Privatfahnder Auf der Jagd nach Schmuggelzigaretten
Ein Fahnder holt Zigaretten aus einem doppelten Boden: 2011 wurden in Deutschland rund 87,6 Milliarden versteuerte und 23,5 Milliarden unversteuerte Zigaretten geraucht. Davon waren mindestens 3,6 Milliarden Schmuggelzigaretten.
Die Banden sind einfallsreich: Diesen Fund machten Fahnder in Türen. Allein der Schmuggel hat laut Deutschem Zigarettenverband im Jahr 2011 ökonomische Schäden von fast einer Milliarden Euro verursacht.
Ein ganzer Stapel der Türen wurde sichergestellt. Da Zigaretten sehr leicht sind, werden Container mit Schmuggelware gern als Ladung mit Porzellan, Rattanmöbeln oder Spielzeug getarnt - oder die Packungen werden in den Hohlräumen von Türen versteckt.
Ende Juni konnten belgische Behörden einen Rekordschlag gegen den organisierten Zigarrettenschmuggel vermelden: In mehreren europäischen Häfen wurden insgesamt 151 Millionen gefälschte Markenzigaretten beschlagnahmt. Sieben Personen wurden laut belgischem Zoll verhaftet, die Staatsanwaltschaft von Antwerpen hat den Fall übernommen.
An dem Coup gegen die Schmuggler war neben den belgischen Behörden auch die konzerneigene Abteilung Schmuggelbekämpfung des Tabakkonzerns Reemtsma beteiligt. Bernd H. arbeitet in der Abteilung und war bei der Sicherstellung in Antwerpen dabei. Die Fälschungen seien sehr gut gemacht und für Raucher kaum erkennbar gewesen.
Monatelang waren Ermittler der internationalen Bande von Zigarettenschmugglern auf der Spur - dann konnten sie zuschlagen. Aufgrund seiner zentralen Lage, seines Hafens und der Verkehrsverbindungen wird Belgien nach Angaben des dortigen Zolls häufig als Transitland genutzt. Die Zigaretten würden dann unter anderem nach Großbritannien, Deutschland und Frankreich geschickt.
Eingang zu einer illegalen Fabrik in China: Das Land ist eine der größten Produktionsstätten weltweit. Laut Weltzollorganisation wurden 2010 allein in China rund 300 Milliarden Zigaretten gefälscht -gern auch in Erdhöhlen. "Die Eingänge werden zugeschüttet, die Menschen arbeiten für einen Dollar am Tag", so Reemtsma-Ermittler Bernd H.
Tabakmischung in einer Fälscherfabrik: Die Banden sind inzwischen sehr gut im Herstellen von Zigaretten und Verpackungen. Moderne Technik wie Scanner und Laserdrucker sind hilfreich.
Das Geschäft mit gefälschten Zigaretten ist lukrativ. Nur einer von zehn Containern muss laut Reemtsma durchkommen, damit die Schmuggler keinen Verlust machen. Ab dem zweiten Container machen die Banden demnach Gewinn.
Die in Antwerpen beschlagnahmte Ware stammte nach Angaben des belgischen Zolls aus China und war unter anderem für den Schwarzmarkt in Berlin gedacht. Die Zigaretten waren in braunen Pappschachteln versteckt und auf mehrere Container verteilt.
Die Schmuggelware wurde Ende Juni unter Aufsicht der Behörden in Antwerpen vernichtet. Wären die gefälschten Zigaretten nicht abgefangen worden, hätte dies laut belgischem Zoll für die EU Steuerverluste in Höhe von rund 29 Millionen Euro bedeutet.
Fälscherfabrik in Russland: In der ehemaligen Sowjetunion gab es Hunderte Zigarettenfabriken. Inzwischen sind es nur noch einige Dutzende, die für internationale Konzerne produzieren. Doch in entlegenen Hallen werden illegal Zigaretten hergestellt.
Die Maschinen dieser Fälscherfabriken stammen zum großen Teil aus den alten, stillgelegten Produktionsstätten. Aus Russland werden aber bei weitem nicht mehr so viele Zigaretten geschmuggelt wie noch vor einigen Jahren.
Haben die Fahnder gefälschte Produkte sichergestellt, ist die Fabrik meist schon wieder geschlossen.
Fabrik für Zigarettenfälschungen in Bulgarien: Es ist extren schwierig, die Produktionsorte auszuheben. Meist werden die Produktions- und Verpackungsstätten nur für zwei bis drei Wochen aufgebaut.