Historische WM-Gruppen Wenn das Los entscheidet
In der Gruppenphase der WM 1970 lagen die Sowjetunion und Mexiko am Ende gleichauf. Beide hatten eine Tordifferenz von plus fünf. Dass die Sowjetunion (6:1) dabei treffsicherer als Mexiko (5:0) war, spielte zu dieser Zeit noch keine Rolle. Dennoch entschied das Los für sie. Die Regel, dass mehr geschossene Tore bei gleicher Tordifferenz einen Ausschlag geben, wurde erst zur WM 1974 eingeführt.
Auch 1990, bei der WM in Italien, wurde noch gelost - mit Folgen für die Niederlande. In der Gruppe F lagen sie mit Irland punkt- und torgleich auf Platz zwei, rutschten aber nach verlorenem Losentscheid auf Platz drei.
Das bedeutete zwar immer noch ein Weiterkommen, allerdings auch ein Aufeinandertreffen mit dem späteren Weltmeister Deutschland. Sie kennen die Geschichte.
Bei der WM 1994 kam der direkte Vergleich zum Tragen. Das erste Team, das davon profitierte, war Bulgarien. Die Bulgaren lagen mit Argentinien nach Punkten und Tordifferenz gleichauf, hatten das direkte Aufeinandertreffen jedoch 2:0 gewonnen. Tsanko Tsvetanov (l.) und sein Team schafften es als Zweiter in die nächste Runde. Argentinien kam als bester Gruppendritter ebenfalls weiter.
Es war nicht der einzige direkte Vergleich in diesem Turnier. In der Vorrunden-Gruppe E wurde es besonders kurios, wie Mexikos Hugo Sanchez hier symbolisch mit einem Kopfstand verdeutlicht. Alle Teams hatten am Ende vier Punkte und eine gleiche Tordifferenz - daher musste tiefer gegraben werden, um eine Entscheidung herbeizuführen.
Die Regel, dass bei gleicher Tordifferenz mehr geschossene Tore den Ausschlag geben, bedeutete den Gruppensieg für Mexiko (3:3) und den letzten Platz für Norwegen (1:1). Irland und Italien lagen nach dieser Wertung gleichauf (2:2), jedoch hatte Irland das direkte Aufeinandertreffen beider Teams 1:0 gewonnen. Italien kam als Dritter aber ebenfalls weiter und scheiterte erst im Finale an Brasilien.
Wenn schon verrückt, dann richtig: Auch in der Gruppe F der WM 1994 lagen die Niederlande, Saudi-Arabien und Belgien mit jeweils sechs Punkten und einer Tordifferenz von plus eins gleichauf. Da Marokko mit null Punkten auf dem letzten Platz lag, ging es lediglich um die Platzierung. Belgien wurde wegen der weniger geschossenen Tore Dritter, bei den Niederlanden und Saudi-Arabien lagen trotz der exakt gleichen Tordifferenz die Europäer vorn, da sie das direkte Aufeinandertreffen 2:1 gewonnen hatten.
Und noch mal zurück in der Geschichte: Bei der Weltmeisterschaft in Schweden gab es noch Entscheidungsspiele um das Weiterkommen in der Gruppe. Hier bezwang Nordirland die Tschechoslowakei knapp 1:0 und wurde zweiter in der Gruppe eins hinter Deutschland.
Ungarn schied nach dem verlorenen WM-Finale 1954 beim nächsten Turnier bereits in der Vorrunde aus, nachdem sie das Entscheidungsspiel gegen Wales verloren hatten. Die Briten zogen durch den Erfolg ins Viertelfinale ein, wo sie nur knapp dem späteren Weltmeister Brasilien unterlagen.
Ein anderes britisches Team hatte weniger Erfolg: England musste in der Gruppe vier zum entscheidenden Duell gegen die Sowjetunion antreten und unterlag 0:1. Als Gruppenzweiter zog die UdSSR ins Viertelfinale ein und scheiterte an Gastgeber und späterem Finalist Schweden.
Auch für Deutschland führte der Weg zum ersten Weltmeistertitel über ein Entscheidungsspiel: Bei der WM 1954 musste das Team von Sepp Herberger in der Gruppe zwei zum Duell mit der Türkei antreten und siegte 7:2.
Auch in der Gruppe vier wurde der zweite Platz mit einem Entscheidungsspiel ermittelt. Gastgeber Schweiz warf Italien durch ein 4:1 aus dem Turnier.
1954 war der Turnier-Modus noch etwas anders als heute: Jugoslawien hatte sich im ersten Spiel 1:0 gegen Frankreich durchgesetzt, Brasilien gewann sein Spiel 5:0 gegen Mexiko. Danach wurde der Gruppensieger in einem Entscheidungsspiel ermittelt. Nach Toren von Didi für Brasilien und Branko Zebec für Jugoslawien stand es nach 90 Minuten noch 1:1 und auch die Verlängerung brachte keinen Sieger. Das Los entschied und Jugoslawien wurde Sieger der Gruppe eins.
Auch in Gruppe drei entschied das Los, dabei hatten Österreich und Uruguay zuvor gar nicht gegeneinander gespielt, da beide Teams gesetzt waren und jeweils gegen Schottland und die Tschechoslowakei antreten mussten. Österreich setzte sich gegen Uruguay sowohl im Losentscheid durch als auch später im Turnierverlauf, als beide Teams im Spiel um Platz drei wieder aufeinandertrafen.