Zug nach Nirgendwo: Endstation Subarktis - DER SPIEGEL
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Zug nach Nirgendwo Endstation Subarktis

Die Fahrt mit dem "Tshiuetin" gehört zu den letzten echten Abenteuern in Kanadas wildem Norden. Wer den von Ureinwohnern betriebenen Zug besteigt, verlässt die Welt, wie wir sie kennen - und fällt aus der Zeit.
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Schefferville ist jedem Frankokanadier ein Begriff. Sogar in Chansons wird das Scheitern im hohen Norden aufgearbeitet. Als die Minen schlossen, blieben dort vor allem Indigene zurück: Das Reservat Kawawachikamach liegt etwa 15 Kilometer von der Hauptortschaft entfernt.

Foto: Markus Kaiser
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Die Personenzugstrecke aufzumachen war quasi Notwehr gegen den endgültigen Untergang: Da die Strecke nicht mit dem restlichen nordamerikanischen Eisenbahnnetz verbunden ist, mussten Dieselloks und Personenwaggons mit dem Schiff angeliefert werden.

Foto: Tshiuetin
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So entstand im 25.000-Einwohner-Städtchen Sept-Îles die erste indigene Bahngesellschaft Kanadas. Sie ist heute einer der größten der wenigen Arbeitgeber einer riesigen Region - Arbeitslosigkeit ist das Hauptproblem auch in den Reservaten des Nordens.

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Auf dem Waggon prangt die Flagge der Naskapi Nation of Kawawachikamach. Der indigene Stamm gehört mit der Nation Innu Matimekush– Lac John und Innu Takuaikan Uashat Mak Mani-Utenam zu den drei Betreibern der Bahnstrecke.

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Und los geht's: Der Norden Québecs ist so groß wie Frankreich. Seine Einwohnerdichte beträgt 0,02 Einwohner pro Quadratkilometer. Zunächst geht es durch schluchtenreiches Bergland.

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Jonathan Connolly mag nach Ire klingen, doch der Zugführer ist Innu - 52 von 71 Angestellten der Eisenbahngesellschaft "Transport Ferroviare Tshiuetin" sind indigen. Auf über 12 Stunden Fahrt ohne Abbieger, große Kreuzungen oder nennenswerten Verkehr findet er gern Zeit für ein Pläuschen.

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Der Translabrador-Highway ist die einzige Straße, die der Zug auf seiner dreizehnstündigen Fahrt überquert.

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Blick aus der ersten Zugmaschine nach hinten: Der "Tshiuetin" besteht aus zwei Lokomotiven, einem Speisewagen und jeweils vier Personen- und Frachtwaggons.

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Komfort ja, Luxus nein: Die Ausstattung ist einfach, aber strapazierfähig, pflegeleicht und bequem. Ideal, um sich eine Sitzgruppe zum Bett zu machen.

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Multikulti: Einführungskurs in Innu und die Silbenschrift der Naskapi auf der Zugtoilette. Auch Orts- und Straßenschilder in Schefferville sind nicht nur mehrsprachig, sondern nutzen auch unterschiedliche Schriftsysteme.

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Gefrorener Fluss am Übergang zwischen borealem Nadelwald und subpolarer Tundra: Gewässer sind oft bis tief in den Mai zugefroren.

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Gut gelaunt: Zwei Zugbegleiter in Arbeits-Montur lassen sich die 14-stündige Fahrt nicht zu lang werden. Ihre Antwort auf die schiere Unendlichkeit der Distanzen ist ein fröhlicher Fatalismus - Hauptsache, man kommt irgendwann gut an, ohne zu viel Stress.

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Schefferville: Der Ort am Ende der Strecke ist in jeder Hinsicht Endstation. Seine Zukunft ist fraglich, seine wirtschaftliche Basis hat er verloren. Noch hält ihn der Zug am Leben.

Foto: Tshiuetin
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?