Billboard-Charts: Chartstürmer und Hitgaranten - DER SPIEGEL
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US-Billboard-Charts: Chartstürmer und Hitgiganten

US-Billboard-Charts Single-Börse der Superstars

Michael Jackson erklomm sie als Jüngster, Louis Armstrong als Ältester und Paula Abdul am langsamsten: Seit 1940 veröffentlicht das "Billboard"-Magazin die US-Charts - und Stars kämpfen erbittert um einen Platz an ihrer Spitze.
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Einfach unerträglich, diese Beatles! Der Titel des "Billboard"-Magazins vom 4. April 1964 seufzte: "Die DJs sind es müde, sie zu spielen. Die Medienleute sind es müde, über sie zu schreiben. Nur die Öffentlichkeit kann nicht genug von ihnen bekommen." Auf Seite 22 fand man den Beleg dafür - die Pilzköpfe aus Liverpool belegten gleich alle fünf ersten Plätze der Hot-100-Singlecharts: "Can't Buy Me Love", "Twist And Shout", "She Loves You", "I Want To Hold Your Hand" und "Please Please Me".

Unzählige Chart-Rekorde von Stars wie Michael Jackson, Mariah Carey oder Madonna sollte das "Billboard"-Magazin noch erleben. Doch eine Dominanz, wie sie 1964 "The Fab Four" an den Tag legten, hatte es nie zuvor gegeben - und sollte es auch nie wieder.

Pech für den King

Ursprünglich hatte das Blatt überhaupt nichts mit Musik zu schaffen. Als am 1. November 1894 eine neue monatliche Publikation namens "Billboard Advertising" erschien, richtete es sich ausschließlich als Fachblatt an die Werbeindustrie. Bald wendete sich das in Cincinnati beheimatete Branchen-Magazin allerdings der Unterhaltungsbranche zu. Zuerst wurde aus der Welt der Rummelplätze, Zirkusse, Varietés und Volksfeste berichtet, später über die ersten Filmstars und mit der Verbreitung von Radio und Tonträgern in den Zwanzigerjahren auch über die immer wichtiger werdende Musikszene.

Am 27. Juli 1940 erhob "Billboard" dann zum ersten Mal die "Best Selling Retail Records" - eine Auflistung der erfolgreichsten Songs in den USA. Das Lied "I'll Never Smile Again" belegte den Spitzenplatz. Eingespielt hatte es der Jazzmusiker Tommy Dorsey, Sänger war Frank Sinatra. Seitdem liefern sich Künstler und Musikindustrie ein Rennen um die besten Platzierungen in den Charts.

Erst recht seit "Billboard" 1958 die universelle Hot-100-Liste für Singles einführte. Pech für Elvis Presley. Seinen Hit "Heartbreak Hotel" veröffentlichte er am 21. April 1956. Zu früh für eine Platzierung in den Hot-100. Einige von Presleys ersten Erfolgen erscheinen daher in Statistiken in Klammern - oder gar nicht.

Für die Plattenlabels avancierte das Magazin mit seiner Chart-Liste zu einer Art Bibel. In den Vierzigerjahren produzierte das Radio die ersten Superstars, das Verlangen nach Musik stieg rapide an. "Billboard" begleitete diese Entwicklung redaktionell und ordnete die Erfolge - und Misserfolge - in Tabellen ein. Das verursachte einen wahren Papierkrieg. Jede Woche hatte ein US-weites Netz von Läden, Musikautomaten-Betreibern und Radiosendern Formulare einzusenden, die dann von "Billboard" ausgewertet wurden. Entsprechend war das System äußerst anfällig für Manipulationen, um Songs zu puschen. 1988 wurde dann ein elektronisches Verfahren eingeführt.

Dauerbrenner und Gipfelstürmer

Der Blick in die Geschichte von "Billboards" Erhebungen verrät wahre Rekordleistungen. Sage und schreibe 736 Wochen hielt sich Pink Floyds "Dark Side Of The Moon" in den Album-Charts. 64 Wochen brauchte dagegen Paula Abdul mit ihrem Debüt-Album "Forever Your Girl", um endlich Nummer-eins-Status zu erreichen.

Absoluter Rekordhalter der Top-100-Single-Charts ist hingegen das Lied "One Sweet Day" von Mariah Carey und den Boyz II Men: 16 Wochen hielt es sich auf Platz eins. So lange wie kein Lied zuvor - oder nachher. Fast verzweifelt bemühten sich dagegen die Jungs von Foreigner, endlich eine Nummer 1 in den USA zu landen. Ihr "Waiting For A Girl Like You" wurde allerdings von Olivia Newton-John mit ihrem körperbetonten "Physical" deutlich auf Platz zwei verwiesen. Mit "I Want To Know What Love Is" sollte ihnen später doch noch die Topplatzierung gelingen - ein einziges Mal.

Mittlerweile hat sich die Musikbranche stark gewandelt: Ob es in den Zeiten von Stream-Zählern und sinkenden Tonträgerverkäufen "Billboard" und die Hot-100-Charts noch braucht? Paul McCartney würde sicher mit "Yes" antworten, landete er doch am 21. Februar 2015 mit "FourFiveSeconds" endlich wieder einmal in den Top Ten. Nach 29 langen Jahren. Auch ein Rekord.

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Zum Jubiläum der US-Billboard-Charts haben wir uns tief in den Plattenkeller begeben. Klicken Sie sich durch 75 Jahre voller Dauerbrenner und Gipfelstürmer, Absteiger und ewige Zweite.