WM-Skandale Spucken, pöbeln, prügeln
Der berühmteste Fußballfinger: Im WM-Vorrundenspiel 1994 in Dallas gegen Südkorea zeigte Stefan Effenberg dem Publikum den Stinkefinger, als die Fans "Effe" auspfiffen. Der Mittelfeldspieler schickte nach seiner Auswechslung den nonverbalen Gruß gen Tribüne. Bundestrainer Berti Vogts ging das entschieden zu weit - er schickte das Enfant terrible vorzeitig nach Hause.
Später vermarktete Effenberg seine berühmte Geste geschickt - und stellt sie, wie auf diesem Foto, noch einmal lächelnd nach.
Das Foul nach dem Foul: Der Niederländer Frank Rijkaard bespuckt Rudi Völler beim WM-Spiel Holland gegen Deutschland am 24. Juni 1990. Zuvor waren die Spieler in einem rüden Spiel mehrmals aneinandergeraten - und schließlich beide vom Schiedsrichter vorzeitig zum Duschen geschickt worden. Wütend entwickelte Rijkaard danach richtige Lama-Qualitäten - Grund genug für die "Bild"-Zeitung noch 14 Jahre später von einem "Fußball-Krieg" zu schreiben, als beide Teams bei der EM 2004 erneut aufeinandertrafen.
Der doppelte Totti: Der italienische Superstar Francesco Totti, links, könnte sich Rijkaards Spuckattacke als Vorbild genommen haben, als er mit Christian Poulsen während der EM 2004 aneinandergeriet - Totti durfte nach seinem feuchten Angriff nicht weiter am Turnier teilnehmen. "Ich erkenne mich auf diesen TV-Bildern gar nicht wieder", sagte der Sünder nach seinem Ausraster und fügte etwas ratlos hinzu: "Das ist nicht der echte Francesco, das war ein anderer."
Majestätsbeleidigung: Uli Stein musste bei der WM 1986 vorzeitig die Koffer packen. Der Grund: Der Torwart, unzufrieden mit dem Reservistendasein hinter Toni Schumacher, nannte seinen Trainer Franz Beckenbauer, den "Kaiser", einen "Suppenkasper". Der habe eine "Gurkentruppe" zusammengestellt, wütete Stein weiter. Der DFB zog die Konsequenzen - und beendete Steins DFB-Laufbahn nach nur sechs Länderspielen. Das Bild zeigt Uli Stein beim Training am 13. Juni 1985 in Mexiko-Stadt.
Eklat vor Tunierstart: Lothar Matthäus sorgte schon vor der EM 1996 für einen Eklat, als er via "Bild"-Zeitung gegen seinen Intimfeind Jürgen Klinsmann stänkerte und in einem "geheimen Tagebuch" Interna ausplauderte. Bundestrainer Berti Vogts war not amused und berücksichtigte den Weltmeister von 1990 nicht bei der EM.
Das Bild zeigt Matthäus nach einem enttäuschenden 0:0 des FC Bayern gegen den SC Freiburg am 16. November 1996.
Sportlicher Selbstmord: Verteidiger Christian Wörns beraubte sich seiner letzten theoretischen WM-Chancen, als er Bundestrainer Jürgen Klinsmann am 4. Mai 2006 in der "Bild"-Zeitung als "unehrlich und link" beschimpfte. Der Skandal war perfekt - und die Karriere des 66fachen Nationalspielers im DFB-Dress beendet.
Fußball-WM 1974: Da liegen sich der Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, Franz Beckenbauer (links) und Trainer Helmut Schön überglücklich in den Armen, nachdem sich die deutsche Fußballnationalmannschaft mit einem 2:1-Sieg über die Niederlande im Endspiel der Fußball-WM am 7. Juli 1974 im Münchner Olympiastadion den zweiten Titel - nach fast genau 20 Jahren - gesichert hatte. Dabei ...
... stand der Erfolg im Vorfeld durchaus auf der Kippe: Denn Franz Beckenbauer, Günter Netzer und Paul Breitner drohten damit, die WM im eigenen Land zu boykottieren, weil der DFB nur eine Prämie von 30.000 Mark für jeden Spieler zahlen wollte. Bundestrainer Helmut Schön stand wegen der Prämien-Debatte schon kurz vor dem Rücktritt. Letzlich einigte man sich auf 70.000 Mark - und Deutschland wurde Weltmeister.
Das Foto zeigt die WM-Eröffnungsfeier im Frankfurter Waldstadion.
Rücktrittschaos: Seine togoischen Spieler brachten den deutschen Trainer Otto Pfister - hier beim WM-Training am 15. Juni 2006 in Wangen, Allgäu - schier zur Verzweiflung. Weil diese ihre noch ungeklärten Prämienzahlungen für das Erreichen der WM per Boykott durchsetzen wollten, trat Pfister zurück. Die Fifa vermittelte, und Pfister trat von seinem Rücktritt zurück. Es half wenig: Seine Mannschaft verlor alle drei Vorrundenspiele.
