Zucker als Medizin Süße Versprechen
Würfelzucker: Acht einfachste Zuckermoleküle kommen im menschlichen Körper vor. Theoretisch können sie sich zu mehreren Millionen verschiedener komplexer Zucker zusammenschließen. Süß sind nur die wenigsten davon, dafür sind sie zentral für die Kommunikation im Körper. Während Mensch und Affe etwa 98,8 Prozent ihrer Gene gemeinsam haben, sind sie auf der Zuckerebene völlig verschieden. Die Zuckermoleküle im Körper sind hoch spezialisiert, das macht sie zum idealen Angriffspunkt für Medikamente
Malaria (Illustration): Der Erreger der Krankheit dringt in die roten Blutkörperchen ein und produziert dort seinen eigenen Zucker - als Gift. Die Malaria zerstört die Zellen. Ein gleichförmiger Zucker, an den ein Protein gekoppelt ist, soll als Impfstoff dienen: Das menschliche Immunsystem erkennt das Glykoprotein und kann Antikörper produzieren. Nach dem gleichen Muster will Peter Seeberger auch Impfstoffe gegen Anthrax und HIV finden
Synthese-Automat: Der Franke Peter Seeberger hat einen Roboter entwickelt, der einen einzigen Zucker in wenigen Stunden anstatt Tagen synthetisiert. Das brachte Tempo in die Glykomik. Zumal neue Analysemethoden erlauben, den Aufbau der Kohlenhydrate immer genauer zu studieren
Grippemittel: Hektoliterweise Kuhmilch musste der Arzt und Biochemiker Reinhard Brossmer in den fünfziger Jahren herbeischaffen, um einen einzigen Zucker in ausreichender Menge isolieren zu können. Die Arbeit war ein Meilenstein in der Influenza-Forschung. Brossmer fand den Zuckerrezeptor, über den das Grippevirus an Zellen andockt und sie infiziert. In den achtziger Jahren gelangt daraufhin australischen Forschern der Durchbruch für ein Medikament - auch die Grundlage für die Grippemittel Relenza und Tamiflu, heute Bestseller