/dpa
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Potsdamer Platz: Babyboomer wissen noch, wie der Potzdamer Platz in Berlin einmal Stabheuschrecken, Kröten und DDR-Volkspolizisten ein naturnahes Leben geboten hat. Die Gesamtkomposition war inspiriert von sozialistischen Schönheitsvorstellungen.

Foto: Martin Rupps
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Eingestürzte Kongreßhalle: Die Amerikaner schenkten Berlin eine Kongresshalle, doch leider hat ihr Architekt versagt. Kurz vor meinem ersten West-Berlin-Besuch stürzte das Dach ein und begrub den Hausmeister der Halle unter sich. Die "schwangere Auster", wie sie im Volksmund heißt, wurde wieder aufgebaut.

Foto: Martin Rupps
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Mein erstes halbes Auto: Mein erstes halbes Auto - die andere Hälfte gehört meinem Bruder, der auf dem Bild im Wagen sitzt - war ein Opel Rekord C, Luxus-Ausführung, Baujahr 1972. Der Rekord brachte mich sicher nach West-Berlin und zurück.

Foto: Martin Rupps
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"Gitarren statt Knarren": Udo Lindenberg überreicht dem damaligen SED-Generalsekretär Erich Honecker bei dessen erstem West-Besuch 1987 eine E-Gitarre mit der Aufschrift: "Gitarren statt Knarren". Lindenbergs Song "Mädchen aus Ostberlin" hörte Martin Rupps mit anderen Ohren, seit ihm an der Eintrittskasse des Berliner Doms ein blondes Mädchen mit dem schönsten Gesicht des Sozialismus begegnet war.

Foto: Franz-Peter_Tschauner/ DPA
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Brandenburger Tor: Die Erfindung "DDR" machte es möglich, das Brandenburger Tor frei von Autos (sprich Abgasen) und Menschen (sprich ätzenden Parfum-Gerüchen) zu halten. Babyboomer bei ihrem West-Berlin-Besuch konnten von einer Tribüne aus einen Blick auf das vollgeschützte Bauwerk werfen. Der Eintritt auf die Tribüne war frei.

Foto: Martin Rupps
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Brandenburger Tor 1989: In zehn Monaten sind die 100 Jahre um, die die Mauer nach Aussagen des Staatsratsvorsitzenden der DDR 1988 noch stehen sollte ... Bild passt zum Thema "Rendezvous mit dem Klassenfeind" von Martin Rupps.

Foto: Gerhard Dörries
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Berlin Alexanderplatz: Der "Brunnen der Völkerfreundschaft" auf dem Berliner Alexanderplatz.

Archiv-Nr. 19730900-62-Berlin

Foto: Gerhard Dörries
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?