Zivilschutz im Kalten Krieg - DER SPIEGEL
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Zivilschutz im Kalten Krieg Hausmittel gegen die Apokalypse

Aktentaschen auf dem Kopf, Möbel vor der Tür: Während des Kalten Krieges propagierten Regierungen den Selbstschutz der Bürger beim Atomangriff des Gegners mit absurden und nutzlosen Ratschlägen. Die staatlichen Broschüren blieben über Jahrzehnte gängige Praxis - in der Bevölkerung ernteten sie Hohn und Spott.
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Mittagessen auf dem Land: Jim und Hilda, die beiden Hauptfiguren des britischen Trickfilms "Wenn der Wind weht" von 1986, essen in dieser Szene gemütlich zu Mittag, während im Radio vor einem drohenden atomaren Raketenangriff gewarnt wird. Der Film nimmt Kampagnen aufs Korn, mit denen Regierungen für den Fall von Atomangriffen abstruse und nutzlose Ratschläge propagierten.

Foto: DDP
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Musterbürger: Rentner Jim ist ein vorbildlicher Bürger. Penibel studiert er sämtliche Schutzmaßnahmen der Regierung für den Fall eines atomaren Angriffs.

Foto: ddp images
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Atomschutz-Idylle: Während Hilda bügelt, probiert Jim den "Selbstschutzraum" aus. Er hat ihn ganz nach den behördlichen Vorschriften gebaut (Szenenbild aus dem Film "Wenn der Wind weht", Großbritannien 1986).

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Chaos im Haus: Rentner Jim begutachtet die Schäden, die der atomare Raketenangriff in der Küche seines Hauses angerichtet hat.

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Zerstörte Welt: Dieses Szenenbild des Zeichentrickfilms "Wenn der Wind weht" (1986) zeigt die beiden arglosen Protagonisten Jim und Hilda. Nach einem feindlichen Atomschlag schauen sie sich, ohne sich um die radioaktive Strahlung zu sorgen, die Schäden in ihrem Garten an.

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Aktentaschen-Aktivisten: Auf dem Hamburger Jungfernstieg liegen diese drei Männer 1963 während eines Probealarms auf dem Boden. Sie demonstrieren, indem sie die absurden Anweisungen der Broschüre "Jeder hat eine Chance" zum Selbstschutz der Bevölkerung im Falle eines atomaren Angriffs befolgen.

Foto: OHNE
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Behördentipps: Die Broschüre "Jeder hat eine Chance" wurde 1961 in der Bundesrepublik an alle Haushalte verteilt und bot "hilfreiche" Tipps für die Bevölkerung im Fall eines atomaren Angriffs.

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Fahrerschutz: Die US-Zivilschutzkampagne "Duck and Cover" galt nicht nur für die Kleinsten, jeder sollte sich im Angriffsfall in Deckung bringen und vor allem den Kopf schützen - wie dieser Autofahrer 1955 demonstriert.

Foto: Getty Images
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Verhaltensmaßnahmen: Dieser Auszug aus der deutschen Broschüre "Jeder hat eine Chance" von 1961 illustriert Schutzmaßnahmen bei "Überraschungsangriffen mit Atomwaffen", beispielsweise wird das Schützen des Kopfes mit einer Aktentasche empfohlen.

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Fuchsbau: Diese Illustration aus den USA von 1955 zeigt einen sogenannten Foxhole-Bunker Marke Eigenbau, ein einfaches Erdloch, abgedeckt mit einem Brett oder einer Zeitung. Solche und ähnliche Schutzmaßnahmen wurden nicht nur von den Vereinigten Staaten propagiert, sondern auch von deutschen Behörden.

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Kindchen, duck dich: Diese Schulklasse probt den Ernstfall, 1951 in New York, gemäß der "Duck and Cover"-Kampagne. Offenbar scheint die Übung nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Schüler zu bewirken. Der Junge in der zweiten Reihe macht lieber ein Nickerchen, anstatt sich über Atombombenangriffe zu sorgen.

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Notfallfibel: Die britischen Behörden brachten 1980 die Broschüre "Protect and Survive" heraus - ein Pamphlet mit Tipps für die Bevölkerung zum Selbstschutz vor atomaren Angriffen.

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Schutzraumbau für Heimwerker: Seite zehn der britischen Zivilschutzbroschüre "Protect and Survive" zeigt eine Bauanleitung für einen provisorischen Schutzraum - aus Zimmertüren. Rentner Jim folgt im Animationsfilm "Wenn der Wind weht" (1986) genau diesen Anweisungen.

Foto: AP
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Autor und Illustrator: Der britische Künstler Raymond Briggs mit einem Kinderbuch (1967). Aus seiner Feder stammt auch die Vorlage zum Zeichentrickfilm "Wenn der Wind weht" von 1986.

