ZDF: Die Champions-League-Erklärer - DER SPIEGEL
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ZDF Die Champions-League-Erklärer

Ab 2012 wandert die Champions League wieder ins öffentlich-rechtliche Fernsehen. Das ZDF hat die Free-TV-Rechte erworben und gibt dafür geschätzte 54 Millionen Euro pro Saison aus. Das rentiert sich aber nur, wenn auch die richtigen Leute moderieren. SPIEGEL ONLINE stellt die Wunschliste dafür zusammen.
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Das ZDF und die Champions League - das soll ab 2012 zusammenpassen. Das ist dem öffentlich-rechtlichen Sender angeblich 54 Millionen Euro pro Saison wert. Selbstverständlich ging es bei dem Coup, Sat.1 die Rechte weggeschnappt zu haben, aber nicht zuerst um Geld, sondern um das "bessere Sendekonzept", wie ZDF-Sprecher Walter Kehr in vorbildlicher Ausübung seiner Pflicht kundgetan hat. Zum Sendekonzept gehört in vorderer Front das präsentierende Personal - und dieses dürfte die Uefa auch am ehesten überzeugt haben, den Zuschlag für die Free-TV-Spiele nach Mainz zu geben. Das ZDF-Personal ist ja jetzt schon quasi Champions League, trotzdem hat SPIEGEL ONLINE noch ein paar Wünsche für das Moderatorenteam offen.

Foto: Tobias Hase/ picture alliance / dpa
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Na klar, Kathrin Müller-Hohenstein, KMH, ein Muss für die kommenden europäischen Aufgaben der Sportredaktion. Hat bei der Nationalelf mittlerweile genug Erfahrung gesammelt, Gäste (also Löw) an- und wegzulächeln. Die Königsklasse fehlt ihr allerdings noch. Dort zu moderieren, wäre für sie zweifellos ein innerer Champions-League-Spieltag. Ihr Partner....

Foto: ddp
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...Oliver Kahn müsste dem ZDF auch unbedingt erhalten bleiben. Immer weiter, immer weiter. Kahn hat die Trophäe als Spieler schon in der Hand gehabt. Er weiß, wie sich das anfühlt und dass man immer 120 Prozent geben muss, um dahin zu kommen. In Sachen Moderation ist er mittlerweile bei ungefähr 65 Prozent angekommen. Niemals aufgeben. Kein Wunder, dass es umgehend Lob vom FC Bayern für den ZDF-Deal gab. Solange Kahn beschäftigt ist, kommt er auf keine dummen Gedanken.

Foto: ZDF
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Wenn KMH moderiert, müsste auch JBK reumütig auf den Lerchenberg zurückkehren. Johannes B. Kerner ist dereinst auch zu Sat.1 gewechselt, um die große europäische Fußballbühne zu bespielen. Das kann er bei Sat.1 zwar weiter in der Europa League tun, wenn Mainz 05 gegen Metalurgs Donezk antritt, aber das stellt Kerner möglicherweise nicht zufrieden. Außerdem hat er noch vor kurzem betont, dass "Sportreporter meine eigentliche Leidenschaft" sei. Seine Ausflüge in die Politik-Berichterstattung sind denn auch zuletzt von weniger Erfolg gekrönt gewesen. Das gilt letztlich auch für seinen Gesprächspartner.

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa
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JBK ist ein alter ZDF-Hase. Er hat schon auf allen Trainerbänken der Welt Probe gesessen - genau der Richtige für ein Endspiel 2013 Hannover 96 gegen den FC Barcelona. Seinen Daily Talk hat beim ZDF zwar mittlerweile Markus Lanz geerbt, aber der Sender könnte Kerner optional die Moderation des "Fernsehgartens" anbieten. Seine Tafelrunde aus früheren ZDF-Sport-Zeiten...

