England in der Einzelkritik Der glücklose Auftritt des Top-Torschützen
Jordan Pickford, Tor: Zeigte früh, dass die Engländer endlich wieder einen modernen Torwart haben, als er einen hohen Ball am Elfmeterpunkt abfing und das Spiel sofort mit einem scharfen Abschlag in die Spitze schnell machte . Anders als im Viertelfinale gegen Schweden, als er drei starke Rettungstaten zeigte, konnte er sich gegen Kroatien nur einmal ernsthaft auszeichnen, als er zum Ende der ersten Hälfte der Verlängerung furchtlos ins Duell mit Mario Mandzukic ging und dessen Ball mit dem Knie abwehrte. Bei beiden Gegentoren ohne Chance.
Kyle Walker, Abwehr (bis 112. Minute): Spielte herrliche lange Bälle auf die Außenpositionen und verdiente sich eine Ehrenmedaille für besondere Nehmer-Qualitäten, als er nach einer guten Stunde einen Schuss von Ivan Perisic, nun ja, mit der Körpermitte blockte. Noch mit Glück, als sein Querschläger keine Folgen hatte. Dann im Pech, als er beim Ausgleich gegen Perisic zu spät kam - und Schiedsrichter Cüneyt Cakir den Karatesprung des Kroaten nicht als gefährliches Spiel einstufte.
Jamie Vardy, Angriff (ab 112. Minute): Kam nach Kroatiens 2:1 als dritter Angreifer und sollte helfen, irgendwie noch den Ausgleich zu erzwingen. Das gelang nicht.
John Stones, Abwehr: War die meiste Zeit ein sicherer Abwehrchef. Gewann viele Zweikämpfe, blockte fast alle Bälle ab und strahlte viel Ruhe aus. Erst ab der Schlussphase der 90 Minuten mit Unsicherheiten. Brachte zum Beispiel seinen Torwart per Rückpass in Bedrängnis. In der Verlängerung doppelt unglücklich. Erst wurde seine Kopfballchance geklärte, dann entwischte ihm Mario Mandzukic vor dem 1:2.
Harry Maguire, Abwehr: Wurde von Trainer Gareth Southgate nach seinem Kopfballtreffer gegen Schweden als "Gigant in beiden Strafräumen" bezeichnet und wurde diesem Ruf auch gegen Kroatien gerecht. Bei eigenen Ecken immer eine Bedrohung für das Tor des Gegners, hinten bis auf wenige Ausnahmen sicher. Hatte Glück, dass es kurz vor der Pause nach seinem Zweikampf gegen Dejan Lovren keinen Elfmeter gab. Im Spielaufbau wichtig mit seiner Gelassenheit.
Kieran Trippier, Mittelfeld: Die WM bringt bei den Engländern in jedem Spiel einen neuen Helden hervor, den man vor dem Turnier nicht in dieser Rolle erwartet hatte. Gegen Schweden war das Maguire, diesmal bewarb sich Trippier früh um den Heldenstatus mit seinem hübschen Freistoßtreffer rechts oben ins Eck. Auch sonst ein Aktivposten auf seinem rechten Flügel. Spielte allerdings beim 1:2 eine unglückliche Rolle, als er das Kopfballduell gegen Vorlagengeber Perisic verlor. War am Ende also eher tragischer Held.
Jordan Henderson, Mittelfeld (bis 97.Minute): War ein starker Verbindungsmann zwischen Abwehr und Angriff. Hielt das Mittelfeld gut zusammen, half viel hinten aus und stand fast immer richtig. In der Schlussphase der 90 Minuten sogar mit einem Torschuss, der allerdings deutlich über das Ziel flog.
Eric Dier, Mittelfeld (ab 97. Minute): Galt bis kurz vor der WM als gesetzt im englischen Mittelfeld, verlor aber kurz vor der Abreise nach Russland seinen Stammplatz an Henderson. Hatte also viel Wut im Bauch und zeigte das, als er gleich nach seiner Einwechselung einen wuchtigen Fernschuss absetzte, der allerdings geblockt wurde.
Ashley Young, Mittelfeld (bis 91. Minute): Seine Ecken waren gefährlich, seine Flankenläufe hatten Wucht. Hinten dagegen mit einer zwiespältigen Vorstellung. Wirkte in einigen Situationen unsicher, zum Beispiel, als er sich Mitte der ersten Halbzeit den Ball von Ante Rebic klauen ließ. Hatte aber auch wichtige Rettungstaten im Programm und nahm kurz vor der Pause mit einer kunstvollen Grätsche in letzter Sekunde Revanche an Rebic.
Danny Rose, Mittelfeld (ab 91. Minute): Fügte sich nach seiner Einwechselung mit einem energischen Lauf ins Zentrum ein und konnte von Rebic nur per Foul gebremst werden. Auch danach engagiert, hatte allerdings das Problem, dass seinen Mitspielern zunehmend die Kräfte ausgingen. Wirkte frustriert, als er nach einem Lauf auf der linken Seite feststellte, dass niemand mitgekommen war.
Jesse Lingard, Mittelfeld: Ließ mit einzelnen Aktionen immer wieder seine Begabung aufblitzen. Steckte den Ball nach einer halben Stunde wunderbar auf Harry Kane durch. Zielte kurz vor der Pause nicht genau genug und setzte seinen Flachschuss von der Strafraumkante knapp neben das Tor. Nach dem Ausgleich bemüht, die Engländer mit seinem Schuss aus spitzem Winkel wieder ins Spiel zu bringen.
Dele Alli, Mittelfeld: War von den Kroaten nicht in den Griff zu bekommen. Das zeigte sich schon früh, als er an der Strafraumkante von Luka Modric gefoult wurde und damit den Freistoß provozierte, der zu Trippiers 1:0 führte. Hatte immer wieder die Füße im Spiel, wenn die Engländer im Angriff gefährlich wurden und arbeitete viel nach hinten mit.
Raheem Sterling, Angriff (bis zur 74. Minute): Rannte viel, jagte die kroatischen Verteidiger und zwang sie so zu Fehlern. Eroberte nach 20 Minuten den Ball gegen Ivan Strinic und hätte selbst den Abschluss suchen sollen, anstatt den im Abseits befindlichen Harry Kane anzuspielen. Ohne die entscheidende Zielstrebigkeit zum Tor und am Ende erschöpft.
Marcus Rashford, Angriff (ab 74. Minute): Übernahm Sterlings Posten im Sturm neben Harry Kane, wirkte gleich sehr präsent wegen seiner Größe und konnte kurz vor Ende der regulären Spielzeit im rechten Halbfeld nur per Foul gebremst werden. Zeigte viel Einsatz, war aktiv, am Ende aber glücklos.
Harry Kane, Angriff: Dürfte mit seinen sechs Toren bester Schütze der WM werden, hatte aber - ausgerechnet! - im wichtigsten Spiel kein Glück. Kam nach Sterlings Ball-Klau in der 20. Minute zum ersten Mal vor das Tor der Kroaten und scheiterte nach einer halben Stunde aus spitzem Winkel auf rätselhafte Weise an Torwart Danijel Subasic. Beide Aktionen wurden allerdings nachträglich wegen Abseits abgepfiffen. Kurz vor Ende der 90 Minuten mit einem guten Kopfball aber eben neben das Tor.