Skandalstürmer: Der französische Fußballspieler Nicolas Anelka kommt am 21. Juni 2010 am Flughafen Heathrow in London an - für ihn ist die WM in Südafrika zu Ende, nachdem er sich zu einer obszönen Bemerkung gegenüber Trainer Raymond Domenech hatte hinreißen lassen. In der Halbzeitpause beim Spiel gegen Mexiko (Frankreich verlor 0:2) hatte der Trainer seinen Stürmerstar kritisiert. Nach Anelkas Rausschmiss boykottierte die französische Mannschaft das Training - und löste damit fast eine Art Staatskrise in Frankreich aus.
Kulinarische Freveltat: Ex-Bundestrainer Berti Vogts, Nationaltrainer Aserbaidschans, feuerte 2009 kurz vor einem WM-Qualifikationsspiel gegen Russland seinen Verteidiger Ilgar Gurbanow. Der hielt offenbar Burger für so gesund wie Frischobst - und weigerte sich partout, auf amerikanisches Fast Food zu verzichten.
Das Foto zeigt den Verteidiger am 13. Oktober 2004 in Baku beim WM-Qualifikationsspiel gegen England.
Faustkampf im Stadion: Bei der WM 1962 gingen die Italiener, positiv ausgedrückt, derart überambitioniert zu Werke, dass es die erste Rote Karte schon nach sechs Minuten gab. Das wohl ruppigste Spiel der WM-Historie gegen Gastgeber Chile eskalierte total, nahm teilweise Züge eines Faustkampfes an - während der Partie brach ein Chilene einem Italiener die Nase. Die Partie wurde in der 88. Minute vorzeitig abgepfiffen.
Auf dem Bild verweist Schiedsrichter Ken Aston gerade den italienischen Spieler Mario David vom Platz, ein chilenischer Fußballer liegt verletzt am Boden.
Irlands Anelka: Der Ire Roy Keane wurde unmittelbar vor dem ersten WM-Spiel 2002 frühzeitig nach Hause geschickt, nachdem er den Nationalcoach Mick McCarthy als "beschissnes Weichei" beleidigt hatte. "Ich habe von dir als Spieler nichts gehalten und ich halte von dir als Trainer und als Person auch nichts", wütete Keane. "Schieb dir doch die WM in den Arsch."
Hollands Provokateur: 1988, nach dem gewonnenen EM-Halbfinale gegen Deutschland (2:1) in Hamburg, wischte sich Ronald Koeman von Holland mit dem Trikot des deutschen Nationalspielers Olaf Thon symbolisch den Hintern ab - die Zuschauer waren entrüstet, die Boulevardpresse tobte. Für sein rüpelhaftes Verhalten entschuldigte sich Koeman später. Das Bild zeigt ihn 1992 beim Europameisterschafts-Spiel gegen Dänemark in Schweden.
Gestürzter Fußballgott: Diego Maradona steht im Visier der Medien, als bei ihm nach dem WM-Spiel gegen Nigeria am 25. Juni 1994 das Dopingmittel Ephedrin gefunden worden war. "Sie haben mir die Beine abgeschnitten", jammerte Maradona, weil er mit einer 15-monatigen Sperre für seinen Dopingmissbrauch bestraft wurde. Es war das Ende seiner Karriere in der Nationalmannschaft.
Fußballzauber: Das Fußball-Halbfinale 2002 zwischen Kamerun und Mali beim Afrika-Cup begann mit einem ungewöhnlichen Eklat. Der Torwarttrainer Kameruns durfte das Spiel nicht sehen. Die örtliche Polizei warf ihm vor, vor dem Spiel das Stadion mit magischem Pulver verhext zu haben. Als Beweismittel für die angeblich unfairen Methoden diente ein im Stadion gefundenes Amulett. Der deutsche Nationaltrainer Kameruns, Winnie Schäfer, protestierte und drohte mit einem Spielboykott - prompt wurde Schäfer für das Finale gesperrt.
Frühes Aus: Erst hatte er in einer Nacht 2009 den Zapfenstreich überzogen, zu viel getrunken, bis in die Morgenstunden gefeiert. Dann war er auch noch mit einem Spielerkollegen heftig aneinandergeraten - für Nationalcoach Slaven Bilic genügend Gründe, Josip Simunic aus dem Nationalkader zu schmeißen. Und das unmittelbar vor einem wichtigen WM-Qualifikationsspiel. Simunic bestritt die Vorwürfe.
Auf dem Foto zeigt Schiedsrichter Graham Poll Simunic während des WM-Spiels Kroatien gegen Australien am 22. Juni 2006 in Stuttgart die Rote Karte.