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Sportpalastrede "Wollt ihr den totalen Krieg?" - "Jaaa!"

Es war der größte Moment des kleinen Einpeitschers. Kurz nach der Niederlage von Stalingrad forderte Joseph Goebbels vor 75 Jahren den "totalen Krieg". Dem Nazi-Chefdemagogen ging es vor allem um seinen eigenen Ehrgeiz.
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Giftzwerg Goebbels: Der Reichspropagandaminister der Nationalsozialisten (hier auf einer Aufnahme von 1934) putschte 1943 im Berliner Sportpalast 15.000 Menschen mit einer demagogischen Ansprache auf, zwei Wochen nach der Katastrophe von Stalingrad. Seine Forderung nach einem "totalen Krieg" sollte vor allem seinen persönlichen Ehrgeiz befriedigen.

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Bestellte Claqueure: 15.000 Zuschauer füllten den Berliner Sportpalast bis auf den letzten Platz, als Propagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar 1943 dort seine berüchtigte Rede hielt. Sie gipfelte in der rhetorischen Frage: "Wollt ihr den totalen Krieg?" Mit seinem demagogischen Geschick versetzte er das Publikum in eine Massenhypnose: Die von den Parteiorganisationen der NSDAP herangekarrten Zuhörer sprangen von ihren Sitzen auf und schrien euphorisch "Jaaa!"

Foto: Das Bundesarchiv/ Ernst Schwahn
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Die große Stunde des Propagandaministers: Goebbels peitschte das Publikum im Sportpalast zu stürmischem Beifall auf und verwandelte die Massenveranstaltung in einen Hexenkessel. In seiner fast zwei Stunden dauernden Ansprache arbeitete er mit allen Requisiten der Massensuggestion. Mal sprach er beschwörend, mal höhnte er über die "bürgerlichen Zimperlichkeiten" vieler "Volksgenossen"; seine Stimme war mal monoton, mal klang sie schrill und überschlug sich fast.

Foto: ullstein bild
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Nach der Katastrophe von Stalingrad: 16 Tage vor der Sportpalast-Rede hatte die wochenlang in Stalingrad eingekesselte 6. Armee kapituliert. 150.000 deutsche Soldaten waren in den Kämpfen gefallen, mehr als 100.000 marschierten in langen Kolonnen in sowjetische Kriegsgefangenschaft; die letzten deutschen Kriegsgefangenen, die das überlebt hatten, kehrten 1955 und Anfang 1956 heim. Das NS-Regime unternahm eine seiner größten Propaganda-Aktionen, um die Ernüchterung des Volkes zu überwinden.

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Keine Reaktion auf Casablanca: Manche Historiker interpretierten Goebbels' Forderung nach dem "totalen Krieg" als Antwort auf die von US-Präsident Franklin D. Roosevelt und dem britischen Premier Winston Churchill geforderte "bedingungslose Kapitulation" Deutschlands. Dieses Kriegsziel der Alliierten hatten die beiden Politiker zum Abschluss ihrer Konferenz in Casablanca am 24. Januar 1943 verkündet, dreieinhalb Wochen vor der Sportpalast-Rede. Doch Goebbels hatte sich bereits seit der Jahreswende 1941/42 bei Hitler und anderen NS-Spitzenfunktionären für eine "Radikalisierung des Krieges" eingesetzt.

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Der "Führer" und sein Paladin: Kaum ein anderer NS-Spitzenpolitiker zeigte sich gegenüber Hitler so unterwürfig wie der ehrgeizige Joseph Goebbels. In einer totalen Mobilisierung aller Kräfte für einen Krieg im neuen Stil witterte der Propagandaminister seine persönliche Chance, die Führung an der "Heimatfront" zu übernehmen.

Foto: UIG via Getty Images
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In großer Pose: Erfreut notierte Goebbels (hier bei einer Ansprache 1941) nach einer Begegnung mit Hitler, dieser habe "auf das Schmeichelhafteste" über seine Sportpalast-Rede gesprochen und sie als "ein psychologisches und propagandistisches Meisterwerk" bezeichnet.