Foto: dapd
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...dürfte er dabei allerdings nicht mehr zusammengecastet bekommen. Urs Meier ist vermutlich irgendwo beim Reden in den Katakomben des ZDF-Sendezentrums eingenickt und gilt seitdem als verschwunden. Und Volkstribun Jürgen Klopp dürfte an den Champions-League-Abenden künftig anderweitig beschäftigt sein, als Kringel auf den Taktikbildschirm zu malen. Dabei hat Klopp beste Erfahrungen mit Mainz. Als Spieler, als Trainer, als TV-Experte - wenn einer zum Mainzelmännchen taugt, dann ja wohl Klopp. Ein Trainer wie geschaffen für ein Massenmedium, mit lockeren Sprüchen...

Foto: A3397 Gero Breloer/ dpa
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...und ohne Berührungsängste. Was einem Engagement beim ZDF allerdings zusätzlich entgegensteht: Klopp war zuletzt bei der privaten Konkurrenz RTL gebunden und durfte bei der Fußball-WM mit einem 34-Tonner den Fachmann geben. So wie RTL den Champions-League-Deal des ZDF kritisiert hat, kann man sich nicht recht vorstellen, dass der Sender ein solches Zugpferd der Konkurrenz freiwillig überlässt.

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Wenn Klopp nicht kann, kann/muss Thomas Tuchel einspringen. Der Coach ist schließlich Klopp-Nachfolger in jeder Beziehung: Als 05-Coach, als junger Wilder, als Dreitagebart. Beide pflegen zudem seit jeher eine herzliche Beziehung zum Schiedsrichter, was bei Klopp in der Kerner-Runde...

Foto: dapd
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...zu teilweise schweren menschlichen Verwerfungen zwischen ihm und Urs Meier führte. Meier: "Wer so etwas erzählt, hat keine Ahnung vom Fußball." Klopp: "Wer nicht kicken kann, wird Schiedsrichter." Meier: "Du betrachtest alles nur aus der Trainerperspektive." Schlussendlich.

Foto: DDP
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Der ist gesetzt: Michael Steinbrecher hat bei Westfalia Herne gekickt in einer Zeit, in der der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet fast ans Tor zur Champions League angeklopft hat. Keiner versteht die menschliche Seele eines Fußballers besser, keiner kann sich tiefer einfühlen. Wir dürfen uns auf seine Dokumentation freuen "Mourinho - doch ein Mensch?", "Messi von unten", "Rangnick, der sanfte Rebell", "Cristiano Ronaldo - einmal ungeschminkt".

Foto: ZDF
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Wobei das ZDF auch noch andere Trümpfe im Ärmel hat. Rudi Cerne zum Beispiel - die Stunde des "Aktenzeichen xy"-Moderators dürfte kommen, wenn die ersten Wettbetrügereien in der Champions League ans Tageslicht kommen. Bis dahin konzentriert er sich auf die Suche nach Urs Meier.

Foto: JOEL SAGET/ AFP
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Noch einer, der alles moderieren kann: Wolf-Dieter Poschmann ist Gastgeber im Aktuellen Sportstudio, er kennt sich mit Eisschnelllauf aus, er hat schon den Paderborner Osterlauf moderiert, die Gala zur Wahl des Sportlers des Jahres auch - so einer wird doch wohl auch Fußball können. Hat man sich beim ZDF irgendwann offenbar so gedacht. Seitdem kommentiert er live. Champions League? Eine ganz leichte Übung für den Profi. Er muss sich nur noch rasch ein bisschen einlesen, wir empfehlen das Kicker-Sonderheft.

Foto: Alexander Hassenstein/ Bongarts/Getty Images
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Der Platzhirsch: Bela Rethy hat zwar auf der nach oben offenen Jörg-Dahlmann-Dezibel-Skala in den vergangenen Jahren ordentlich zugelegt, ist aber immer noch unbestritten die Nummer eins beim ZDF. Champions-League-Finale - das geht nur über ihn. Hauptsache, das Bild fällt nicht wieder aus. Dann könnte nämlich auffallen, dass Radiomachen eine ganz besondere Kunst ist, die man als Fernseh-Größe nicht eben so nebenbei erledigen kann. Und nach dem Abpfiff geht es aufs Spielfeld, wo...

