Zweiter Weltkrieg - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Zweiter Weltkrieg Flirthinweise fürs Feindesland

Wie fragt man auf "DOI-tsh" nach der Toilette? Ein kleines Taschenbuch sollte US-Soldaten 1944/45 helfen, sich im besetzten Deutschland zurechtzufinden. Der "Pocket Guide to Germany" enthielt viel Nützliches, viele Klischees und taugte sogar als Flirthilfe. Jetzt wird das Zeitdokument wieder aufgelegt.
1 / 14

US-Besatzer in Heidelberg: "Vor dem Krieg strömten amerikanische Touristen im Sommer nach Deutschland, um den Rhein und seine alten Burgen, den Schwarzwald, die bayrischen Alpen und mittelalterliche Städte wie Brandenburg bei Berlin zu besuchen", heißt es in Kapitel 3 des Pocket Guide von 1944. "Heute kommen Amerikaner nicht als Touristen und um die Landschaft zu genießen, sondern vielmehr als Soldaten mit einem militärischen Auftrag."

Foto: Berlin Story Verlag
2 / 14

Do not Fraternize: Mit einem Aufkleber auf dem Titelblatt des "Pocket Guide to Germany" wurde den Lesern klar gemacht, dass jede Verbrüderung mit Deutschen unerwünscht war.

Foto: Berlin Story Verlag
3 / 14

Landung in der Normandie: Am Morgen des 6. Juni 1944 begann die lang erwartetet Inavsion der Alliierten in der Normandie. Im Oktober besetzten die alliierten Truppen die ersten deutschen Städte. Rund zwei Millionen Bände des "Pocket Guide to Germany" waren da bereits ausgegeben worden.

Foto: Berlin Story Verlag
4 / 14

Eure Aufgabe in Deutschland: "Die Besetzung Deutschlands gibt euch die Chance, persönlich zu gewährleisten, dass der Deutsche nicht noch einmal zum Schießeisen greift und Blei und Lügen auf eine arglose Welt loslässt, sobald ihr euch umdreht und nach Hause geht." Aus: "Pocket Guide to Germany"

Foto: Berlin Story Verlag
5 / 14

GIs in Hessen: Die amerikanischen Besatzer trafen 1945 in Deutschland auf eine vom Krieg zermürbte, oft traumatisierte Zivilbevölkerung.

Foto: Berlin Story Verlag
6 / 14

Inhaltsverzeichnis: Auf knapp 40 Seiten bot der "Pocket Guide to Germany" die wichtigsten Informationen für amerikanische Soldaten - und zu Fragen wie: Worum geht es im Zweiten Weltkrieg genau? Was ist in Deutschland passiert und wie ist es dazu gekommen? Wie wahre ich höflich Distanz zur Bevölkerung?

Foto: Berlin Story Verlag
7 / 14

Deutsche Zivilarbeiter: Unter den aufmerksamen Augen amerikanischer Bewacher müssen Deutsche Anfang 1945 Gräben ausheben.

Foto: Berlin Story Verlag
8 / 14

Willkommen im Schilderwald! Auf der letzten Seite des Pocket Guide fand sich eine praktische Zusammenstellung der wichtigsten Schilderbeschriftungen Deutschlands.

Foto: Berlin Story Verlag
9 / 14

Felix A. Cizewski in München: Im Hintergrund ist ein Pritschenwagen vom Typ MAN F8 zu sehen. Hätte der Nachrichtensoldat und Lastwagenfahrer seine Kollegen aus den Augen verloren, hätte ihm der Pocket Guide weitergeholfen: "VO ZINT dee a-may-ree-KA-nee-shen zawl DA-ten?"

Foto: Leonard H. Cizewski
10 / 14

Eisenhowers Tagesbefehl: "Die Augen der Welt ruhen auf euch. Die Hoffnungen und Gebete freiheitsliebender Menschen begleiten euch auf euren Märschen. Mit unseren tapferen Alliierten und unseren Brüdern an anderen Fronten werdet ihr die Zerstörung der deutschen Kriegsmaschinerie bewirken." US-Oberbefehlshaber Dwight D. Eisenhower ließ diesen Tagesbefehl am 6. Juni 1944 an die Invasionstruppen ausgeben verteilen. Felix A. Cizewski trug das Blatt bis zum Kriegsende bei sich; sein Sohn fand es zusammen mit Cizewskis Exemplar des "Pocket Guide" in seinem Nachlass.

Foto: Leonard H. Cizewski
11 / 14

NS-Kunsttempel als US-Kasino: Felix A. Cizewski posiert mit Kameraden auf den Stufen vor dem "Haus der Deutschen Kunst" in München. Die amerikanischen Besatzer nutzen das Gebäude als Offizierskasino.

Foto: Leonard H. Cizewski
12 / 14

In der Höhle des Löwen: GIs vor Hitlers Bergresidenz auf dem Obersalzberg 1945. Heute ist das Kehlsteinhaus im Berchtesgadener Land ein beliebtes Ausflugsziel für amerikanische Touristen.

Foto: Leonard H. Cizewski
13 / 14

GI Cizweski vor einer FW 190: "Bach, Germany" steht auf der Rückseite dieses Fotos aus dem Nachlass des US-Veteranen felix H. Cizewski, das wahrscheinlich im Mai 1945 aufgenommen wurde. Das Flugzeug vom Typ Focke Wulf 190 trug die Aufschrift "Verkaaft's mei Gwand, I foahr in Himmel". Er dürfte Mühe gehabt haben, diesen Spruch zu verstehen.

Foto: Leonard H. Cizewski
14 / 14

Felix A. Cizewski in Fürstenfeldbruck: Die 45. Infanteriedivision wurde nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau im Umland von München stationiert. Cizewski habe nie über seine Erfahrungen in Dachau gesprochen, sagt sein Sohn. Er behielt aber Zeit seines Lebens eine Ausgabe des Nachrichtenblattes der 45. Division bei sich, in dem über die Befreiung Dachaus berichtet wurde. Auf den Horror der Konzentrationslagern konnte der Pocket Guide die amerikanischen GIs nicht vorbereiten.

Foto: Leonard H. Cizewski
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?