Foto: Getty Images
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Briggs im Park: Raymond Briggs in einem von ihm gestalteten Klappstuhl mit Schneemann-Motiv im Londoner Hyde Park, 2008. "Der Schneemann" ist eines seiner beliebtesten Kinderbücher.

Foto: Getty Images
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Ausgelöscht: Eine Aufnahme der japanischen Stadt Nagasaki, kurz nach der Zerstörung durch eine amerikanische Atombombe am 9. August 1945. Angesichts solcher Bilder erscheinen die von Behörden propagierten Schutzmaßnahmen absurd.

Foto: AP
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Schutz vor Strahlung: Diese Kinder versuchen sich 1948 im zerstörten Hiroshima vor der radioaktiven Strahlung zu schützen - mit Mundschutz und Regenschirm. Am 6. August 1945 wurde die Stadt von einer amerikanischen Atombombe fast vollständig zerstört.

Foto: AFP
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Low-Budget-Bunker: Richard M. Stephenson, Professor für Kerntechnik an der Universität Connecticut, präsentiert 1961 eine besonders günstige Bunkervariante. Sein "Bunker für Arme" aus Futtersäcken kostete nur 30 Dollar.

Foto: AP
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Probe für den Ernstfall: Zwei Damen testen 1958 in Milwaukee, Wisconsin, eine solide Variante eines Atomschutzbunkers. Maximal zwölf Personen bot er Schutz - ideal für die Großfamilie. Eingelassen ins Erdreich sollte dieser Bunker bis zu einer Entfernung von 1,2 Kilometern zum Einschlagsort einer Bombe von bis zu 20 Megatonnen sicher sein. Etwa 1400 Dollar mussten jedoch investiert werden.

Foto: AP
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Familienbunker: Diese Familie testet in New York 1955 einen unterirdischen Atomschutzbunker, unter anderem ausgestattet mit provisorischen Schlafstätten, Wasser- und Lebensmittelvorräten sowie einem Radio, um über die aktuelle Lage auf dem Laufenden zu bleiben.

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Modenschau: Eine britische Familie führt 1980 in der englischen Provinz den letzten Schrei in der Schutzanzugmode vor. Mit dem Kauf von "Survival Kits" konnte man für den nuklearen Ernstfall vorsorgen. Diese "Überlebenspakete" enthielten neben Schutzanzügen, Gasmasken und Puder zur Dekontamination alles, was man im Notfall benötigen könnte.

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Maskenmann: Mütze, Brille und Ledermaske als Schutz vor radioaktiver Strahlung (Aufnahme um 1960).

Foto: Getty Images
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Gummimonster: Diese Aufnahme zeigt einen speziellen Schutzanzug, der für die Laborarbeit mit radioaktiver Strahlung entwickelt wurde.

Foto: Keystone/ Getty Images
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Klonkrieger: Zwei Mitarbeiter des Zivilschutzes in Schutzkleidung und mit Strahlungsdetektoren "bewaffnet", aufgenommen 1954 in Bonn.

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Schildkröte Bert: Im Rahmen eines Films der amerikanischen Zivilschutzkampagne "Duck and Cover" aus den Fünfzigerjahren sollte die Schildkröte Bert Schulkindern das richtige Verhalten im Fall eines Atomangriffs nahebringen.

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Affentheater: Die Schildkröte Bert wird von der "Bombe" des Affen überrascht. Eine Szene aus dem amerikanischen Zivilschutzfilmchen "Duck and Cover" aus den Fünfzigern.

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Lehrstunde: Das "Duck and Cover"-Programm der Fünfzigerjahre wurde in den USA sehr ernst genommen. Die Lehrerin erklärt hier vor der Klasse, dass sich Bert, die Schildkröte, im Notfall in seinem Panzer verstecken kann.

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Tierschutz: Eine israelische Firma hat 2003 einen ABC-Schutz für Haustiere vorgestellt. Katze Catty ist noch misstrauisch.

Foto: REUTERS
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Kleine Helfer: Die USA, aber auch Deutschland, setzen heutzutage auf Kaliumjodid-Tabletten als Schutz vor der Einlagerung radioaktiver Spaltprodukte in den menschlichen Körper.

Foto: AP
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Broschürentitel: Schutz gegen radioaktive Niederschläge in Haus und Betrieb.

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Filzhut- und Plastehaubenmaske: "Ein Atemschutz gegen Schwebstoffe lässt sich aber relativ leicht anfertigen, da das dazu nötige Grundmaterial weit verbreitet und vor allem in allen Haushalten vorhanden ist." Mit solchen Ratschlägen brachte man Kindern noch 1981 bei, wie sie nach einem Atomschlag überleben könnten. Zeitgleich transportierte die Sowjetunion Atomraketen auf das Territorium der DDR.

Foto: Peter Treue
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