Fotostrecke Der Sängerknabe und der Magier
Elf Jahre alt, blond, klein: So sah die Losfee für ein Stück Fußballgeschichte aus. Besser gesagt: So sah das Glückskind aus. Der Schöneberger Sängerknabe Detlef Lange sorgte am 5. Januar 1974 für die Sensation der Auslosung zur Weltmeisterschaft in Deutschland. In die Gruppe I mit der "BR Deutschland" zog Lange die DDR. Was bei der Endrunde passierte, ist bekannt: Jürgen Sparwasser schoss die DDR zum 1:0-Sieg. Im wahren leben arbeitete Lange übrigens später in einem Baumarkt.
Schwarze Tafeln, links stehen die Gruppen, rechts der Spielplan: So sah die WM-Auslosung 1966 für das Turnier in England aus. Es war eine Premiere, erstmals wurde eine Auslosung im Fernsehen übertragen. Schon damals verstand die Fifa, wie medienwirksame Inszenierungen gelingen. Das Ziel hier: Das damals noch neue Massenmedium sollte das Interesse für das Großereignis anheizen. Seither gehört die TV-Übertragung einer WM-Auslosung zum Turnier wie das Wembley-Tor zur WM 1966.
Kurios war die Auslosung zur WM 1982 in Spanien. Was war passiert? In Madrid wurden die Kugeln von automatischen Trommeln ausgespuckt, wie man sie von der Ziehung der Lottozahlen kennt. Das Ergebnis war ein komplettes Chaos: Belgien rutschte aus unerfindlichen Gründen in die falsche Gruppe, Schottland auch, die Auslosung musste unterbrochen werden. Seitdem setzt man wieder auf echte Handarbeit.
Berühmte Glücksfeen dürfen bei einer WM-Auslosung nicht fehlen: Hier reicht Ex-Fifa-Präsident Sepp Blatter (hier noch als Fifa-Generalsekretär) der italienischen Schauspielerin Sophia Loren die Loskugel (WM 1990 in Italien). Prominenz aus der Welt der Schönen sollte auch in den Jahren danach die Auslosungsbühne bereichern.
Dürfen wir vorstellen: Model Heidi Klum durfte bei der WM-Auslosung 2006 im tief dekolletierten Kleid auf die Bühne, an ihrer Seite stand ARD-Moderator Reinhold Beckmann.
WM-Auslosung bedeutet auch: Bühne frei für das Turniermaskottchen. Während die Macher der Russland-WM 2018 auf Wolf Zabivaka als Glücksbringer setzen, ruhten die Hoffnungen der deutschen Organisatoren (WM 2006) auf den hosenlosen Löwen Goleo VI. Immer an seiner Seite: Pille, Goleos sprechende Begleiter in Form eines Fußballs.
Heidi Klum, Löwe Goleo, einer geht noch: Das Rahmenprogramm zur WM-Auslosung 2006 komplettierte der niederländische Zauberkünstler Hans Klok. Ob noch eine Clownsshow für diesen Abend geplant war, ist nicht bekannt.
Die "Men in Black" mit eisernen Blicken: Lothar Matthäus und der spanische Top-Verteidiger Fernando Hierro verliehen der WM-Auslosung 2014 wieder mehr Seriosität. Ohnehin gilt: Wenn die Lose gezogen werden, schlägt die Stunde der Ex-Stars. Brasiliens Pelé gilt als Stammgast.
32 Teilnehmer, vier Lostöpfe, jeweils acht Mannschaften, die stärksten Teams befinden sich in den ersten Töpfen: So funktioniert das Verfahren ganz grob. Anders als bei der WM 2014 entscheiden diesmal nicht regionale Kriterien, welche Teams in den Töpfen 2-4 landen.
Na, ist die Kugel auch schön warm, Zinédine Zidane? Wenn die Lose gezogen werden, kursieren gerne Verschwörungstheorien über vorgewärmte Kugeln (warme Kugeln sollen demnach Wunschgegner sein). Der Fifa-Wettbewerbsleiter Chris Unger hat im Vorfeld der Auslosung im Kreml versichert, es gäbe "keine vorgewärmten Kugeln". Die Auslosung für das Turnier in Russland sei "komplett zufällig". Wir glauben das einfach mal.
"Franz, beeil dich, mir ist kalt!" Ob der Dialog zwischen Franz Beckenbauer und Sepp Blatter so ging, ist nicht bekannt. Das Besondere an der WM-Auslosung 1998 war ohnehin ein anderer Fakt: Erstmals in der Geschichte fand die Auslosung in einem Fußballstadion statt. An einem kalten Wintertag, vor 38.000 Zuschauern im Stade Velodrome von Marseille. Brr.