Zweiter Weltkrieg Kopfschuss in der Dämmerung
Festung Königstein: Die Festungsanlage aus dem 13. Jahrhundert in der Sächsischen Schweiz wurde nach Kriegsausbruch im September 1939 zunächst als Lager für polnische Kriegsgefange, später dann für französischen Generale und Offiziere genutzt. Auf der Feste Königstein saß auch der französische General Maurice Mesny ein, der am 19. Januar 1945 auf einer vorgetäuschten Verlegung in das Offizierslager Colditz auf "Führerbefehl" von SS-Leuten in der Nähe von Nossen erschossen wurde.
Hitlers Diplomaten: Horst Wagner (M.) war ab April 1943 als Leiter der Gruppe Inland II im Auswärtigen Amt zuständig für "Antijüdische Auslandsaktionen". Er war es auch, er im November 1944 einen detaillierten Plan für den Mord an dem französischen General Maurice Mesny zu Papier brachte. Der Wagen, in dem der Kriegsgefangene verlegt werden sollte, würde eine Panne vortäuschen, notierte Wagner: "Bei dieser Gelegenheit soll der General durch gezielten Rückenschuss 'auf der Flucht' erschossen werden. Als Zeitpunkt ist Dämmerung vorgesehen." Das Dokument. Als "geheime Reichssache" deklariert, landete das Dokument schließlich auf dem Schreibtisch von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop (hier 2.v.r.. neben Adolf Hitler).
Ruinen in Oradour: Augebrannte Häuser sind stumme Zeugen des Massakers, das eine Einheit der SS-Division "Das Reich" hier am Nachmittag des 10. Juni 1944 anrichtete. Über 600 Dorfbewohner wurden von den deutschen Soldaten umgebracht.
Massacre: Einige der entstellten Opfer des Massakers von Oradour liegen aufgebahrt im Freien. Insgesamt 642 Frauen, Männer und Kindern wurden am 10. Juni 1944 in dem Dorf unweit von Limoges von SS-Männern erschossen oder bei lebendigem Leib in der Dorfkirche verbrannt.
In der "Wolfsschanze" bei Rastenburg: Nachdem der deutsche General von Brodowski Anfang November 1944 in der Zitadelle von Besançon in britischer Kriegsgefangenschaft umgekommen war, ordnete Hitler Vergeltung an. Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel zögerte nicht und befahl, im Gegenzug einen gefangenen französischen General zu liquidieren. "Sowas können wir auch!", soll Keitel ausgerufen haben, als er den völkerrechtswidrigen Befehl zur Gefangenenerschießung durchgab. Im Bild ist Keitel (r.) mit Hitler am 15. Juli 1944 im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" bei Rastenburg (Ostpreußen). Ganz links steht Oberst Claus Graf von Stauffenberg, der fünf Tage später versuchte, Hitler und seine Generalität in die Luft zu sprengen.
Gottlob Berger: Der SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Gottlob Berger war von SS-Chef Heinrich Himmler zum Chef des "Kriegsgefangenenwesens" erannnt worden, nachdem der "Reichsführer SS" im Oktober 1944 die Zuständigkeit für die Kriegsgefangenen übernommen hatte. 1949 wurde Berger im Wilhelmstraßen-Prozess in Nürnberg zu 25 Jahren Haft verurteilt, aber schon 1951 wieder entlassen. Er starb 1975 in Stuttgart.
Oradour-Prozess 1953: Vor einem Militärgericht im französischen Bordeaux wurde Anfang 1953 mutmaßlichen Mittätern des Massakers von Oradour am 10. Juni 1944 der Prozess gemacht. 45 frühere SS-Mitglieder wurden zum Tode verurteilt, 43 davon in Abwesenheit. Die vor Gericht anwesenden Angeklagten kamen alle kurz nach Prozessende frei.
General Maurice Mesny: Der französische General war 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten und saß in der Festung Königstein ein. Am 19. Januar 1945 wurde Mesny während einer Verlegungsfahrt erschossen. Der angebliche Fluchtversuch war jedoch nur inszeniert um den in französischer Kriegsgefangenschaft umgekommenen deutschen General von Brodowski zu rächen.