einestages-Adventskalender Der Graf macht Klingelmännchen
Unheilig: "Frohes Fest"
Heiter erklingen seit Jahrzehnten die Töne von "Kling, Glöckchen, klingelingeling" aus zarten Kinderkehlen. 2002 kam der Weihnachtsklassiker in neuer Form daher. Mit seiner dröhnenden Stimme interpretierte "Der Graf" als Sänger der Band Unheilig das Stück - unterlegt mit anheimeldenden Elektro-Gothic -Rock. Sozusagen ein Weihnachtslied für den Dancefloor.
"Kling, Glöckchen, "O Tannenbaum" oder "Leise rieselt der Schnee" - kaum ein Klassiker, den "der Graf" nicht düster verfremdet auf dem Weihnachtsalbum "Frohes Fest" versammelt hatte. Und damit der Gothic-Szene einen Ohrenschmaus bescherte.
Ähnlich wie der Weihnachtsmann gilt auch der Sänger, bei Auftritten bis zu seinem Rückzug aus der Musikbranche 2014 stets in dunklem Anzug und weißem Hemd gekleidet, als Phantom. Weder sein Geburtsname noch sein Geburtstag sind bekannt, einst soll er einen katholischen Kindergarten besucht und im Kinderchor gesungen haben. Seit seinem fünften Lebensjahr litt "Der Graf" wohl unter Stottern.
Auf dem Album "Frohes Fest", das 2009 neu aufgelegt wurde, ist von dieser Sprechstörung nichts mehr zu hören. Im ersten Stück der CD beginnt "Der Graf" mit der ersten Strophe des Gedichts "Sternzeit": "Die Gruft geht auf, das Tor macht weit: Es kommt der Graf der Dunkelheit". Also niemand anders als er selbst
Als singendes Mysterium schmettert er dann "Kling, Glöckchen, klingelingeling", das erstmals 1854 erstmals in der Sammlung "Liederquelle" erschien. Es geht es um das Christkind, das freundlich Einlass in die Stube erbittet: Das hell klingende Glöckchen ist traditionell die Einladung zur Bescherung.
Mit Dunkelheit in der Stimme singt dagegen der Graf: "Mädchen hört und Bübchen, macht mir auf das Stübchen". Dabei will wahrscheinlich genau das gleiche erreichen, wie das gute Christkind: "Öffnet mir die Herzen!" Warum es nicht mal auf die rockig-dunkle Art probieren?