Menschen im Zoo Die ganze Welt - hinter Gittern
Samojeden: Drei sibirische Nomaden, die von Hagenbeck nach Hamburg geholt wurden, um sie vor dem europäischen Publikum zur Schau zu stellen. Für einen Blick auf die Menschen aus fernen Ländern kamen Tausende Schaulustige in den Hamburger Tierpark - direkt daneben wurden wilde Tiere gezeigt.
Sammlung Peter Weiss
Indien in Berlin: Noch im Juli 1926 wurde eine Hagenbeck-Völkerschau aus Hamburg wegen ihres großen Erfolges auch in Berlin im Zoologischen Garten gezeigt. Das Bild zeigt den Zug der Elefanten durch die Straßen der deutschen Hauptstadt.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 102-02851
Carl Hagenbeck: "Es war mir vergönnt, die Völkerausstellungen als erster in die zivilisierte Welt einzuführen", lobte sich der Tierhändler und Gründer des Hamburger Tierparks Hagenbeck in seinen Memoiren selbst.
Hagenbecks Tierpark: Im Mai 1907 verlegte Carl Hagenbeck seine Tierausstellung nach Hamburg-Stellingen. Dort entstand der erste Tierpark der Welt mit gitterlosen Gehegen.
Exposition "Les Indes": Eine Gruppe Inder führt in Hagenbecks Tierpark Kunststücke vor.
"Carl Hagenbecks Galla-Truppe": Afrikaner vom Volk der Oromo (damals als Galla bezeichnet) aus Äthiopien posieren mit einer Herde Zebras. Durch Wissenschaftler wie den berühmten Berliner Arzt Rudolf Virchow, der Hagenbecks Völerschauen förderte, erhielten die Events einen gewissen Anschein von Seriösität - auch wenn es hauptsächlich um's Geldverdienen ging.
Der Kaiser bei Hagenbeck: Kaiser Wilhelm II. besuchte 1909 den Zoo von Carl Hagenbeck in Hamburg. Dort nahm er sich auch die Zeit, ein paar Worte mit der Attraktion des Tierparks zu wechseln - einer Gruppe von Äthiopiern, die Hagenbeck für seine "Völkerschau" engagiert hatte.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-R52035
"Afrikanisches Dorf": Ab Sommer 1874 stellte Carl Hagenbeck in seiner Tierausstellung in Hamburg-St. Pauli auch Menschen aus. Hagenbecks Agenten warben in den folgenden Jahrzehnten Menschen aus aller Welt an: Nubier aus dem Sudan, Inuit aus Grönland und Kanada, Somalier, Inder und Singhalesen.
"Gruß aus Ost-Afrika": Nachdem Carl Hagenbeck im Sommer 1874 in Hamburg die erste "Völkerschau" organisiert hatte, zogen bald andere Veranstalter nach, denn das Konzept erwies sich als echter Publikumsmagnet. Die Postkarte stammt von der Sächsich-Thüringischen Ausstellung in Leipzig und entbietet einen klischeehaften "Gruß aus Ost-Afrika".
"Singhalesentruppe des Ceylondorfes": Mit der Zeit entwickelten sich die Völkerschauen zu aufwendigen Spektakeln und einem Vorläufer der Event-Kultur - je exotischer, desto besser.
"Junger nubischer Krieger": Dieser junge Mann aus dem Sudan war Teil der "Völkerschau Nubien" und wurde mit Schwert und Schild als Krieger präsentiert.
Schau der Generationen: Um den Besuchern auch das "Familienleben" der unterschiedlichen Völker vorführen zu können, achteten die Veranstalter stark darauf, Kinder und Erwachsene beiden Geschlechts und verschiedenen Alters für die Völkerschauen nach Hamburg zu holen.
Rassenschranken wanken: "Eulalia - was machst Du da! Du liebst einen Schwarzen? Er passt zu Deinen Warzen! (Es sollen übrigens viele unserer weißen Mädchen derlei Braten lieben)" Die Postkarte zeigt die von rassischen Ressentiments geprägte Einstellung gegenüber Schwarzen Anfang des 20. Jahrhunderts - sie belegt indirekt aber auch, dass die Rassenschranken nicht ganz unüberwindlich waren, sondern es zwischenmenschliche Kontakte durchaus geben konnte.
