Zweiter Weltkrieg - DER SPIEGEL
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Fußball im Kriegsgefangenenlager Suez Kanal statt Elbe

Fast wie in Freiheit: Im Kriegsgefangenenlager in Ägypten bauten sich Italiener und Deutsche eine Fußballparallelgesellschaft auf - Länderspiele gegen die Briten inklusive. Dort wurde der Hamburger Adolf Böttger als Trainer der Deutschen ein Held - zurück in der Heimat verlor er alles.
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Noch auf freiem Fuß: Luftwaffen-Offizier Adolf Böttger (2. v. l.) 1944 in Athen. Im Oktober 1944 geriet er auf dem Lazarettschiff "Tübingen" in englische Gefangenschaft und wurde in Ägypten interniert.

Foto: Ralf Klee
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Aquarell vom Sand: Ein "Käfig" des Lagers 305 - inklusive Sportplatz. Tausende Kriegsgefangene wurden von den Briten auch noch nach Kriegsende hier am Bittersee in Ägypten interniert. Fußball war für viele von ihnen der einzige Lichtblick in dieser trostlosen Situation.

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Das große Fest: Der Fußballkönig feierte Geburtstag und seine Entourage gratuliert. Adolf Böttger notierte: "Mein Ehrentag war sehr nett. (...) Um 6 Uhr Wecken mit Musikständchen. Meine Zeltkameraden hatten mir den Geburtstagstisch nett gedeckt. Blumen in rauer Menge, 10 Riesensträuße - unser Zelt war wie ein Blumenladen. Natürlich viele Gäste. Morgens tranken wir nett Kaffee, es gab sogar Kuchen und Bohnenkaffee. Abends saß ich mit meiner Meistermannschaft zusammen. Auch hier feierten wir bei Musik und Vorträgen sehr gemütlich. Meine Jungs sind schwer in Ordnung."

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Hamburger Fußballspieler am Bittersee: Am Bittersee waren viele Fußballer aus Hamburg interniert, die sich gelegentlich zu "Heimattreffen" zusammenfanden, um Informationen auszutauschen. Unter ihnen (obere Reihe von links) Wilhelm Leßle (Rasensport Harburg), Wilhelm Borbe (Harburger TB), Adolf Böttger (Rothenburgsorter FK), (untere Reihe) Wöbcke (Wandsbeker FC), Kuddel Tamm (Wandsbeker FC - assistiert Böttger beim Länderspiel), Walter von Husen (HSV), Ernst Seikowski (HSV).

Foto: Ralf Klee
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Mannschaftsaufstellung: Programmheft vom 28.12.1945, der Spielertrainer Adolf Böttger stellte sich als linken Läufer auf und positionierte Edmund Malecki (Nationalspieler von Hannover 96) auf Halbrechts. Es half alles nichts, die Deutsche Auswahl verliert gegen die Italiener mit 0:2.

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Topographie der Gefangenschaft: Der "Offizierskäfig" des Lagers 305 mit Hospital und Sportplatz. Adolf Böttger (1913-1967) saß hier bis 1947 fest und wurde dann ins Camp 380 - das sogenannte Entlassungslager - verlegt.

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3:0 statt El Alamein: Die deutsche Auswahl (l.) und das englische "Middle-East-Team" standen sich am Nikolaustag 1947 im Victoria-Stadion gegenüber. Es spielten in der Kriegsgefangenen-Auswahl: Danowski - Bock, Seikowski - Leßle, Stelter, Liebers - Schwarz, Peukert, Förster, Klein, Stauffer. Und für die Middle-East-Army: Ingram - Taylor, Lumsden - Beswick, Hazelton, Hayden - Cox, Hunt, Delaphena, Carruthers, Greyer Am Ende siegen die Deutschen 3:0.

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Bunte Reihe vor dem Länderspiel: Die ehemaligen Kriegsgegner traffen sich zu einem gemeinsamen Schnappschuss, später ging es an die Kaffeetafel. Dritter von Rechts: Trainer Adolf Böttger.

