Zweiter Weltkrieg - DER SPIEGEL
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Zweiter Weltkrieg Die andere Erinnerung an 1939

Wenn Angela Merkel und Wladimir Putin kommende Woche nach Danzig reisen, werden sie bei der Gedenkfeier zum Kriegsbeginn vor 70 Jahre mit Polens Sicht auf den Überfall konfrontiert werden. Auf SPIEGEL ONLINE erklärt Pawel Machcewicz, Berater von Premier Donald Tusk, warum die Polen den Zweiten Weltkrieg anders erinnern - und dem deutschen Gedenkbetrieb misstrauen.
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Churchill, Roosevelt und Stalin: Im Badeort Jalta auf der Krim einigten sich die "Großen Drei" im Februar 1945 auf eine Nachkriegsordnung für Europa. Im kollektiven Gedächtnis der Polen steht Jalta bis heute für den Verrat der Westmächte an Polen, das bei der Konferenz der sowjetischen Einflusszone zugeschlagen wurde.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Nach Vertragsabschluss: Der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop (2.v.l.) und sein sowjetischer Amtskollege Wjatscheslaw Molotow (r..) unter zeichneten am 23. August 1939 in Anwesenheit Stalins (M.) den sogenannten Hitler-Stalin-Pakt. In einem geheimen Zusatzprotokoll teilten die beiden Diktaturen Polen untereinander auf. Eine Wochen darauf marschierte die Wehrmacht in Polen ein, kurz darauf fiel die Rote Armee den polnischen Verteidigern in den Rücken - eine bis heute traumatische Erfahrung für Polen.

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Kriegsbeginn: Eines der bekanntesten Propaganda-Bilder vom ersten Tag des Zweiten Weltkriegs zeigt Angehörige der Danziger Landespolizei, die am 1. September 1939 einen Schlagbaum an der deutsch-polnischen Grenze nahe Danzig zerstören.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-51909-0003
Zum digitalen Bildarchiv des Bundesarchivs 

Foto: Das Bundesarchiv/Hans Sönnke
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Der "Führer" an der Front: Umringt von Offizieren verfolgt der deutsche Diktator Adolf Hitler den Vormarsch der Wehrmacht auf Warschau im September 1939. Die Kriegführung der deutschen Invasoren hatte von Anfang an Züge eines Vernichtungskrieges - umso mehr verletzte die Polen, dass in der berühmt-berüchtigten Wehrmachtsausstellung von 1995 nur die Verbrechen der Wehrmacht in der Sowjetunion thematisiert wurden, nicht aber die in Polen.

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Widerstand am Ende: Deutsche Soldaten führen im September 1939 polnische Kriegsgefangene ab. Sowohl die Deutschen wie die sowjetischen Besatzer Polens liquidierten systematisch polnische Offiziere, Journalisten, Dichter, Politiker, Priester, Aristokraten und sogar Sportler - Verbrechen, die durch Ortsnamen wie Katyn und Palmiry symbolisiert werden, an denen jeweils tausende Polen vom NKWD oder von der SS ermordet wurden.

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Aufstand im Warschauer Ghetto: Mit einem verzweifelten Aufstand hatten sich die im Warschauer Ghetto zusammengepferchten Juden im Mai 1943 gegen ihre Deportation in die NS-Vernichtungslager zu wehren versucht, doch der Aufstand wurde von SS-Truppen blutig niedergeschlagen. Während im kollektiven Gedächtnis der Deutschen dieser Aufstand präsenter ist, dominiert in Polen die Erinnerung an die Erhebung der polnischen Heimatarmee in der Hauptstadt im August 1944.

Foto: DPA
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Widerstand auf den Straßen: Polnische Widerstandskämpfer beim Barrikadenbau während des Warschauer Aufstandes im August 1944. Weil die vor der Stadt stehende Rote Armee den Aufständischen bewusst nicht zur Hilfe kam, konnten die Deutschen die Erhebung mit brutaler Gewalt ersticken - Stalin war es nur recht, dass die Nazis die polnische Heimatarmee aufrieb. In Polen gilt dies als weiterer Beleg, wie sich die beiden großen Nachbarn im Zweifel und ungeachtet aller ideologischen Differenzen auf Kosten Polens arrangieren. Einen Eklat löste 1994 der damalige Bundespräsident Roman Herzog aus, als er im Vorfeld des 50. Jahrestages den für die polnische Nachkriegsidentität zentralen Warschauer Aufstand mit dem Ghettoaufstand von 1943 verwechselte.

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Erika Steinbach: Die Geschichtspolitik der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, betrachten die meisten Polen als eine Belastung für die deutsch-polnischen Beziehungen. Sie verärgert, dass Steinbach immer wieder die Leiden der Deutschen während und unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs in den Mittelpunkt stellt, während die Unkenntnis über die nationalsozialistischen Verbrechen in und an Polen unter Deutschen immer noch eklatant ist.

Foto: ddp
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Ein großer Moment: Aus der Sicht vieler Polen ging der Zweite Weltkrieg für ihr Land nicht im Mai 1945 zu Ende, sondern erst im Sommer 1989, als bei den den ersten halbfreien Wahlen vom 4. Juni 1989 die kommunistische Regierung abgewählt wurde. Das Bild zeigt Solidarnosc-Führer Lech Walesa bei der Stimmabgabe.

Foto: Dieter Endlicher/ AP
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Massengräber von Katyn: Im Frühjahr 1940 ermordete der sowjetische Geheimdienst NKWD in einem Wald bei Katyn nahe Smolensk und an zwei anderen Orten mehr als 20.000 kriegsgefangene polnische Offiziere, Polizisten und Zivilisten. Das Massengrab von Katyn wurden 1943 durch die Wehrmacht entdeckt, die Nazis nutzten den Fund für ihre antikommunistische Propaganda. Die Sowjets wiederum behaupteten, die Nationalsozialisten seien die Täter gewesen. Erst 1990 wurde die Verantwortung der Sowjetunion von deren damaligem Präsidenten Michail Gorbatschow anerkannt. Für die Polen steht Katyn bis heute als Symbol dafür, dass nicht nur die Nazis, sondern auch die Sowjets Polen vernichten wollten - als Staat wie auch als Volk.

Foto: AP
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Historiker Machcewicz: Der Professor für Geschichte an der Kopernikus-Universität in Thorn (Torun) wurde 2008 vom polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk zum Bevollmächtigten seiner Regierung für das in Danzig geplante "Museum des Zweiten Weltkriegs" ernannt.

Foto: Pawel Machcewicz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?