Foto: Bodo Marks/ picture alliance / dpa
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...Pensionär Rolf Töpperwien sich angesichts der neuen Marktlage noch einmal hat bequatschen lassen. Der Rücktritt vom Rücktritt - er kennt das von seinem alten Rentnerkollegen Otto Rehhagel. Gemeinsam haben sie beschlossen, dass Otto kurz vor dem Endspiel Hannover 96 übernimmt, für ein siegreiches Spiel gegen Barcelona betreut und dann ausschließlich Töpperwien das Exklusiv-Interview erhält. Natürlich in der Umkleidekabine, wo sonst?

Foto: dapd
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Kann es das vor 2018 überhaupt geben - eine Sportveranstaltung ohne Katarina Witt, die für die Spiele in München die Werbetrommel rührt? Nein, das kann es nicht geben. Und da Witt ja bekanntlich der weibliche Beckenbauer ist, wird bei ihr auch alles zu Gold, was sie anfasst. Ein kurzes Gespräch mit Delling und Netzer - schon wechseln beide zum ZDF. Netzer übernimmt den Part von Urs Meier und Jürgen Klopp im Wechsel mit Manfred Amerell, Delling ist jeden zweiten Tag der Woche Kerner, in der Zeit, in der das Original gerade für den ZDF-Fernsehgarten oder Zu Gast bei Kerner im Nebel tätig ist.

Foto: Jens Kalaene/ dpa
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Und noch einer, der zu seinen Wurzeln zurückkehren kann. Marcel Reif ist schließlich ein echtes ZDF-Kind. Nach seinen Wanderjahren bei RTL und Sky kommt der verlorene Sohn wieder in den Schoß des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zurück. Natürlich nur unter der Bedingung, dass er allein das Finale moderieren darf. Rethy war schließlich früher schon sein Assistent. Das ZDF geht ohne zu zögern darauf ein, Reif moderiert ab sofort jedes Bayern-Spiel, jede Dortmund-Partie, zwischendurch...

Foto: Vladimir Rys/ Bongarts/Getty Images
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...repräsentiert er den Sender bei offiziellen Anlässen wie Prominenten-Hochzeiten. Die Facebook-Seite "Moderationsverbot für Marcel Reif" wird derweil zur populärsten Website im Internet. ZDF-Intendant Markus Schächter strahlt: Endlich hat seine Anstalt auch das internet-affine Publikum erreicht. Von wegen: Geronto-Sender.

Foto: Johannes Simon/ Getty Images
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Um die Spurenelemente von jungem Publikum auch noch einzufangen, die sich immer noch weigern, das ZDF zu schauen, engagiert Schächter Ikonen der Jugendlichkeit. Boris Becker und Franziska von Almsick nutzen ihre TV-Erfahrung, um hochwertige Homestories über Stefan Effenberg und Tim Borowski zu fertigen. Die Anregung, ob man nicht vielleicht besser Justin Bieber für die Jugend einbinden sollte, wurde von Schächter abgelehnt: "Tiere haben wir schon genug im Programm."

Foto: Daniel Roland/ AP
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Fußball im Fernsehen ist nichts ohne Beckenbauer. Der Plauderton des Kaisers ist so etwas wie der Soundtrack, das Grundrauschen einer jeglichen Fußballübertragung. Er ist als TV-Experte dabei, ungefähr seit Konrad Koch vor 120 Jahren den ersten Lederball nach Deutschland eingeführt hat. Beckenbauer hat alles gesehen, alles kommentiert, er hat annähernd so viele TV-Sender als Gastredner angesammelt wie Trainer Felix Magath Bundesligaclubs. Und das muss man wirklich erst einmal schaffen.

Foto: Christof Koepsel/ Bongarts/Getty Images
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