Zeitreise durch die Geschichte der Schachcomputer - DER SPIEGEL
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Geschichte der Schachprogramme Fritz und die Papiermaschine

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts versuchte der Mensch, Maschinen das Schachspielen beizubringen. Und es funktionierte. Heute ist der Computer ein Gegner, der nicht mehr zu besiegen ist. Eine Zeitreise in Bildern.
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Die Erfindung des Schachs: Der Legende nach wurde das Spiel vom indischen Wesir Sissa ibn Dahir erfunden. Sein König, Shirham, war darüber angeblich so erfreut, dass er dem Erfinder sagte, er könne sich zur Belohnung alles wünschen, was er wolle. "Nur etwas Weizen", sage Sissa demnach, "ein Korn auf dem ersten Feld des Schachbretts, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten, und so weiter." Sissa hat offenkundig die geometrische Progression gekannt - der König schuldete ihm so mehr als 18 Trillionen Weizenkörner.

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Mathegenie mit Schachinteresse: Der englische Gelehrte Alan Turing schrieb das erste Schachprogramm, bevor es Computer gab. Turings Papiermaschine brauchte eine menschliche CPU, Turing selbst, der die Züge seines Programms mühsam mit Papier und Stift berechnen musste. Garri Kasparow spielte später eine Partie gegen eine Rekonstruktion des Programms, gewann locker - aber zeigte sich begeistert von der genialen Erfindung des Briten. Berühmt geworden war dieser vor allem wegen seiner Rolle bei der Entschlüsselung der Enigma, die den Ausgang des U-Boot-Kriegs mit Nazideutschland entschied.

Foto: AFP/SHERBORNE SCHOOL
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Schach mit dem Nuklear-Rechner: Maniac hieß einer der ersten programmierbaren Computer der Welt. Er wurde 1951 im Wissenschaftslabor von Los Alamos aufgebaut und sollte eigentlich die Berechnungen zur Optimierung der Implosion thermonuklearer Waffen durchführen. Doch...

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...bereits wenige Wochen nach der Ankunft des Rechners hatten die Wissenschaftler einen Code geschrieben, damit der Computer Schach spielen konnte. Die Partien wurden auf einem kleineren 6-mal-6-Brett gespielt und Maniac schaffte es tatsächlich, gegen einen Amateur, der die Regeln des Schachs ein paar Wochen zuvor gelernt hatte, zu gewinnen.

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Der Traum des Weltmeisters: Michail Botwinnik (rechts) war mit zwei Unterbrechungen von 1948 bis 1963 Schachweltmeister. Der studierte Elektroingenieur träumte davon, einmal die Sowjetwirtschaft mit künstlicher Intelligenz zu steuern. Mit einer Mannschaft von Computerwissenschaftlern entwickelte Botwinnik das Schachprogramm Pioneer. Doch es scheiterte an fehlender Rechenpower in der Sowjetunion.

Foto: ASSOCIATED PRESS
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MacHack war ein Schachprogramm, das 1980 schon eine Spielstärke von 1500 Elopunkten hatte und damit einem fortgeschrittenen Amateur entsprach. Am MIT in Massachusetts entwickelt, setze es über 50 aufwendige Bewertungsfunktionen ein, um plausible Züge zu bestimmen. MacHack spielte Hunderte Partien gegen Menschen, auch gerüchteweise drei gegen Bobby Fischer (rechts). Das Programm erlangte Berühmtheit, als es den Künstliche-Intelligenz-Skeptiker Hubert Dreyfus schlug. Dieser hatte vorhergesagt, dass Computer niemals auch nur einen Zehnjährigen im Schach besiegen würden.

Foto: HEINZ DUCKLAU/ AP
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Als Fritz den Weltmeister schlug: Am 28. Dezember 1992 spielte Garri Kasparow in Köln mehr als 30 Blitzpartien gegen die Betaversion des Schachprogramms Fritz 3 - und verlor vier. Es war ein historischer Moment: Zum ersten Mal in seinem Leben hatte Kasparow eine Partie gegen einen Computer verloren, wenn auch bei verkürzter Bedenkzeit und unter informellen Bedingungen. Das Bild zeigt Kasparow zwei Jahre später.

Foto:

imago sportfoto

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Deep Blue: 1996 trat Kasparow in Philadelphia gegen eine Maschine an, die der Computerriese IBM für viele Millionen Dollar entwickelt hatte: Deep Blue. Der Russe gewann recht bequem. Doch bei der Revanche 1997 in New York ging die verbesserte Version von Deep Blue als Sieger hervor.

Foto: ASSOCIATED PRESS
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