Augenblick mal: Mantelausverkauf in Kopenhagen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Augenblick mal! Kleider machen Häuser

Kreativer Ausverkauf in Kopenhagen: Weil er sein Geschäft dichtmachen musste, überlegte sich ein dänischer Herrenausstatter eine gewiefte Werbetaktik und bedeckte die marode Häuserfassade mit seiner Mode. Die Aktion geriet zum Kassenschlager - obwohl die Polizei das Kleider-Haus kritisch beäugte.
Foto: blog.modernmechanix.com
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kann ich Ihnen helfen? "Hallo, ich hätte gern diesen Anzug da. Nein, nein, nein - doch nicht den, sehen Sie nicht den da oben in Reihe sieben. Acht. Ich meine: Reihe acht. Ja, zwölfter von links. Der neben dem braunen. Ja, genau der. Vielen Dank."

Alles musste raus an diesem Apriltag im Jahr 1936. Fast 30 Jahre lang residierte der Däne Christian Troelstrup mit seinem Geschäft für Herrenmode in dem großen Haus auf der kleinen Kopenhagener Straße Møntergade. Doch dann verscheuchte ihn die Stadtverwaltung: Die Substanz des Altbaus war in die Jahre gekommen, das Haus mit der Nummer 17 galt offiziell als abbruchreif, Troelstrup musste seine Sachen packen, Anordnung aus dem Rathaus. Dennoch wollte der Modemacher seine Kunden noch einmal in seinen alten Laden locken - für einen letzten Schlussverkauf, bevor er umziehen musste.

Zügig schmückten er und seine Mitarbeiter die gerüstverkleidete Fassade des bröckelnden Baus mit Tausenden Anzügen, Mänteln und Sakkos, hingen ein Kleidungsstück neben das andere, Reihe um Reihe, so lange bis auch das letzte bisschen Hauswand bedeckt war. Als der Geschäftsmann mit der Deko-Aktion fertig war, scharten sich Dutzende Schaulustige um das Geschäft. Ein paar von ihnen riefen aus Schreck die Polizei, die bald vor dem bekleideten Haus Streife fuhr - doch der Großteil kaufte: Am Ende seines Jetzt-ist-Schluss-Schlussverkaufs sollte kein Mäntelchen mehr am Gerüstgelände hängen - und das, obwohl es wohl ziemlich kompliziert gewesen sein muss, in der Kleiderwand etwas Passendes zu finden. Für Troelstrup ist die Werbetaktik jedenfalls aufgegangen. Bis heute wird in Kopenhagen unter dem Namen Mode vertrieben. Und noch einmal umziehen, musste Troelstrup auch nicht.

lab

Mehr lesen über