Foto: AP
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Kriegsplaner: Im Sommer 1942 waren die deutschen Truppen tief in die Sowjetunion eingedrungen. Hitler und seine Generäle waren vom Sieg über die Rote Armee überzeugt, als sie sich am 1. Juni 1942 im Hauptquartier der Heeresgruppe Süd in Poltawa (Ukraine) versammelten. Mit dabei war General Friedrich Paulus (2. von rechts am Kartentisch). Er kapitulierte am 2. Februar 1943 entgegen der Weisung Hitlers, "bis zu letzten Patrone" zu kämpfen, mit den Resten seiner Armee in Stalingrad und ging mit seinen Soldaten in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

Foto: ullstein bild
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Familienpropaganda: 1942/43 konnte Goebbels kaum noch Kriegserfolge melden. Nun setzte er immer häufiger seine Familie in Szene, um der Bevölkerung Siegeszuversicht zu vermitteln. Allein 1942 waren seine sechs Kinder 34 Mal in den von ihm dirigierten Wochenschauen zu sehen. Während die deutsche 6. Armee in Stalingrad eingekesselt war und sich die Katastrophe abzeichnete, besuchte Goebbels im Dezember 1942 mit seinen Kindern den Weihnachtsmarkt der Hitlerjugend im Berliner Lustgarten.

Foto: SZ Photo
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Nazi-Propaganda: Der frenetische Jubel des ausgesuchten Sportpalast-Publikums über die Goebbels-Rede wurde vom Parteiorgan "Völkischer Beobachter" wie von der gleichgeschalteten Presse als "Volksentscheid für den totalen Krieg" ausgegeben. Die Fernausgabe des "Völkischen Beobachters" erschien mit der aus der Rede entlehnten Schlagzeile "Nun, Volk, steh auf und Sturm brich los!"

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Gegenpropaganda: Ein Jahr nach Goebbels' Sportpalast-Rede warf die US Air Force im Rahmen ihrer psychologischen Kriegsführung über deutschen Städten Flugblätter ab, in denen die Bevölkerung zum Widerstand gegen das Regime aufgerufen wurde. "Der totale Krieg, den die Nazis wollten", hieß es darin, werde "mit immer stärkerer Wucht und Wirkung fortgeführt (...), bis Deutschland bedingungslos kapituliert".

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Auf der Rückseite war auszugsweise eine Rundfunkbotschaft von US-Präsident Franklin D. Roosevelt abgedruckt.

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Mehrzweckhalle: Der Sportpalast an der Potsdamer Straße in Berlin-Schöneberg wurde am 17. November 1910 eröffnet. Der Komponist Richard Strauss dirigierte bei der Feier Beethovens 9. Sinfonie. Die zunächst "Hohenzollern-Sport-Palast" genannte Halle sollte für sportliche Großveranstaltungen ebenso dienen wie für musikalische Revuen und politische Kundgebungen.

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Attraktion: Die Kunsteisbahn im Sportpalast war mit einer Fläche von 2500 Quadratmetern seinerzeit die größte der Welt. Sie verhalf Sportarten wie Eishockey und Eiskunstlauf zu großer Popularität.

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Faustkämpfer-Arena: Auch große Boxkämpfe fanden im Sportpalast statt. Hier kämpften Max Schmeling und der britische Boxer Jack Stanley am 7. Januar 1927. Stanley ging in der achten Runde zu Boden, Schmeling wurde Sieger durch K.o.

Foto: akg-images
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Tradition: Ab 1911 wurde alljährlich - in manchen Jahren sogar zweimal - im Sportpalast das Berliner Sechstagerennen ausgetragen. Berühmt ist der "Sportpalastwalzer", der bei solchen Gelegenheiten gepfiffen wurde. Das Bild zeigt die Radsportler kurz vor dem Start zum 27. Sechstagerennen im Februar 1932.

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Wiederaufbau und Abriss: Genau elf Jahre nach Hitlers "Machtergreifung" wurde der Sportpalast am 30. Januar 1944 ausgebombt. Nach dem Krieg wurde die Halle in stark vereinfachter Form wiederhergestellt. Am 13. November 1973 wurde das Gebäude jedoch abgerissen und machte Platz für das "Pallasseum", eine riesige zehnstöckige Wohnanlage im Rahmen des Sozialen Wohnungsbaus. Die Aufnahme zeigt den Sportpalast kurz vor dem Abriss.

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Erinnerungsort: Eine Gedenktafel am Gebäude Potsdamer Straße 172 erinnert an die wechselvolle Geschichte des Berliner Sportpalasts. Besonders hingewiesen wird auf Goebbels' Rede am 18. Februar 1943.

Foto: CC BY-SA 3.0 OTFW
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Der oberste Demagoge und Diffamierer der Nazis hielt seinem "Führer" bis zuletzt die Treue. Goebbels zog mit seiner Familie noch kurz vor Kriegsende in den Führerbunker ein, war am 29. April 1945 Trauzeuge Hitlers bei der Eheschließung mit Eva Braun. Am 1. Mai ließen die Eltern ihre sechs Kinder dort mit Zyankali ermorden (möglicherweise gaben sie es ihnen selbst) und nahmen selbst das tödliche Gift.

Foto: ASSOCIATED PRESS
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