Sprechende Blicke: Für die Menschen, die dort zum Objekt des öffentlichen Interesses gemacht wurden, waren die Völkerschauen demütigend und beängstigend - wie man im Blick dieser Somali zu lesen meint. Auch Krankheiten stellten ein Problem dar - so starben 1880 in Hamburger Tierpark Hagenbeck gleich acht Inuit innerhalb weniger Tage, weil sie nicht gegen Pocken geimpft worden waren.
Busch-Show: Die meisten Zeitgenossen Carl Hagenbecks waren fest von der Überlegenheit der Weißen überzeugt - Angehörige fremder Völker gemeinsam mit exotischen Tieren vorzuführen, erschien ihnen nicht ungewöhnlich oder gar moralisch fragwürdig.
"Schilluks beim Krokodilfang": Durch mehr oder minder naturgetreue nachempfundene Umgebungen für die nach Deutschland geholten Völker sollte dem Besucher das täglichen Leben der jeweiligen Volksgruppe gezeigt werden. So wurden für die Gruppen regelrechte Miniaturdörfer gebaut, in denen sie zusammen mit ihren Tieren ausgestellt wurden - die Krokodile, die hier angeblich gefangen werden, waren allerdings doch ausgestopft.
Inszenierung von Klischees: Eine Gruppe Somali posiert vor dem für sie angelegten Landschaftspanorama in Hagenbecks Tierpark. Nur wenige Zeitgenossen begriffen um die Jahrhundertwende, dass diese Inszenierungen keineswegs fremde Kulturen zeigten, sondern in erster Linie die Klischees der Europäer bestätigten.
"Gruss von der Berliner Gewerbe Ausstellung": Die Postkarte zeigt ein Bild der "Deutschen Colonial Ausstellung - Station in Ost-Afrika", einer Sonderschau im Rahmen der Berliner Gewerbeausstellung von 1896 in Treptow. Mit der Kolonialausstellung sollte auch der Anspruch Deutschlands auf eigene Kolonien unterstrichen werden.
"Äthiopischer Hochzeitstanz": Die durch Bücher und Erzählungen vorgeprägten Klischees über fremde Kulturen wurden durch Aufführungen von Tänzen und Kampfritualen bei den Völkerschauen nur noch einmal bestätigt - eine kritische Auseinandersetzung fand nicht statt.
"Bei den Somalis": "Wo kann ich Sie heut abend um elf Uhr treffen, Jumbo?" "Bei Ihr freilein Schwester!" Das undatierte Titelblatt der Zeitschrift "Lustige Blätter" persifliert - und belegt - den großen Reiz, den Afrikaner auf weiße Europäer über das völkerkundliche Interesse hinaus entwickeln konnten. Gleichzeitig rührte das Klischee vom schwarzen Mann, den die weißen Frauen begehren an einer Urangst der weißen Männer, einer der vielleicht stärksten Wurzeln des Rassismus überhaupt.
"Gustav Hagenbecks Indien": Eine Gruppe Inder zeigt ihre handwerklichen Erzeugnisse.
Artistische Einlage: Weil die Besucher weniger wissenschaftliches Interesse als der Kitzel der Exotik in die Völkerschauen lockte, wurden für die Völkerschauen bevorzugt Artisten, Gaukler und Handwerker nach Deutschland gebracht - dem Publikum musste etwas geboten werden.
Völkerschau Indien: Die aufwendigen Kulissen in Hagenbecks Tierpark sollten suggerieren, dass das jeweiligen Volk in seiner "normalen" Umgebung beobachtet würde.
Ethno-Show: Während der Blütezeit der Völkerschauen in Europa zwischen etwa 1870 und 1930 wurden allein in Deutschland über 300 außereuropäische Menschengruppen vorgeführt - je exotischer und ungewöhnlicher, desto besser.
Josef Kostanjevic als Jäger: Der österreichische Diplomat bei der Jagd in Südafrika.
Im Nachlass von Josef Kostanjevic befanden sich neben Aufnahmen von Personen, Städteansichten, Familienmitgliedern auch gestellte Allegorien von Zulus, die dem Zeitgeschmack um die Jahrhundertwende entsprachen.
Musical Quartette: Gestelltes Bild mit Zulus.
Ping Pong: Gestelltes Bild mit Zulus.
Zulu Golf Club: Gestelltes Bild mit Zulus
Zulu Kral: Gestelltes Bild einer Zulu-Dorfgemeinschaft.
Gemeinsamer Kochtopf: Gestelltes Bild mit Zulus
Zulu Automobile: Gestelltes Bild einer Autofahrt.
Heufressergehege: Carl Hagenbecks Tierpark in Stellingen-Hamburg auf einer Postkarte aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.