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Bildung für die Kriegsgefangenen: "Eine Linie entsteht, wenn sich ein Punkt fortbewegt..." In den Lagern am Bittersee gab es ein differenziertes Bildungssystem. Bei erfolgreicher Teilnahme erhielten die Internierten ein "Certificate". Die Gefangenen konnten sich in z. B. in Mathematik, Anatomie, Erdkunde oder Theologie fortbilden. Die Scheine wurden an deutschen Universitäten meist anerkannt, sodass Heimkehrer ihr Studium verkürzen konnten. Böttger belegte hier Englisch-Kurse.

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Ehrengabe aus Aluminium- und Holzresten: Der frühere HSV-Spieler Ernst Seikowski erhielt nach 25 Spielen für die Ligamannschaft des Camps 306 eine Auszeichnung. Später sollte die Mannschaft als "Arbeitskompanie 2719" antreten und Seikowski von Adolf Böttger zum "Länderspiel" gegen die Engländer berufen werden.

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Ambivalentes Verhältnis zur Siegermacht: Adolf Böttger (Mitte, bei einer Siegerehrung) schätzte den englischen Sportsgeist, auch wenn er unter der zurückhaltenden Entlassungspolitik der Briten litt. Der gelernte Schriftsetzer und Polizeiwachtmeister blieb bis 1948 in Ägypten interniert.

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Sandsturm am Bittersee: "Wetter ist jetzt hier übel in Afrika. Hitze, Sandsturm und Wolkenbrüche, mehr feucht als fröhlich. Jetzt beginnt die Zeit der Fliegen und Moskitos, üble Plagegeister.", notierte Adolf Böttger am 3. Mai 1946.

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Post für den Lager-Kommandanten: Adolf Böttger, der im externen Offiziersbereich ("Satellite") interniert war, wollte im Lager 305 eine Cage-Mannschaft trainieren - und bat die Verlegung. Dem Gesuch wurde stattgegeben. Für den Hamburger war es der Start als Sportfunktionär.

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Begeisterung im "Great Bitter Lake Stadium": Zu den großen Begegnungen kamen Tausende, hinter den Kulissen kümmerte sich Böttger um Spielpläne und organisierte Auswahlspiele.

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Zurück in die Zivilgesellschaft: Deutsche Kriegsgefangene erbauten gemeinsam mit den Briten 1946 das "Great Bitter Lake Stadium". Eine voll ausgestattete Sportstätte mit überdachter Tribüne, Sprunggruben, Laufbahnen und lebensgroßen Skulpturen - die internierte Steinmetze und Künstler formten.

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Am Süßwasserkanal zum Bittersee: Der "Fußballkönig" reiste im August 1946 zu einem Auswärtsspiel und war überwältigt: "Im Auto ging es bis Ismailia. Immer am Grünstreifen des Süßwasserkanals entlang. Besichtigungsfahrt durch Ismailia, herrliches Städtchen. Parks, Wald, schöne Villen - mir wurde ganz komisch. Dann am kleinen Bittersee entlang und den letzten Teil immer am Suez-Kanal. Gute Aufnahme in El-Bala, es gab neben einer 2:5-Niederlage sogar Konditorkuchen und süßen Tee. Abends Konzert der Wüstenspatzen. Ein herrlicher Tag." Der Süßwasserkanal verband die einzelnen Dörfer und Kleinstädte der Region miteinander. Er wurde von den Einwohnern unter anderem zur Beförderung von Waren, als Waschgelegenheit und zur Kühlung von Lebensmitteln (z.B. Melonen) verwendet. Die schlechten hygienischen Bedingungen führten 1947 zu einer Cholera-Epidemie.

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Meisterhaft im Lager: Adolf Böttger gewann als Spielertrainer im Mai 1946 die Campmeisterschaft. Die Sportanhänger nannten ihn nun "Fußballkönig" oder "Fußballpapst".

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