Der erste iPod Eine Zigarettenschachtel voller Musik
Gemessen an heutigen Standards war der iPod bei seiner Markteinführung ein Rolls Royce unter den MP3-Playern.
Der Hof der Speditionsniederlassung im Münchner Nordosten lag schon fast im Dunkeln an diesem Spätnachmittag im November 2001. Der Paketzusteller war zwei Tage vorher bei uns zuhause vorbeigekommen, hatte aber niemanden angetroffen, also stand ich jetzt mit dem Abholzettel auf dem kalten, windigen Gelände der Spedition.
Es war Freitag und ich hatte, da mein Wagen repariert werden musste, meine Mutter dazu überreden können, mit mir hierher zu fahren. Denn ich wollte unbedingt noch vor dem Wochenende meinen neuen MP3-Spieler in den Händen halten wollte. Sein Name, damals noch recht ungewohnt: "iPod".
Alles fing knapp 2 Monate vorher an: ich hatte mir den aktuellen Spiegel gekauft und beim Durchblättern fiel mir aus seinem Inneren eine Werbung vor die Füße.
Normalerweise wanderten diese Anzeigenheftchen sofort ins Altpapier - an diesem Tag jedoch nicht. Denn das, was mir vor die Füße fiel, war bemerkenswert: da machte eine mir sehr wohl bekannte Firma - Apple - mit einer großformatigen Broschüre Werbung für ein Gerät, das mir gänzlich unbekannt war: weiß, ein Bildschirm in der oberen Hälfte, die untere von einem großen runden Steuerelement beherrscht. Und darunter: "Say hello to iPod". Mein Interesse war geweckt.
Eine Jukebox für die Hosentasche
Dieser iPod versprach doch glatt "1000 Songs in deiner Hosentasche" und bot 5 Gigabyte Speicherplatz - beides damals astronomisch viel. Und dabei sollte das Gerät nicht größer als eine Zigarettenschachtel sein. Ich war beeindruckt - die damals üblichen MP3-Player kamen mit Speichersticks daher und boten maximal Platz für eine CD mit 17 Songs.
Es kam wie es kommen musste: ich wollte, nein musste einen iPod besitzen. Einzige Achillesverse: dieser MP3-Player kostete auch astronomisch viel - 999 Mark. Jeder, dem ich von meinem Vorhaben erzählte, erklärte mich für verrückt, wenn nicht sogar komplett geisteskrank. Schönes Gerät, natürlich - aber 1000 Mark?
Ich konnte damals meine Kritiker (und wohl auch mein schlechtes Gewissen) mit folgender Argumentation beruhigen: 1000 Songs, 5 GB - die 999 Mark sind insofern gerechtfertigt, als dass ich nie mehr einen anderen MP3-Player benötigen würde. Bis ich 1000 Songs zusammenhatte, das konnte Jahre dauern. So meine Überzeugung damals.
Schwer angesagt im Freundeskreis
Der Satz klingt in heutigen Ohren reichlich lächerlich. Aber er zog und überzeugte mich, das Richtige zu tun. Ich überwies im Herbst 2001 also die 999 Mark und hielt an diesem windigen und kalten Novembertag wohl einen der ersten iPods Deutschlands in den Händen. Die Speditionsmitarbeiter waren verwundert, wie viel Freude man bei der Abholung eines so kleinen Pakets haben kann. Immerhin war ich nicht der einzige - eine Familie holte sich ihren iPod zur gleichen Zeit ab.
Damit begann mein digitales Leben. Ich war mit dem iPod im Freundes- und Bekanntenkreis auf einmal schwer angesagt - hatte ich doch jetzt meine ganze Musik immer dabei und konnte mit dem kleinen Gerät ganze Abende bei Freunden musikalisch bestreiten, indem ich den iPod einfach an die Stereoanlage anschloß.
Mehrere Stürze auf harten Betonboden hinterließen kleinere Kratzer - aber der Bursche erwies sich als hart im Nehmen. Ich erntete nach Jahren noch Kopfschütteln, wenn ich über das, was der iPod bot, sprach - "unfaßbar", "unglaublich", "wow" waren die Attribute, die ich zu hören bekam. Schließlich begleitete mich die Zigarettenschachtel auch nach Irland.
Und es kam natürlich anders als ich es 2001 vorhersagte: Bereits 2004 war mir der Bursche zu klein geworden, also kam der Nachfolger ins Haus. 40 GB, 10.000 Songs und wieder Platz für diesmal wirklich alle Songs.