Zlatan Ibrahimovic Doppelkopf
Ein Bild, das José Mourinho Schmerzen verursacht: Zlatan Ibrahimovic, wie er sich nach einem Foul am Boden krümmt. Der Schwede ist in seiner ersten Saison bei Manchester United gleich zu dem Spieler geworden, den sich die Engländer erhofft hatten. Selbst wenn die Mannschaft sich schwertut - "Ibra" trifft fast immer.
So auch im Finale des Englischen Ligapokals. Beim 3:2-Sieg gegen Southampton erzielte der 35-Jährige das 1:0 per Freistoß, Jesse Lingard erhöhte für Manchester auf 2:0.
Southampton schaffte den 2:2-Ausgleich - doch es gab ja noch Ibrahimovic. In der 87. Minute rettete er zunächst im eigenen Strafraum per Kopf und setzte im Gegenzug seine Stirn erneut ein. Am chancenlosen Southampton-Keeper Fraser Forster vorbei wuchtete der Stürmer den Ball zum 3:2 ins Tor.
Ibrahimovic ist passionierter Angler, hier zeigt er aber nicht die Länge seines letzten kapitalen Hechts an, sondern lässt sich für seine jüngste Heldentat feiern.
Wayne Rooney schmuste zur Gratulation mit seinem Konkurrenten im Sturmzentrum. Rooney ist ManUniteds Rekordtorschütze, aber so lange Ibrahimovic noch spielt, sind solche Rekorde in Gefahr.
Mit seinem neuen Klub hat Ibrahimovic jetzt schon zwei Titel gewonnen, den Englischen Supercup und den Englischen Ligapokal. In der Premier League liegt Manchester bei einem Spiel Rückstand allerdings bereits 15 Punkte hinter dem FC Chelsea. Spielzeiten, die nicht mit einer Meisterschaft enden, kennt Ibrahimovic kaum. Seit 2002 gewann er nur in den Jahren 2003 und 2012 am Ende nicht den Titel.
Seinen Durchbruch schaffte Ibrahimovic in den Niederlanden: 2001 wechselte er als 19-Jähriger zu Ajax Amsterdam. Knapp acht Millionen Euro Ablöse kassierte sein ehemaliger Klub Malmö FF, was einen neuen Transferrekord für einen schwedischen Spieler bedeutete.
Seit 2001 trug Ibrahimovic das Trikot mit den drei Kronen - allerdings mit Unterbrechungen: 2007 wurde er wegen Disziplinlosigkeit suspendiert. Nach der verpassten Qualifikation für die WM 2010 nahm er eine Auszeit von der Nationalmannschaft.
Besonders spektakulär war sein Tor zum 1:1 im Gruppenspiel gegen Italien bei der EM 2004: Mit der Hacke hob er den Ball über Keeper Gianluigi Buffon ins Tor. Ebenfalls legendär: sein Auftritt gegen England in einem Testspiel 2012. Er schoss vier Tore, eines davon war ein Fallrückzieher aus mehr als 30 Meter Entfernung.
Auf Vereinsebene wechselte "Ibra" nach 72 Spielen und 31 Toren für Ajax 2004 als niederländischer Meister nach Turin. Sein Marktwert hatte sich fast verdreifacht (19 Millionen Euro) und der 1,95-Meter-Mann bewies auch in der Serie A seine Treffsicherheit.
Gemeinsam mit Sturmkollege Adrian Mutu feierte er schon in seinem ersten Jahr den Titel mit Juventus.
Auch im Folgejahr wurde die "Alte Dame" mit dem Schweden Meister. Allerdings wurden die beiden Titel später im Zuge des italienischen Fußballskandals aberkannt. Auch bei seiner nächsten Station hieß es: Wo Ibrahimovic ist, ist der Erfolg. Ab der Saison 2006/2007 ging er für Inter Mailand auf Torejagd.
Ibrahimovic gewann 2007, 2008 und 2009 mit Inter unter den Trainern Roberto Mancini (2007, 2008) und José Mourinho (2009) die Meisterschaft. In Rahmen eines spektakulären Tauschgeschäfts zog Ibrahimovic weiter zum FC Barcelona.
Der spanische Traditionsklub bezahlte 50 Millionen Euro an Inter - und legte Samuel Eto'o noch obendrauf. Der Kameruner hatte in fünf Jahren bei Barca 108 Tore in 145 Spielen erzielt, Ibrahimovic selbst bezeichnet ihn als einen der besten Stürmer der Welt. Gemeinsam mit Weltfußballer Lionel Messi (links) und der Arsenal-Legende Thierry Henry sollte der Schwede als Mittelstürmer für Tore sorgen.
Nach gutem Start fand er sich aber immer häufiger auf der Bank wieder, auch sein Verhältnis zu Trainer Josep Guardiola galt als angespannt.
Zwar feierte das Team den Gewinn der Meisterschaft, doch spätestens, als mit David Villa ein potenzieller Nachfolger für 40 Millionen Euro vom FC Valencia verpflichtet wurde, sah Ibrahimovics Zukunft bei den Katalanen düster aus.
Barcelona einigte sich mit dem AC Milan auf ein Leihgeschäft. Von Beginn an zeigte sich der 29-Jährige wieder treffsicher. In 60 Partien für die Italiener war Ibrahimovic 42-mal erfolgreich.
2012 zog es den Wandervogel dann nach Paris. Die Franzosen zahlten geschätzte 20 Millionen Euro Ablöse für den Schweden, Ibrahimovic führte das Team 2013, 2014, 2015 und 2016 zum Titel. Dann wechselte er ablösefrei nach Manchester.
Wie lange Ibrahimovic noch spielen wird, ist ungewiss. Zumindest die Fans von Manchester United werden die Daumen drücken, dass es möglichst lange sein wird.