Zirkus-Elefant Tuffi in der Wuppertaler Schwebebahn - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Misslungene PR Tuffis Schwebebahnfahrt

Dieser Marketinggag ging gründlich baden: Am 21. Juli 1950 fuhr eine Elefantendame mit der Wuppertaler Schwebebahn. Als Tuffi in Panik geriet, nahm die Fahrt eine dramatische Wendung.
1 / 8

Der gefälschte Sprung: Zwar waren jede Menge Fotografen mit an Bord des Schwebebahnzugs, aber als Tuffi in der Enge des Wagens die Nerven verlor und eine Seitenwand durchbrach, drückte niemand auf den Auslöser. Deshalb gibt es vom Sturz der Elefantendame in die Wupper nur Fotomontagen. Diese hier zählt zu den bekanntesten Motiven von Tuffis Wupperfall und wird bis heute auf Postkarten verkauft.

Foto: Röhnert / ullstein bild
2 / 8

Keine Fahrt ohne gültiges Ticket: Tuffi am Freitag, den 21. Juli 1950, vor dem Fahrkartenschalter der Wuppertaler Schwebebahn. Für die Elefantenkuh mussten vier reguläre Zweite-Klasse-Fahrscheine gekauft werden, ihr Besitzer Franz Althoff (mit Hut) brauchte ein weiteres Ticket. Das sollte juristisch folgenreich für ihn sein: Denn damit erkannte er automatisch die Beförderungsbedingungen an - und die untersagten die Mitnahme von Tieren mit Ausnahme von Blinden- und Polizeihunden. Elefanten gehören definitiv nicht zu dieser Kategorie.

3 / 8

Tuffi am Bahnsteig: Die junge Elefantendame an der Schwebebahnstation "Alter Markt" in Wuppertal-Barmen beim Warten auf den nächsten Zug. Zirkusdirektor Franz Althoff (mit Hut und Sonnenbrille) hatte die Fahrt im regulären Linienverkehr als Werbegag geplant - und viele Journalisten und Fotografen eingeladen. Hinter Tuffi steht in kurzer Hose Harry Althoff, der Sohn des Zirkusdirektors. Er hat eine sogenannte Elefantenkralle in der Hand, die bei der Dressur der Tiere eingesetzt wird.

4 / 8

Mit dem Schrecken davongekommen: Bei ihrem Zehn-Meter-Sturz verletzte sich Tuffi zum Glück nur leicht. Außer ein paar Schrammen am Hintern trug sie keinen Schaden davon, obwohl die Wupper an dieser Stelle nur rund 50 Zentimeter tief ist. Der Elefant trat sogar am selben Abend schon wieder im Zirkus Franz Althoff auf und lebte noch bis 1989, zuletzt bei einem französischen Zirkus.

5 / 8

Fußpflege: Einige von Franz Althoffs Elefanten am 11. November 1959 in der Nürnberger Innenstadt bei der öffentlichkeitswirksamen Pediküre. Elf Nürnberger Friseure stellten Mitarbeiterinnen dafür ab, und der Zirkusdirektor sorgte dafür, dass das Ereignis in der Stadt bekannt wurde und Journalisten vor Ort waren. Für solche spektakulären Werbeaktionen war Althoff immer zu haben; mit der Elefantendame Tuffi unternahm er nicht nur die Fahrt in der Schwebebahn, sondern auch Touren in Straßenbahnen und Hafenbarkassen.

Foto: imago
6 / 8

Tanzende Dickhäuter: Diese Aufnahme von 1956 zeigt Althoffs damals berühmtes "Elefantenballett" in der Manege. Der 1937 gegründete Zirkus zeigte zeitweise bis zu zwölf Elefanten gleichzeitig in einer Dressur. Wahrscheinlich ist auf diesem Bild auch Tuffi dabei; mit Sicherheit bestätigen lässt sich dies aber nicht. Der Zirkus Franz Althoff existierte bis 1968, dann wurde Tuffi an einen französischen Zirkus weiterverkauft, wo sie bis zu ihrem Tod 1989 lebte und arbeitete.

Foto: ullstein bild
7 / 8

Unvergessen: Für die Wuppertaler Stadtwerke ist Tuffi bis heute ein Markenzeichen. Beim Umbau der Schwebebahn vor einigen Jahren wurde ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet; ein Elefant mit Bauhelm war das Maskottchen dieser Renovierungsarbeiten.

Foto: WSW
8 / 8

Tuffis Trainer: Franz Althoff wurde 1908 geboren und entstammte einer Familie, die bereits seit dem 17. Jahrhundert im Schaustellergewerbe tätig war. Seine Vorfahren hatten sich auf Tierdressuren spezialisiert, sodass Althoffs Weg vorgezeichnet war. Er entwickelte sich zu einem PR-Profi in eigener Sache und trat gerne mit passenden Accessoires auf - wie dieser Elefantenkrawatte. Das Bild stammt aus dem Jahr 1965, 15 Jahre nach Tuffis Sprung in die Wupper.

Foto: ullstein bild
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?